Kommentar zur Lage in deutschen Kitas: Es geht um Anerkennung für einen schwierigen Beruf

Kommentar zur Lage in deutschen Kitas : Es geht um Anerkennung für einen schwierigen Beruf

Die Situation in deutschen Kitas ist derzeit vielfach eine Zumutung. Auch in der Städteregion fehlt es hinten und vorne an Personal. Erzieherinnen und Erzieher arbeiten mittlerweile ständig am Limit.

Gleichzeitig wachsen die gesellschaftlichen Anforderungen an die Einrichtungen: Berufstätige Eltern erwarten deutlich erweiterte Öffnungszeiten und gleichzeitig die bestmögliche Förderung des Nachwuchses. Man muss nur eins und eins zusammenzählen, um zu erkennen, dass dies nicht funktionieren kann. Wenn sich im Schnitt zwei Erzieherinnen um mehr als 20 Kinder kümmern müssen und darunter auch immer mehr Wickelkinder sind, ist das unzumutbar. Und ja, das ist Alltag auch in den hiesigen Kitas.

Den Kommunen kann man dabei nicht einmal Vorwürfe machen. Sie baden nur aus, was über Jahre und Jahrzehnte an anderer Stelle verpennt wurde. Denn die Gründe für den Personalmangel sind seit jeher offensichtlich: Die Bezahlung entspricht keinesfalls den hohen Anforderungen im Job. Die – in der Regel nicht vergütete – Ausbildung erfordert einen langen Atem, dauert diese doch insgesamt vier Jahre. Früher mussten angehende Erzieherinnen sogar noch Schulgeld zahlen und wurden im Anerkennungsjahr mit Almosen abgespeist. Welche andere Berufsgruppe würde sich eine solche Missachtung von Leistung gefallen lassen?

Zwar konnten zuletzt einige Verbesserungen erreicht werden. Aber sie reichen ganz offensichtlich nicht annähernd aus, um mehr Interesse für diesen so wichtigen Beruf zu wecken. Zumal die Belastung weiter steigt und die Erzieherinnen und Erzieher ähnlich wie Lehrer mit den gesellschaftlichen Fehlentwicklungen konfrontiert werden. Die Berufsbezeichnung lautet schließlich Erzieher/in und nicht Kindermädchen. Es gilt, den gesetzlichen Bildungsauftrag zu erfüllen.

Wir können froh sein, dass sich noch Menschen wie Robert Woitas finden, die diesen Beruf mit viel Engagement erlernen. Ihnen gilt Respekt und Anerkennung. Diese muss auch vom Staat kommen: mit deutlich höheren Einkommen und besseren Arbeitsbedingungen.

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