Lammersdorf: Eine 65.000-köpfige Familie und ihr König

Lammersdorf: Eine 65.000-köpfige Familie und ihr König

Es ist noch gar nicht so lange her, dass Rolf Drescher mit Sebastian Heeren und einigen weiteren Schützenbrüdern an der Theke stand. Heeren war damals Aachener Diözesanschützenkönig, und Drescher kündigte gutgelaunt an: „Das schaffe ich nächstes Mal auch.” Hält man sich vor Augen, dass es in der Diözese 65.000 Schützen gibt, klingt das nach enormem Selbstvertrauen.

Heute wissen die Schützenbrüder St. Johannes Lammersdorf: Dreschers Worte hatten prophetischen Wert. Vergangenes Jahr machte der 53-Jährige in Harsewinkel (bei Gütersloh) sich zum Diözesanschützenkönig. Er selbst, beteuert Drescher heute, habe damit am allerwenigsten gerechnet, nur so dahin gesagt habe er die Worte an der Theke. „Das war doch nur ein Traum.”

Wie auch immer: Der Traum ist wahr geworden, und durch Dreschers Leistung in Westfalen (27 von 30 Ringen), ist der Diözesanschützenkönig zum zweiten Mal in Folge ein Lammersdorfer - ein einmaliger Vorgang, beteuert Ehrenbrudermeister Josef Baumann, und für seine Bruderschaft dementsprechend „mit einem gewissen Stolz verbunden, das muss man schon sagen”.

Für die Wahlheimat des gebürtigen Aacheners Rolf Drescher bedeutet das, dass dort morgen zum zweiten Mal in Folge das Diözesanschützenfest ausgerichtet wird. Mehr als 1000 Schützen aus mindestens 68 Bruderschaften sind angemeldet. „So ein Fest bekommen wir so schnell nicht wieder”, ist Josef Baumann überzeugt. Zumal die Sankt Johannes-Schützenbruderschaft bereits am Samstag das Simmerather Gemeindeschützenfest feiert, und Lammersdorf an diesem Wochenende somit wahrhaftig voll und ganz im Zeichen des Schießsports steht.

Seit Rolf Drescher in Westfalen einen kühlen Kopf und eine ruhige Hand bewies, gilt genau das auch für praktisch seine gesamte Freizeit. Als Repräsentant von 65.000 Schützen muss man sich schließlich sehen lassen, Besuche bei Schützenfesten in der Fremde sind aus seinem Terminkalender nicht mehr wegzudenken. Dreschers zweite Leidenschaft, der Karneval, kommt daher etwas zu kurz, bis es einen Nachfolger gibt. Ob der wieder aus Lammersdorf kommt? Fest steht, dass er nicht Rolf Drescher heißen wird, denn der König ist nach seinem Triumph stets für fünf Jahre gesperrt.

Und wie zelebrieren die Schützen jenseits von Simmerath ihre Leidenschaft? „Die einen machen einen Winterball, die anderen einen Königsball, aber im Grunde sind die Schützen überall gleich”, so Drescher. „Die Schützen sind wirklich eine große Familie.”

Der kann man als Diözesanschützenkönig natürlich nur gerecht werden, wenn die eigene Familie mitzieht. Im Hause Drescher ist das offenbar kein Problem: Ehefrau Elisabeth ist selbst aktive Schützin, gleiches gilt für Tochter Sabrina. Ihr haben die St. Johannes-Schützen übrigens das treffsichere Mitglied zu verdanken: Rolf Drescher trat 2005 durch sie in die Bruderschaft ein, nicht etwa umgekehrt.

Bleibt zu klären, was das richtige Rezept ist, um Diözesanschützenkönig zu werden. Rolf Drescher kann keine Faustregel nennen, die zum Erfolg führt. Eine ruhige Hand und ein scharfes Auge brauche man, gegen die Aufregung außerdem natürlich sehr gute Nerven. „Am wichtigsten ist es vielleicht, im richtigen Moment runterfahren zu können.”

Das Gemeindeschützenfest beginnt am Samstag, 5. Mai, um 16 Uhr mit der Ermittlung der Gemeindemajestäten. Um 18.45 folgt die Festmesse. Anschließend geht es um 20 Uhr zum Gemeindekönigsball. Gegen 22 Uhr lassen die Simmerather das Fest mit „Eric, dem löstigen Limburger” ausklingen. Das Diözesankönigsfest beginnt am Sonntag um 9.30 Uhr, wenn die Fahnenabordnungen im Festzelt antreten. Um 10 Uhr folgt das Hochamt in der Pfarrkirche. Um 11 Uhr geht es zum Frühschoppen ins Festzelt.

Um 12.30 Uhr werden Bruderschaften und Vereine auf dem Dorfplatz empfangen, die Aufstellung beginnt um 14.15 Uhr in der Krämerstraße. Ab 14.30 marschiert der Festzug durch Kirchstraße, Im Pohl, Bahnhofstraße und zum Dorfplatz. Die Schützen bitten um Beflaggung der Häuser. Ab 16 Uhr gibt es im Festzelt Musik mit DJ Jürgen.

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