Roetgen: Erklären ja, verhindern nein

Roetgen: Erklären ja, verhindern nein

Bürgermeister Manfred Eis wollte Ende Juni nach dem dritten Stromausfall in Roetgen innerhalb eines halben Jahres nicht zur Tagesordnung übergehen und bat den Energieversorger RWE um Auskunft, wie es zu diesem neuerlichen Stromausfall kommen konnte und wie RWE sich die künftige Belieferung von Roetgen vorstellt.

Aus Essen kam ein langer Brief der Konzernmutter an den Roetgener Verwaltungschef. Zusätzlich versuchte der Energieriese, der Roetgener Bevölkerung in zum Teil launigen Worten das Malheur zu erklären:

28. Juni, Montagabend. Viele Bürger von Roetgen verfolgen die TV-Übertragung des WM-Fußballspiels Niederlande - Paraguay aus dem südafrikanischen Durban. Plötzlich ist alles anders. Die Fernseher werden dunkel. Die Kühlgeräte arbeiten nicht mehr. Was ist da los? Um 17.31 Uhr läuft in der RWE-Netzleitstelle Niederzier die Meldung auf, dass unmittelbar nach einem Erdschluss in der Umspannanlage Lammersdorf die Schutzeinrichtungen einer 20.000 Volt-Strecke mit insgesamt 19 Transformatorenstationen einen Kurzschluss auslöste. Große Teile von Roetgen sind nicht mehr mit Strom versorgt. Normalerweise bemerken die Anwohner nichts von einem Erdschluss. Bei einem Erdschluss hat eine Ader des Netzes Kontakt mit dem Erdreich. RWE hat seine Mittelspannungsnetze mit Erdschlusslöschspulen ausgestattet, damit bei Erdschluss ein ungefährdeter Betrieb des Netzes möglich ist, bis das fehlerbehaftete Teilstück gefunden und heraus geschaltet ist. Tritt aber vor Herausschalten ein zweiter Erdschluss auf, so wird aus dem Erdschluss ein Kurzschluss und es erfolgt eine Abschaltung. Die Netzleitstelle alarmiert sofort die RWE-Bereitschaft Monschau. Es gilt, das defekte Teilstück zu finden und heraus zu schalten. Nach Umschaltungen im Netz wird um 18.37 Uhr die Versorgung an 18 Stationen wieder eingeschaltet.

Der zweite Fehler

Der zweite Fehler befindet sich auf der Freileitung zum Landgasthof Marienbildchen. Zum Auffinden diese Fehlers muss die Freileitung abgefahren werden, so dass um 19.16 Uhr die Vollversorgung wieder hergestellt ist. Die Ursache der Störung war ein Muffendefekt. Muffen sind Verbindungselemente für Erdkabel. Sie stellen im Kabelverlauf eine Veränderung des Isolationsaufbaus dar. Es ist unvermeidbar, sie zur Reparatur von bei Erdarbeiten beschädigten Kabeln und zum Einschleifen von neuen Transformatorenstationen einzusetzen. Insbesondere auf die Erdarbeiten jeder Art hat RWE wegen der exponierten Lage seiner Netze im öffentlichen Raum keinen Einfluss. Der Fehler auf der Freileitung war ein Überspannungsableiter, der in Folge einer Überspannung durch den Erdschluss zerstört wurde.