L 106 zwischen Konzen und Eicherscheid: „Ein Radweg ist hier überfällig“

L 106 zwischen Konzen und Eicherscheid : „Ein Radweg ist hier überfällig“

Die Ortsvorsteher von Konzen und Eicherscheid unternehmen einen neuen Versuch für einen durchgehenden Radweg zwischen den beiden Ortschaften entlang der L 106. Doch es gibt einige Probleme bei der Umsetzung.

„Radwegenetz soll ausgebaut werden.“ „NRW stärkt Radwegverkehr per Gesetz.“ „Radweg weiter auf der Wunschliste.“ Und: „Radtourismus gewinnt an Fahrt.“ Das sind nur vier von vielen Überschriften der letzten Wochen und Monate, die der wachsenden Bedeutung des Radfahrens in der Freizeit, aber auch als Verkehrsmittel für den Alltag Rechnung tragen. In den zugehörigen Artikeln geht es jedoch meistens um Willensbekundungen statt um konkrete Pläne für neue Radwege.

„Wir möchten alle Hebel in Bewegung setzen, damit es hier nicht beim bloßen Wunsch bleibt, sondern möchten, dass hier möglichst schnell etwas passiert“, kündigten jetzt die Ortsvorsteher Günter Scheidt (Eicherscheid) und Matthias Steffens (Konzen) bei einem Pressetermin an der L 106 Nähe „Am Gericht“ an. Die vielbefahrene Landstraße verbindet die beiden Orte von jeher – aber leider nur für den Kraftfahrzeugverkehr. Einen durchgängigen Rad- oder Gehweg als direkte Verbindung vom Golddorf Eicherscheid bis zum Premiumradweg Vennbahn sucht man vergebens.

Kein Vergnügen: Auf dem Teilstück der L 106 zwischen Am Gericht und Eicherscheid fehlt ein Rad- und Gehweg gänzlich. Bei den hier gefahrenen Geschwindigkeiten ist das Radfahren vor allem für Familien hier mit einem hohen Risiko verbunden. Foto: Heiner Schepp

Der innerörtliche Geh- und Radweg entlang der Blumgasse in Konzen endet unweit des Ortsschildes und wird erst etwa 300 Meter vor der Kreuzung „Am Gericht“, in Höhe des Wirtschaftsweges „Haengensweg“, wieder aufgenommen. Das Straßenstück dazwischen ist für Radfahrer nicht gefahrlos zu nutzen, da viele Autos mit hohem Tempo unterwegs sind, „mit zu hohem Tempo, wie die vielen Unfälle auf diesem Stück zeigen“, ergänzt Matthias Steffens.

Wirtschaftsweg als Ausweichstrecke

Am besten wäre ein Radweg entlang der gesamten Strecke von Eicherscheid nach Konzen. Foto: grafik

In der Gegenrichtung, zwischen Eicherscheid und Am Gericht, ist überhaupt kein Radweg als Teil der Fahrbahn zu finden. Da die Strecke aber aus Richtung Eicherscheid auch für Radfahrer die direkte Verbindung nach Konzen und damit zum Vennbahnradweg darstellt, nutzen ortskundige Radler zumindest teilweise die unweit verlaufenden Wirtschaftswege. „Die Eicherscheider Radfahrer fahren zumindest bis zur Abzweigung nach Huppenbroich die Ortsstraße Auf’m Scheidt und den Wirtschaftsweg Lange Trift. Danach muss man aber das gefährliche Stück bis Am Gericht an der Landstraße weiterfahren“, erläutert Günter Scheidt. Auch aus Richtung Konzen gibt es einen Wirtschaftsweg als Ausweichstrecke, nämlich die im Bogen zur Landstraße verlaufenden Wirtschaftswege Streuferweg und Gisges-Hardt-Weg (“Böschelsfahrt“ und „Jisjeshardtwäsch“). Damit die beiden, von Einheimischen gerne genutzten „Radnebenstrecken“ aber auch von Ortsunkundigen und Touristen gefunden werden können, bedürfe es zumindest einer vernünftigen Ausschilderung.

