Aachen: Eine böse Stolperfalle an der TH-Schwelle

Aachen: Eine böse Stolperfalle an der TH-Schwelle

Der Schock kam für manchen RWTH-Aspiranten gleich beim ersten Termin an der Hochschule. Zahlreiche Studienanwärter mussten dieser Tage nach langem Warten im riesigen Pulk der Einschreibewilligen unverrichteter Dinge wieder nach Hause gehen.

Dramatische Szenen, berichten Studentenvertreter, hätten sich bisweilen vor dem zuständigen RWTH-Sekretariat im Super C abgespielt - weil der Sprung in den Zirkel der angehenden Geisteswissenschaftler zum Wintersemester 2010/11 an einer unerwarteten Stolperfalle scheiterte.

Erstmals nämlich hat die Hochschule sämtliche geisteswissenschaftlichen Fächer per Numerus Clausus quasi gedeckelt. Doch viele Bewerber für die zweigleisige Bachelor-Ausbildung an der Philosophischen Fakultät hatten von der entscheidenden Änderung offensichtlich erst erfahren, als sie bereits zwecks Immatrikulation auf der Matte standen.

Bislang benötigten die Bachelor-Bewerber mit entsprechendem Abitur-Durchschnitt lediglich den positiven Bescheid für eine Disziplin; das zweite Fach konnten sie frei wählen. „Natürlich haben wir im Vorfeld darauf aufmerksam gemacht, dass man sich jetzt grundsätzlich für mindestens zwei Fächer bewerben muss”, betonte Professor Dr. Aloys Krieg, Prorektor für Lehre, auf Anfrage.

Auch in den Zulassungsbescheiden, die vor kurzem in den Briefkästen der Studienbewerber landeten, sei darauf hingewiesen worden. „Trotzdem haben viele das offenbar überlesen”, bekannte Kurt Kinny, Leiter des Studierendensekretariats. „Deshalb werden wir das künftig sicher noch deutlicher kommunizieren müssen.”

Die Erfahrungen der vergangenen Jahre hätten indes gezeigt, dass eine breitere Einstiegshürde in Gestalt des Numerus Clausus für den kompletten Ausbildungskanon unumgänglich sei - auch und gerade deshalb, weil je nach Studienfach höchst unterschiedliche Abi-Durchschnittsnoten als potenzielle Eintrittskarten zugrunde gelegt werden. „In manchen Fächern, wie zuletzt in Politikwissenschaften oder auch Philosophie, hatten wir durch die freie Wahl des zweiten Fachs oft mehr als vier Mal so viele Erstsemester als für einen ordnungsgemäßen Lehrbetrieb zu verkraften sind”, erklärte Krieg.

Dass diesem Missstand nur durch eine generelle Zugangsbeschränkung beizukommen sei, unterstrichen auf AZ-Anfrage auch Vertreter der Studierenden. „Mit dieser Regelung wird das Einschreibungsverfahren aber noch viel langwieriger als bislang”, kritisierte Fachschaftsvertreter Benjamin Nimmerrichter. „Den Königsweg haben wir allerdings auch noch nicht gefunden.”

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