Falsche Polizisten haben Senioren in der Nordeifel im Visier

Deutlich mehr gemeldete Fälle : Falsche Polizisten haben die Nordeifel entdeckt

Die Zahl der gemeldeten Fälle von falschen Polizisten ist in der Nordeifel im Jahr 2019 von sieben auf 81 geschossen. Die Polizei rät: Nur Misstrauen und Unhöflichkeit helfen gegen die Betrüger.

Die nackten Zahlen lassen keine andere Interpretation zu: Die dreisten Betrüger, die am Telefon vornehmlich ältere Menschen hinters Licht führen und um ihr Hab und Gut bringen wollen, haben in diesem Jahr die Nordeifel als Betätigungsfeld für ihre kriminellen Machenschaften entdeckt. Nach „nur“ sieben gemeldeten Fällen von Januar bis Oktober des Vorjahres kamen 2019 im gleichen Zeitraum 81 Fälle in Monschau, Roetgen und Simmerath zur Anzeige.

Für Andreas Müller, Pressesprecher der Aachener Polizei, ist dieser rapide Anstieg in einem vergleichsweise engen Bereich nicht überraschend: „Die Anrufe kommen aus einem Call-Center aus dem Ausland, meistens aus der Türkei. Hier suchen sich die Täter immer einen sehr begrenzten räumlichen Bereich aus und setzen für ihre Anrufe einen entsprechenden Vorwahl- oder Postleitzahlenfilter“, weiß Müller. Offenbar spuckte die Suchmaschine dann in diesem Jahr Telefonnummern mit dem Anfang 0247 aus, aber auch Vorwahlen, die mit 024 beginnen, „denn die signifikante Erhöhung haben wir so ähnlich auch im gesamten Raum Aachen beobachten müssen“, sagt Müller.

Auf der Suche nach Opfern bauen die Betrüger dann noch einen anderen „Filter“ ein, denn zumeist rufen sie Nummern an, zu denen nur eine weibliche Person und zwar bevorzugt mit einem älteren Vornamen im Telefonregister gespeichert ist.

Bevorzugten die Betrüger früher gerne den sogenannten „Enkeltrick“ , so steht seit gut einem Jahr eine andere Masche am höchsten im Kurs. Das Opfer erhält einen Anruf, der vermeintlich von der Aachener Polizei kommt. Im Display ist auch tatsächlich die Nummer 0241-110 zu sehen. Die wird aber vom Anrufer mit einer handelsüblichen Software gefälscht und gesendet. Dem Opfer wird erzählt, dass man ganz in der Nähe eine Einbrecherbande dingfest gemacht habe. Bei den Verhafteten seien Listen mit potenziellen Einbruchsopfern gefunden worden, auf denen auch seine Adresse stehe. Leider seien einige der Einbrecher entkommen, so dass nun zu befürchten sei, dass sie das Opfer doch heimsuchen. Dessen Haus werde bereits von Polizeibeamten observiert. Zur Sicherheit sollten jedoch alle Wertgegenstände und sämtliches Bargeld in die Obhut der Polizei gegeben werden.

„Das ist so professionell gemacht, dass Namen von tatsächlich in der Gegend arbeitenden Polizisten verwendet werden und man im Hintergrund sogar Funkgeräusche hört“, so der Aachener Hauptkommissar Ben Hamacher. Und die vermeintlich observierenden Beamten werden sogar währende des Telefonats angeblich über Funk gerufen und gefragt: „Ist an der Adresse XY alles in Ordnung?“ Das suggeriere den Opfern, dass hier tatsächlich ein Polizeieinsatz im Gange sei.

Sind die Opfer dann noch am Telefon, bauen die Täter immer mehr Druck auf. Das könne über Stunden oder gar Tage gehen. Gleichzeitig werde den Opfern größte Verschwiegenheit auch gegenüber Verwandten auferlegt, so Hamacher. Sind die Opfer „weichgekocht“, werden die Übergabemodalitäten festgelegt. Mal sollen Polizisten in Uniform, mal zivile Beamte das Geld abholen, mal wird eine „diskrete“ Übergabestelle irgendwo im Dorf angegeben.

Genau so professionell und offenbar gut vorbereitet gingen die Täter beispielsweise letzte Woche in Steckenborn vor. Sie riefen bei einer – scheinbar schon älteren – Dame an, die „Im Hech“ wohnt und erklärten ihr glaubhaft, dass ein Einbrecher in der Nachbarstraße „Im Schiefenborn“ gefasst worden sei. Auch dieser Anruf schien aus einer Polizeileitstelle samt Funkverkehr im Hintergrund zu kommen. Was die Täter aber nicht wussten: Am anderen Ende der Leitung war nicht besagte Seniorin mit dem alten Vornamen – diese verstarb vor einigen Monaten –, sondern die jüngere Schwiegertochter, die nach der Märchenstunde am anderen Ende der Leitung mit passenden Worten den Anruf beendete.

„Alles richtig gemacht“, lobt die Polizei die Reaktion der Steckenbornerin und wünscht sich, das auch ältere Menschen im Falle eines solchen Anrufs nicht lange fackeln und für ein paar Sekunden ihre gute Kinderstube vergessen. „Gar nicht lange hinhören, sondern mal unhöflich sein und einfach auflegen. Notfalls auch ein zweites und drittes Mal“, rät auch Andreas Müller. „Denn die echte Polizei“, so der Pressesprecher, „wird in einem solchen Fall nicht anrufen. Niemals.“