Monschau: Erstaunliche Darbietung für den guten Zweck

Monschau: Erstaunliche Darbietung für den guten Zweck

Zum dritten Mal schon lud am Freitagabend der Rotary Club Monschau-Nordeifel zu einem Sinfoniekonzert in die Aukirche ein. Und es ist schon beinahe selbstverständlich geworden, dass auch diesmal der weite Kirchenraum fast bis auf den letzten Platz gefüllt war.

Das Interesse war sicherlich zum großen Teil von den humanitären Zielen des Veranstalters motiviert, denen auch die Begrüßungsansprachen galten. So erläuterte Dr. Astrid Winkhoff, die Präsidentin der Nordeifler Rotarier, das Bestreben des Clubs, durch konkretes und gezieltes Engagement gesellschaftliche Randgruppen aufzufangen, die durchs soziale Netz zu fallen drohen.

Dankeschön der Förderer

Eine solche Gruppe sind entwicklungsgestörte und behinderte Kinder. Für sie wurde im Uniklinikum Aachen das Sozialpädiatrische Zentrum aufgebaut, dem die Einnahmen des Monschauer Benefizkonzerts - wie auch schon die der früheren Konzerte - zugute kommen werden. Andrea Prym, die Vorsitzende des Förderverein dieses Zentrums, sprach den Veranstaltern einen herzlichen Dank aus, in den auch die katholische Gemeinde Monschau mit eingeschlossen wurde, die die Aukirche für das Konzert wiederum kostenlos zur Verfügung gestellt hatte.

Ein Dank galt nicht zuletzt der Bürgermeisterin von Monschau, Margarete Ritter, die als Schirmherrin der Veranstaltung fungierte und ihrerseits in ihrer Ansprache der Freude darüber Ausdruck gab, neben dem humanitären Anliegen mit dem Konzert einen starken kulturellen Akzent in der Stadt setzen zu können.

Auch der Dirigent des Abends, Prof. Herbert Görtz, begrüßte die zahlreichen Zuhörer. Er stellte das Orchester des Aachener Standorts der Musikhochschule Köln-Aachen, den Chor der Musikschule Aachen und die Vokal- und Instrumentalsolisten, durchweg Studierende und Absolventen der Musikhochschule, vor.

Er konnte mit spürbarer Freude auch den neuen Aachener Generalmusikdirektor Kazem Abdullah unter den Zuhörern begrüßen. Sicher wird dieser auch von den musikalischen Leistungen dieses Abends beeindruckt gewesen sein. Das Programm wies ausschließlich Werke von Wolfgang Amadeus Mozart aus. Es waren drei herausragende Werke aus der allerletzten Lebenszeit des Meisters. Man darf den Interpreten bescheinigen, mit ihren Darbietungen manch neues Licht auf den allzu bekannten und deswegen vielleicht sogar unterschätzten Komponisten geworfen zu haben.

Souveräne Interpretation

Der musikalische Teil des Abends begann gleich ohne Umschweife mit einem großen Werk, dem Klarinettenkonzert in A-Dur. Hier konnte man einer aus dem vorigen Konzert vor zwei Jahren schon bekannten Solistin wiederbegegnen. Die japanische Klarinettistin Kumi Iitsuka legte mit der diesjährigen Darbietung - wie Prof. Görtz in seiner Ansprache erwähnt hatte - sogar ihr Konzertexamen ab. Das Publikum begrüßte sie denn auch mit einem herzlichen, aufmunternden Beifall.

Die Solistin interpretierte - nach ganz wenigen Einstimmungsschwierigkeiten im ersten Satz - das Werk überaus souverän und ließ sich auch von dem eigentlich unüblichen Zwischenbeifall nicht irritieren. Der Schlussbeifall war jedenfalls überaus kräftig und wird wohl auch dem bestandenen Examen gegolten haben.

An der Interpretation des Werks im Ganzen war schon zu spüren, dass die Solistin und Herbert Görtz mit den Musikern der Aachener Hochschule Mozarts Musik ganz weit weg führten vom verspielten Rokoko, mit dem der Komponist in der allgemeinen Wahrnehmung wohl noch viel zu sehr verbunden wird. Die hintergründigen Erfahrungen des sensiblen Menschen Mozart in einer auch politischen Umbruchszeit (die Französische Revolution hatte gerade zwei Jahre zuvor begonnen) ließen sich in dieser Interpretation mithören.

Noch viel deutlicher war dies natürlich in den Werken der zweiten Konzerthälfte zu verspüren. Hier gesellte sich der zahlenmäßig recht umfangreiche Chor „Ars Cantandi” der Musikschule Aachen zum Orchester und ließ zunächst fragen, ob nicht die Subtilität der aufzuführenden Werke unter der „Masse” vielleicht zu leiden haben würde. Dem war aber nicht so.

Schon die kurze, allzu bekannte Motette „Ave verum” ließ einen erstaunlichen sensiblen Chorklang hören. Noch viel mehr war dies der Fall im allerletzten, unvollendeten Werk Mozart, dem legendenumrankten „Requiem”, der Totenmesse. Manche sprechen ja sogar davon, dass Mozart bei der Komposition dieses Werks an seinen - in der Tat ja unmittelbar bevorstehenden - eigenen Tod gedacht habe.

Tadellose Solisten

Dass der tiefe Ernst dieses Werks aber einhergeht mit einer impulsiven Dynamik - vielleicht sogar im Sinne eines Aufbegehrens gegen das Schicksal -, hat man sicherlich kaum je einmal so deutlich gehört wie in dieser höchst bewegenden, ja beinahe aufwühlenden Darbietung der Aachener Musiker.

Und dass dabei an einigen wenigen, besonders diffizilen und energischen Stellen der große „Apparat” fast ein wenig ins Wanken geriet, konnte man so beinahe als zum Stück gehörig betrachten. Hervorzuheben ist auch die tadellose Leistung der Gesangssolisten im Requiem, Nina Unden (Sopran), Kanako Sakaue (Alt), Qi-Won Han (Tenor) und Lucas Singer (Bass).

Man muss den Konzertabend von der Qualität der Darbietung her unbedingt als erstaunlich einstufen. Vielleicht darf man die Freude der Bürgermeisterin Margareta Ritter über den besonderen kulturellen Akzent, den dieses Konzert in der Stadt Monschau gesetzt hat, in den Wunsch umformulieren, das Orchester der Aachener Musikhochschule durchaus öfter einmal ins Monschauer Kulturprogramm einzubinden.