Foodsharing in Monschau, Simmerath und Roetgen

Tauschbörse : Plattform zum Tausch von Lebensmitteln gegründet

Ob die Obstbäume vor lauter Früchten überquellen, die Hühner reichlich Eier legen, zu viele Pilze gesammelt wurden oder die gerade angebrochene Packung Tee leider doch nicht schmeckt – die 32-jährige Mira Huppertz aus Imgenbroich hat auf Facebook eine Gruppe gegründet, wo jeder die Möglichkeit hat, diese Dinge anzubieten und anderen damit eine Freude zu machen.

Es geht um ein Geben und Nehmen, um das Teilen von Lebensmittel, die man nicht mehr mag oder gebrauchen kann, die aber zum Wegwerfen viel zu schade sind.

In anderen Regionen und Städten ist diese Form des Austauschs unter dem Begriff „Foodsharing“ oft schon recht verbreitet. „So eine Plattform fehlte hier bislang. Ich habe vorher selbst nach einer solchen Gruppe gesucht, aber keine gefunden. Ich war schon etwas überrascht, dass ich hier in der Gegend scheinbar die Erste mit dieser Idee war“, sagt Huppertz. „Foodsharing Monschau-Simmerath-Roetgen“ heißt die von ihr gegründete Gruppe, in der sich inzwischen rund 300 Personen angemeldet haben.

Sie selbst hat von Foodsharing in der Vergangenheit schon reichlich profitiert, seien es Äpfel aus Imgenbroich, Tomaten aus Mützenich oder Pflaumen aus Euskirchen, einige Zucchini hatte sie wiederum übrig.

Auf die Idee zu der Foodsharing-Gruppe kam sie durch ihre Oma. „Meine Oma hat mich gefragt, ob ich nicht wüsste, woher ich ein paar Äpfel bekommen könnte. Sie wollte nämlich Kompott machen und wäre fast zum Obsthändler gefahren, um sich die Äpfel dort zu besorgen“, sagt Mira Huppertz. Sie hörte sich um und traf auf eine Arbeitskollegin, die ihr Pflaumen anbot. Die konnte ihre Oma auch gebrauchen und hat sie eingeweckt.

Als sie dann sah, dass eine Bekannte bei Facebook die gesuchten Äpfel anbot, kam sie auf die Idee, in dem sozialen Netzwerk eine „Foodsharing-Gruppe“ ins Leben zu rufen, also eine Plattform, auf der Lebensmittel angeboten und getauscht werden können. „Ich habe gemerkt, dass es oft so ist, dass auf der einen Seite ein Mangel herrscht und auf der anderen ein Überschuss. Da habe ich mich gefragt, ob sich das nicht zusammenbringen lässt“, berichtet Huppertz.

Die angebotenen Äpfel hat sie dann auch noch abgeholt und bei ihrer Oma abgeliefert. „Die hat geschrien vor Freude über die schönen Boskoop-Äpfel.“

Die „Foodsharing-Gruppe“ nahm schnell Fahrt auf und es wurde gleich rege angeboten und getauscht: Pfefferminze, Birnen, Äpfel, Walnüsse und andere Dinge. „Es können alle Lebensmittel angeboten werden, nicht nur Sachen aus dem eigenen Garten, quasi alles, für das man selbst keine Verwendung hat. Das kann auch die frisch geöffnete Packung Tee sein, die einem selbst nicht schmeckt“, erläutert Huppertz.

Sie lebe zwar ökologisch bewusst, sie sei aber nicht das, was man salopp einen Öko nennt. „Aber ich will meinen ökologischen Fußabdruck schon so klein wie möglich halten“, sagt sie. Sie habe Spaß daran, Menschen zusammenbringen. Das sei auch der Grund für die Gründung einer anderen Facebookgruppe gewesen. Auch bei „Du bist aus Imgenbroich, wenn…“ sei es darum gegangen, Leute mit gemeinsamen Interessen zusammenzubringen.

Auf Dauer soll der Austausch von Lebensmitteln aber nicht auf die Facebookgruppe beschränkt bleiben, nicht zuletzt auch deshalb, weil sich viele ältere Menschen damit schwer tun. Daher könnte sich Mira Huppertz auch vorstellen, einen Einweck-Sonntag zu organisieren - zum Beispiel als gemeinsame Aktion mit den Großeltern. „Es wäre schön, wenn der Austausch weitere Kreise ziehen würde, gerade auch zwischen Alt und Jung“, sagt die 32-Jährige. Viele Ältere seien zum Beispiel nicht mehr in der Lage, ihre Obstbäume oder ihren Garten zu pflegen, und mancher Jüngere habe vielleicht Interesse daran. Andersherum könne es auch sein, dass die Jüngeren aus ihren Gärten etwas an die Älteren abgeben und dafür von ihren Erfahrungen profitieren, dass sie Tipps bekommen oder einen Teil ihrer Früchte als Kompott zurückerhalten. „Das würde ich mir wünschen“, sagt Mira Huppertz.

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