Und da kommt die Städteregion ins Spiel, die zwar eine koordinierende Funktion für das Radwegenetz erfüllt, sich jedoch nicht für den Bau dieses Netzes an Nicht-Kreisstraßen verantwortlich fühlt. „Der Bau eines Geh- und Radwegs entlang der L 106 fällt in die Zuständigkeit des Landes Nordrhein-Westfalen, vertreten durch den Landesbetrieb Straßenbau. Die Städteregion Aachen ist dort nicht Baulastträgerin und kann daher dort auch keinen Geh-/Radweg anlegen“, stellt Holger Benend, Sprecher der Städteregion Aachen, klar und erläutert: „Die Städteregion Aachen hat für das Radroutennetz eine koordinierende Funktion für die Radwegweisung übernommen. Damit ist nicht die Übernahme der Baulastträgerschaft für die Wege der jeweiligen Kommunen verbunden. Die Verantwortung für den Wegezustand der kommunalen Wege im Radroutennetz liegt originär bei den Kommunen“, sieht der Sprecher den Ball im Feld der Stadt Monschau bzw. der Gemeinde Simmerath liegen.

Wunsch gibt es schon seit sieben Jahren

Gleichwohl habe die Städteregion die beiden Nordeifelkommunen bereits erheblich beim Ausbau regionaler Radrouten auf freiwilliger Basis unterstützt. „Dazu zählen sowohl der Ausbau der Vennbahn zur überregionalen Radroute für die Kommunen sowie die belgischen Eigentümer in den Jahren 2012/2013 als auch der aktuelle Ausbau des Rurufer-Radwegs, unter anderem im Grünental, bei Dedenborn und am Rursee“, sagt Benend.

Für den Bau eines Radweges zwischen Konzen und Eicherscheid wäre demnach das Land bzw. der Landesbetrieb Straßenbau erster Ansprechpartner. „Land und Bund bauen aber Radwege grundsätzlich nur an Bundesstraßen“, bedauert Günter Scheidt, der bereits vor sieben Jahren mit dem Wunsch an die Gemeinde Simmerath herangetreten ist. Erst kürzlich haben CDU und Grüne einen weiteren Antrag an die gemeinde gerichtet mit dem Ziel, das Radwegenetz auch in den Höhenorten zu verbessern. „Im Rurtal passiert da schon einiges, aber wir hier oben sind in Sachen Radwege immer noch außen vor“, so Scheidt.

Auch Matthias Steffens richtete in der Ratssitzung vergangene Woche erneut eine Anfrage an die Bürgermeisterin, ob und wie der Radweg von Konzen in Richtung Am Gericht optimiert bzw. verlängert werden könne.

Wie soll es nun konkret weitergehen? „Wir möchten alle Beteiligten und Interessierten in ein Boot bekommen, und zwar über Partei- und Gemeindegrenzen hinweg“, sagen Günter Scheidt und Matthias Steffens. Dabei möchte man auch den Schwung der NRW-Volksinitiative „Aufbruch Fahrrad“ nutzen, die für ein landesweites Netz hochwertiger Radwege kämpft und das Rad mit anderen Verkehrsmitteln beispielsweise über „Bike&Ride“-Angebote, Mobilstationen und Fahrrad-Garagen an Verkehrsknotenpunkten vernetzen möchte. Daran anschließend hat NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst vorletzte Woche die Eckpunkte für ein Fahrradgesetz vorgestellt, welches Nordrhein-Westfalen als „Fahrradland Nr. 1“ etablieren soll. Das bevölkerungsreichste Bundesland stellt 2020 zum zweiten Mal in Folge dafür 47 Millionen Euro für den Radverkehr bereit.

Allerdings ist dies noch Zukunftsmusik, denn das Gesetz soll frühestens Ende des Jahres realisiert werden. „Wir möchten eine schnelle Lösung, auch weil wir glauben, dass hier Kosten und Aufwand nicht so hoch sein müssen“, sagen Matthias Steffens und Günter Scheidt und sagen optimistisch: „Wir bleiben am Ball. Denn steter Tropfen höhlt den Stein.“