Simmerath/Nordeifel: Fast 300 Mal Babyglück an Sankt Brigida

Simmerath/Nordeifel : Fast 300 Mal Babyglück an Sankt Brigida

„2016 bringt Baby-Boom an der Eifelklinik“ — so titelte unsere Zeitung vor einem Jahr an dieser Stelle. 315 Geburten hatte das Simmerather Krankenhaus damals für 2016 bilanziert — und damit den höchsten Jahreswert seit elf Jahren. Was damals noch nicht vorlag, waren die Geburtenzahlen der Nordeifelkommunen Monschau, Roetgen und Simmerath in besagtem Jahr.

Und diese Zahl lag in der Summe sogar noch zwei über der Geburtenzahl der Eifelklinik: 317 Kinder wurden 2016 geboren und in den drei Nordeifelgemeinden gemeldet. Und das war sogar der höchste Wert seit 2003. 2016 brachte also nicht nur eine Art Baby-Boom für die Geburtshilfe am Simmerather Krankenhaus, sondern auch sehr positive Geburtenzahlen für Monschau, Roetgen und Simmerath.

Ob sich dieser erfreuliche Trend in 2017 fortgesetzt hat, wird man erst in ein paar Tagen in den Rathäusern zusammenzählen; im Simmerather Krankenhaus jedenfalls stand kurz vor Ende des Jahres die zweithöchste Geburtenzahl seit 2005 zu Buche: 284 Geburten zählte man hier bis kurz vor Weihnachten — „und ein paar werden wohl noch kommen“, meinte Dr. Andreas Cousin, Chefarzt der Geburtshilfe an Sankt Brigida, im Pressegespräch. Und er behielt Recht: Bis vergangenen Freitag (29. Dezember) kletterte die Zahl im Geburtenbuch der Entbindungsstation auf 291 Babys, alleine fünf „Christkindchen“ kamen an Heiligabend und an den zwei Weihnachtsfeiertagen in Simmerath zur Welt.

Die 300 wurde also diesmal nicht erreicht, doch der Grund für den leichten Rückgang gegenüber 2016 liegt laut Dr. Cousin auf der Hand: „Im Jahr 2016 haben hier bei uns 22 Flüchtlingsfrauen entbunden, die vorübergehend in Einruhr, Höfen, Monschau und Simmerath lebten. Im Jahr 2017 gebar hier noch genau eine geflüchtete Frau“, macht der Chefarzt deutlich. Leider — aus Sicht der Abteilung — würden jetzt alle aus ihrer Heimat geflüchteten Frauen, die mittlerweile in Vogelsang untergebracht sind, in Mechernich entbinden. „Darauf haben wir leider keinen Einfluss“, so Dr. Cousin.

Mit über 290 Geburten aber sei das Geburtenbuch der Station dennoch „erfreulich gefüllt“, hält Hebamme Eva Krings fest. Die dienstälteste Geburtshelferin teilte sich die Arbeit im Kreißsaal im vergangenen Jahr mit Kathrin Wei-nert, Vera Forster und Andrea Victor und die Vor- und Nachsorge der Mütter und ihrer Kinder zusätzlich mit den Hebammen Laura Graf, Sabine Wirtz sowie Rita Greuel und deren Tochter Katharina Greuel. Den sehr hohen Versicherungsbeitrag für Hebammen von mehr als 8000 Euro jährlich müssen dabei nur die vier Geburtshelferinnen leisten, wobei hier die Gesundheitspolitik für Entlastung gesorgt hat: „Die Erhöhung der Vergütung und der Sicherstellungszuschlag helfen uns da schon weiter“, spricht Kathrin Weinert für alle Kolleginnen.

Das Beleghebammensystem für Sankt Brigida und die Nordeifel ist in den Augen von Dr. Cousin „nach wie vor das beste Argument, sein Kind hier zur Welt zu bringen“. Die persönliche Betreuung vor, während und nach der Geburt sei für die Familien ein Luxus, den man in den Städten und großen Kliniken vergebens suche, ist der Chefarzt sicher. In Simmerath herrsche dagegen eine sehr familiäre Atmosphäre und eine ganz andere Nähe zwischen der Wöchnerin und den Pflegekräften, schließt Cousin bewusst auch die im vergangenen Jahr 14 Schwestern der Station und seine Arztkollegen hier mit ein. Zu letzteren zählt übrigens auch weiterhin Dr. Dieter Sohr, der eigentlich im vergangenen Sommer in Ruhestand gehen wollte, den Chefarzt aber nach wie vor unterstützt. „Es ist halt genug zu tun hier“, meint Dr. Andreas Cousin.

