Erlebnisschleifen sollen Radtourismus in der Städteregion ankurbeln

Reisemesse ITB: Der Radtourismus steht im Fokus

Der Radtourismus soll in der Städteregion Aachen stärker in den Fokus rücken. Das wurde jetzt auch im Rahmen der weltweit wichtigsten Tourismusmesse, der ITB in Berlin, deutlich.

Dort stellten Monschaus Bürgermeisterin Margareta Ritter, Roetgens Bürgermeister Jorma Klauss, Simmeraths Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns sowie Stolbergs Beigeordneter Robert Voigtsberger und Städteregionsrat Dr. Tim Grüttemeier die Pläne für den Radtourismus vor.

Im Mittelpunkt des Regionalen Wirtschaftsförderungsprogramms „Erlebnisraum Aachen/Eifel“ (RWP Aachen/Eifel) steht die Ausgestaltung von mindestens fünf Erlebnisschleifen in den Kommunen Aachen, Roetgen, Simmerath, Monschau und Stolberg. Diese Erlebnisschleifen sollen zahlreiche Orte von Interesse (Points of Interest) in der Städteregion Aachen miteinander verbinden. Die Erlebnisschleife mit dem Titel „Die Wiege der Industrialisierung“ teilt sich in eine Ostschleife (Kupferstadt Stolberg) und eine Westschleife (Aachen, Stolberg).

Die Erlebnisschleife mit dem Titel „Die Kraft des Wassers“ teilt sich in eine Nordschleife (Simmerath) und eine Südschleife (Monschau). Für die Gemeinde Roetgen ist eine Erlebnisschleife mit dem Titel „Orte der Befreiung“ vorgesehen. Als zweiter Schwerpunkt wird ein touristisches Angebot für Mountainbiker entwickelt. Dazu soll ein ausgeschildertes Streckennetz entwickelt werden. Außerdem ist in Kalterherberg, das sich künftig als Raddorf präsentieren wird, eine Mountainbikeanlage für Familien mit Kindern, Fahranfänger und Breitensportler geplant.

Finanzielle Hilfe aus Köln und Aachen

Die Bezirksregierung Köln hat für das RWP Aachen/Eifel bereits Mittel in Höhe von 3,14 Millionen Euro bewilligt. Die Städteregion Aachen wird die Maßnahmen zunächst vorfinanzieren und dann einen Eigenanteil in Höhe von 10 Prozent der tatsächlich angefallenen Kosten mit den Städten und Kommunen abrechnen.

Während die Stadt Monschau den Schwerpunkt auf das Raddorf Kalterherberg legt, konzentriert sich die Gemeinde Simmerath auf die Entwicklung in den Orten Einruhr und Rurberg, wo unter anderem ein Wassergarten und eine schwimmende Plattform für Radfahrer geplant sind.

In der Gemeinde Roetgen ist ein neuer Radweg vorgesehen, der die geschichtlichen und landschaftlichen Besonderheiten des Ortes thematisch berührt und als wesentlicher Teil der internationalen „Liberation-Route-Europe“ zur Aufwertung der Gemeinde beitragen soll. Schließlich war Roetgen am 12. September 1944 die erste deutsche Gemeinde, die von den Amerikanern eingenommen wurde. Auch diesem historischen Datum soll der Radweg gerecht werden.

Erst kürzlich hatte der Roetgener Haupt-, Finanz- und Beschwerdeausschuss dem Gemeinderat deshalb bei zwei Gegenstimmen der UWG die Teilnahme an RWP Aachen/Eifel und die Umsetzung der Erlebnisschleife mit dem Titel „Orte der Befreiung“ empfohlen. Damit verbunden wären der Ausbau der Wanderstation am Pferdeweiher, inklusive der Einrichtung eines Dokumentationszentrums, sowie ein Inszenierungskonzept im Bereich der Westwall-Vichtbachbrücke.

Das Thema soll an zwei Orten aufgegriffen werden. Als Ausgangspunkt würde dann die Wanderstation dienen, wo eine dauerhafte Ausstellung geplant ist. Dies würde den Ausbau beziehungsweise eine Erweiterung der Wanderstation voraussetzen. Auf dem Gelände der Westwall-Vichtbachbrücke, das dem Roetgener Heimat und Geschichtsverein (Heugeve) gehört, sollen ebenfalls „Inszenierungs- und Informationselemente“ errichtet werden.

Die konkrete Ausgestaltung des „Inszenierungskonzeptes“ soll unter dem Dach einer Hauptgeschichte in Form eines „touristischen Storytellings“ in gemeinsamen Workshops und in Vor-Ort-Terminen mit der von der Städteregion Aachen beauftragten Firma Pronatour erarbeitet werden. Darüber hinaus ist eine überregionale Vernetzung der Erlebnisschleife mit weiteren touristischen Angeboten, wie zum Beispiel der Burg Vogelsang mit ihrer Ausstellung zum Nationalsozialismus, sowie eine Einbindung in das multinationale Projekt der sogenannten „Liberation-Route“ (siehe Infobox) vorgesehen.

In der Sitzung des Haupt-, Finanz- und Beschwerdeausschusses sprach Roetgens Bürgermeister, Jorma Klauss, von einer komfortablen Situation. Der Vorschlag des Heugeve, der das Radwegeprojekt für die Gemeinde Roetgen gemeinsam mit der Roetgen-Touristik, dem Heimat- und Eifelverein Rott sowie dem Bürgerverein Mulartshütte entwickelt hatte, sei gut angekommen. Nun befinde man sich in der „komfortablen Situation“, dass es bereits einen genehmigten Förderantrag für das Projekt gebe, aber noch kein politischer Beschluss vorliege.

„Prioritäten verschoben“

Für Silvia Bourceau (UWG) war es aber auch eine Frage der Prioritäten. „Das ist zwar schön zu haben, wir können es uns aber nicht leisten“, sagte sie. Auch wenn es eine Förderung gebe, handele es sich immer noch um „unsere Steuergelder“. Die Priorität des Projektes sei nicht gerechtfertigt und es sorge weiter für eine Verlagerung der Aktivitäten an die Bundesstraße, während für den Ortskern nichts getan werde.

„Der Tourismus muss so gestaltet werden, dass die Menschen, die hier leben, im gleichen Maße profitieren“, entgegnete Klauss. Je attraktiver die Wohnqualität sei, desto attraktiver sei der Ort auch für Touristen. Dies sei kein Widerspruch.

Für Bernhard Müller (Grüne) galt es, „den Tourismus zu fördern, um die Einnahmen der Gemeinde zu steigern“. Dabei gehe es um mehr als den Ausbau der Wanderstation in der Nähe der Bundesstraße.

Stephan Speitkamp (CDU) signalisierte die grundsätzliche Zustimmung seiner Fraktion, auch wenn man in das Projekt „viel reingepackt“ habe. „Wir sollten das machen, dann aber auch wissen wie“, erklärte Speitkamp. Dazu sei die Hilfe des Heugeve nötig. Er schlug vor, verschiedene Punkte im Umwelt-, Touristik- und Forstausschuss abzuarbeiten und dabei den neuen Sachbearbeiter für Tourismus der Gemeinde einzubinden. „Wir werden das sachlich besprechen müssen“, sagte Speitkamp.

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