Rursee: Ein sehr arbeitsreicher Supersommer

Rursee : Ein sehr arbeitsreicher Supersommer

Hin und her schweifen die Blicke von Nina und Alina über die riesige grüne Wasserfläche. Plötzlich hält eine der beiden jungen Damen kurz inne und beugt sich leicht nach vorne, um schließlich doch wieder in die entspanntere Position zu gehen. Ein kleiner Blondschopf war ab- und eine kleine Ewigkeit nicht wieder aufgetaucht.

„Ich rette Sie!“, ruft sein kaum älterer Kumpel daneben und nimmt den Freund ziemlich unprofessionell in den Schwitzkasten, um ihn zum Ufer abzuschleppen. Die beiden haben nur „Schiffsbrüchiger“ gespielt. Solche und ähnliche Situationen spielen sich täglich dutzendfach vor den Augen der DLRG-Wasserretter ab, wenn diese ihren Dienst am Rursee verrichten. Dieser ehrenamtliche Dienst am Menschen ist in diesem Supersommer so intensiv und arbeitsreich wie selten zuvor.

Den Überblick zu behalten, gilt es für die DLRG-Wasserretter auf dem Wachturm am Eiserbachsee in Rurberg. Auch an den anderen Rursee-Stränden ist diesen Sommer viel zu tun. Foto: H. Schepp

„Das stimmt“, sagt Jürgen Karl, Sprecher des DLRG-Bezirks Aachen e.V.. „Aber das“, ergänzt er, „gilt diesen Sommer für alle Wasserretter in Deutschland.“ Dass nun seit Wochen auch am Rursee Badewetter herrscht, bedeutet allerdings für die Wasserretter aus der gesamten Städteregion keinen zeitlichen Mehraufwand. „In den Sommerferien sind wir ohnehin durchgängig in einer Stärke zwischen 15 und 30 Leuten vor Ort“, sagt Karl.

Nur sei die Wasserüberwachung für den Einzelnen sehr viel intensiver, wenn sich Massen von Badenden vor seinen Augen tummelten. Besetzt werden die Aussichtsposten und -fenster immer von 9 bis 19 Uhr, wenn es nicht gerade Bindfäden regnet. Durch das anhaltende Badewetter bleibe aber weniger Zeit für Weiterbildung, Reparaturen, Putzen, Rasen mähen rund um den Turm an der Uferstraße oder Anstreichen, was sonst für die Wachmannschaft bei „Schlechtwetter“ auf dem Plan stünde.

Badewetter ohne Ende

Der Wachwechsel an der Rettungsstation in Woffelsbach findet in den Ferien immer freitags statt. Dann reisen die Ehrenamtler aus den Ortsgruppen in Eschweiler und Alsdorf, Baesweiler oder Herzogenrath, Würselen, Stolberg und Aachen an. „Auf die Dienstwoche in der Eifel freuen sich alle“, versichert Jürgen Karl glaubhaft. „Denn der Rursee ist für uns alle ein schönes Stück unserer Heimat“, sagt der Bezirkssprecher. In der Eifel selbst gibt es leider keine Ortsgruppe mehr, nachdem mit der OG Einruhr schon vor Jahren die letzte aufgelöst wurde. Man gebe aber die Hoffnung nicht auf, auch hier vor Ort noch einmal Strukturen aufbauen zu können.

Nach der Übergabe und einer ersten Dienstbesprechung geht es dann für die Wachmannschaft in das arbeitsreiche Wochenende, an dem sich diesen Sommer nicht ein paar Hundert, sondern ein paar Tausend Erholungsuchende an den Stränden des Rursees tummeln. Die DLRG-Wachmannschaft ist dabei an vielen Brennpunkten im Einsatz. „Immer mindestens zwei Leute besetzen im Wechsel in der genannten Zeit die Wachposten in Woffelsbach, am Eiserbachsee in Rurberg, am Badestrand Eschauel und oft auch am Strandbad in Einruhr“, zählt Jürgen Karl auf.

Dazu kommen bis zu fünf Boote mit drei bis vier Mann Besatzung, die auf dem See patrouillieren, sowie zwei Helfer auf dem Rettungswagen, der für die kurzen Wege und die schnelle Hilfe zwischen Einruhr, Rurberg und Woffelsbach verkehrt. Bei einem schweren Motorradunfall kürzlich am Rursee war der DLRG-Wagen der erste am Unfallort, weil er über die Leitstelle in den Rettungsdienst eingebunden ist. Und als am 7. Juli am Badestrand Eschauel ein junger Mann vermisst wurde, waren die DLRG-Helfer die ersten, die nach dem vermutlich Ertrunkenen tauchten, was aber aufgrund der Wassertrübung ein hoffnungsloses Unterfangen war, wie Karl erzählt.

„Alle unsere Mitarbeiter sind mindestens Sanitätshelfer (San A) oder Sanitäter (San B), also deutlich mehr als nur Ersthelfer“, sagt der Sprecher nicht ohne Stolz. Deshalb sei man für die gesamte wasserseitige Rettung auch „first responder“ (erste Helfer vor Ort), wenn beispielsweise auf einem Rurseeschiff jemand einen Herzinfarkt oder Schwächeanfall erleide. Das erfordert nicht nur viel Personal, sondern auch entsprechendes Material: Die Motorrettungsboote „Seeadler“ (auch liebevoll „die Oma“ genannt), „Aachen“ (Außenborder) sowie „Stolberg“ und „Würselen“ (beide mit Jet-Antrieb) sind auf dem Wasser im Einsatz, das First-Responder-Fahrzeug Mercedes AED mit Defi und Arztkoffer und der Mannschaftsbulli auf festen Wegen.

„Die Stationen Eiserbachsee, Eschauel, Woffelsbacher Mitte und unsere Wachstation in Woffelsbach sind unter anderem ausgestattet mit Rettungsbrett, Spine Board, Rettungsleinen, Gurtrettern, SAN-Rucksäcken und Funk, die Rettungsstation Woffelsbach zudem mit Vakuummatratzen und ebenfalls Defi“, berichtet Jürgen Karl, der seine Mannschaft ganz klar nur im Rettungseinsatz sieht: „Für die Einhaltung des Badeverbots im restlichen Rursee sind wir nicht zuständig. Wir sind ja keine Ordnungsbehörde. Wir können die Menschen nur bitten, nichts Riskantes oder Verbotenes zu tun.“

Bis November im Einsatz

Die erste Hälfte der arbeitsreichen Sommerferien ist nun bald vorbei, doch die Anzeichen mehren sich, dass der Supersommer in die zweite Halbzeit geht. Erst mit Ferienende am 28. August endet der Wochendienst der DLRG‘ler. Noch bis Anfang November sind die ehrenamtlichen Retter an den Wochenenden rund um den Rursee und auf dem Wasser im Einsatz. Erst dann ist Pause — bis zum 1. April.

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