Die gute Betreuung auf Station eins sei beispielsweise auch ein Grund dafür, dass die Zahl der Hausgeburten in der Nordeifel „gegen Null“ gehe, wie der Chefarzt weiß. Auch die Zahl ambulanter Geburten, bei denen die Gebärende kurz nach der Entbindung wieder nach Hause geht, liegt in Simmerath nicht besonders hoch, wie die Hebammen berichten. „Bei Spontangeburten bleiben die meisten Frauen drei Tage hier, bei Kaiserschnitt fünf Tage“, erzählt Kathrin Weinert und Eva Krings ergänzt: „Das war früher ganz anders; da blieben die Frauen oft sieben bis zehn Tage oder nach Kaiserschnitt sogar zwei Wochen im Krankenhaus.“ „Wegen der guten Betreuung in Simmerath“ blieben aber viele Wöchnerinnen gerne auf Station eins und gingen dann häufig „schon sehr fit“ wieder nach Hause, berichtet Rita Greuel.

Zu der genannten Betreuung gehört auch die Beratung und Hilfe beim Stillen, auf die die Hebammen sehr großen Wert legen. „80 Prozent unserer Frauen gehen stillend nach Hause“, weiß Dr. Andreas Cousin, „auch diese sehr individuelle Hilfe und Begleitung ist in den großen Häusern so nicht möglich“, ergänzt Rita Greuel.

Entbindung vor der 37. Woche

Das vergleichsweise kleine Haus darf von jeher keine Geburten vor der 37. Schwangerschaftswoche annehmen, da hier keine Kinderklinik angeschlossen ist. Gleichwohl kamen auch 2017 sieben Kinder vor dieser Zeitgrenze in Simmerath zur Welt. „In all diesen Fällen war eine Verlegung nach Stolberg oder Aachen nicht mehr möglich“, sagt der Chefarzt — und fügt mit ein wenig Stolz hinzu: „Und es hat alles gut geklappt.“

Natürlich gab und gibt es auch 2017 kritische und traurige Fälle auf der Geburtshilfestation. In einem Fall musste ein bereits totes Kind geboren werden, in anderen Fällen musste die Schwangerschaft abgebrochen werden; „auch da sind wir nahe bei den Patientinnen“, sagt Dr. Cousin. Er sieht seine Abteilung gut aufgestellt bei Komplikationen wie Schwangerschaftsvergiftung, Bluthochdruck oder Diabetes bei der werdenden Mutter. Und wenn es zu kritisch werde, habe man in Simmerath kein Problem damit, die Patientinnen an andere Häuser zu vermitteln. „Wir sind froh für jede Geburt hier. Aber wir gehen kein unnötiges Risiko ein“, nennt Dr. Cousin die Maxime der Geburtshilfeabteilung an Sankt Brigida.

Träger steht zur Geburtshilfe

Dass der Träger Artemed bei rund 300 Geburten jährlich fest zur Abteilung steht und diese auch personell gut ausstattet, ist für den Chefarzt „höchst erfreulich und ein Glücksfall für die Familien in der Eifel“. Schließlich gehe der Trend in Deutschland leider zu einer Zentralisierung der Geburtshilfe in großen Häusern, weiß Kathrin Weinert und verweist auf die Zusammenlegung der Geburtshilfestationen in Eschweiler und Stolberg oder die Schließung der Geburtshilfe in Köln Nippes mit über 1100 Geburten im Jahr.

So lange jedoch die Familien in Simmerath und Monschau, aber immer häufiger auch in Roetgen, Schmidt und im Schleidener und Dürener Raum der Geburtshilfe an Sankt Brigida vertrauen und ihr die Treue halten, sind der Fortbestand der Abteilung und damit eine ortsnahe Betreuung werdender Mütter in der Eifel gesichert.