Kommentar zum Netzausbau: Eine Zukunftsfrage für das Land

Kommentar zum Netzausbau : Eine Zukunftsfrage für das Land

Anfang des Jahres hat eine Studie des Aachener Beratungsunternehmens P3 offenbart, was man in der Eifel vielerorts schon lange aus langer Erfahrung weiß: In Sachen Netzausbau ist Deutschland noch immer Entwicklungsland.

Das ist nicht nur peinlich, sondern zeugt auch von der Ignoranz, mit der der ländliche Raum bisher von Politik und Konzernen bedacht wurde. Denn die Funklöcher finden sich allesamt jenseits der großen Städte.

Nach den Zahlen von P3 gibt es bei den deutschen Netzen sowohl bei der Abdeckung als auch den erreichten Datenraten Nachholbedarf –  Länder wie Polen oder Albanien schneiden deutlich besser ab. Selbst das „beste Netz Deutschlands“ – gemeint ist das der Telekom – sei „im internationalen Vergleich weit abgeschlagen“. Bei der Datenrate beträgt die mittlere Geschwindigkeit, mit der Daten aufs Telefon geladen werden können, im deutschen Telekom-Netz 4,9 Megabit pro Sekunde (Mbit/s). Vodafone und Telefónica liegen mit 4,8 und 4,1 Mbit/s dahinter. Kunden der Telekom und von Vodafone in Albanien surfen der Studie zufolge dagegen im Schnitt mit 9,4 und 8,7 Mbit/s rund doppelt so schnell.

Was hinter diesen Zahlen steckt, merkt man in der Eifel ganz praktisch, wenn wichtige Nachrichten oder E-Mails zu spät empfangen werden oder teilweise nicht einmal ein Anruf durchkommt. Von anspruchsvolleren mobilen Anwendungen ganz zu schweigen. Die großen Anbieter haben sich Anfang des Monats nun zu deutlichen Besserungen verpflichtet. Gut so! Die Frage ist aber, was davon in der Praxis an Leistung vor Ort ankommt?

Dies ist tatsächlich eine Zukunftsfrage für den ländlichen Raum. Der darf nicht abgehängt werden, wenn es um wichtige Technologien geht. Sonst droht langfristig der Verlust von Arbeitsplätzen und damit in letzter Konsequenz auch Einwohnern. Tatsächlich ist die Digitalisierung eine große Chance für Regionen wie die Eifel. Freiberufler und Mittelständler müssen heute nicht mehr zwangsläufig in den Metropolen persönlich  vertreten sein. Und im Homeoffice kann auch der Angestellte von seinem Dorf aus mit den Kollegen in der Stadt zusammenarbeiten. Dafür muss allerdings die Technik mitspielen.

Deshalb ist der Bund gefragt, den Ausbau weiter zu forcieren und sich nicht auf Konzerne zu verlassen, für die der ländliche Raum nicht sonderlich lukrativ ist. Es ist schon bezeichnend, wenn hiesige Kommunen von zwei der drei großen Anbieter nicht einmal Antworten auf ihre Fragen und Anregungen erhalten. Ignoranter geht es nicht.

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