Nach Diebstahl: Ein neuer Kreuzweg für St. Lambertus

Nach Diebstahl: Ein neuer Kreuzweg für St. Lambertus

Im Jahr 1993 war am Ostermontag im „Eifeldom“ St. Lambertus in Kalterherberg der Kreuzweg gestohlen worden. Die Polizei vermutete damals, „dass der Dieb auftragsbezogen Gegenstände aus Kirchen gestohlen hat, und diese sofort an den ‚Kunden‘ weitergeleitet wurden“, erinnert sich Stephan Mertens, Mitglied des Kirchenvorstandes.

Nach verschiedenen Versuchen, einen neuen Kreuzweg zu finden, hat St. Lambertus nun, nach über 25 Jahren, wieder einen Kreuzweg, der als Dauerleihgabe aus der aufgegebenen Kirche St. Antonius in Krefeld stammt.

Erste Versuche, anhand von Fotos des alten Kreuzweges eine maschinelle Reproduktion zu erstellen, scheiterten. Man war mit dem Ergebnis nicht zufrieden, berichtet Rainer Mertens. Andere Vorschläge zur Neugestaltung fanden keine Zustimmung im Pfarrgemeinderat und beim Kirchenvorstand. Im Jahr 2015 entschloss man sich daher, beim Bistum nach alten Kreuzwegen aus geschlossenen Kirchen zu erkundigen. Bei der ehemaligen Kirche St. Antonius in Krefeld wurde man schließlich fündig. Der Kreuzweg der Kirche wurde als Dauerleihgabe für St. Lambertus zur Verfügung gestellt.

„Das aus 14 Stationsbildern bestehende Kunstwerk — je ca. 43 mal 56 Zentimeter große Platten mit aufgelegten Glasmosaiken — stammt mit großer Wahrscheinlichkeit aus den Händen des Künstlers Heribert Reul aus Kevelaer, der es speziell für die in den Jahren 1953/54 aus einem erweiterten Hochbunker entstandene Kirche des Architekten Alfons Leitl angefertigt hatte“, erläutert Architekt Elmar Paul Sommer, der sich um die passende Einbettung in die Kirche kümmerte.

Nach der Restauration des Kunstwerkes durch die Restauratorinnen-Partnerschaft Beier, Freund und Kühler aus Köln und der Genehmigung durch die Bau- und Kunstabteilung des Bistums wurden die Mosaike im Kreuzweg der Kirche installiert. „Zur Präsentation der filigranen Bilder aus den Nachkriegsjahren in einem großvolumigen, neoromanischen Kirchenraum war es uns wichtig, ein neutrales Umfeld zu schaffen, innerhalb dessen der Fokus vor allem auf die bestechende Farbigkeit der hochwertigen Darstellungen gelenkt werden kann. Es ist ein Farben- und Formenspiel zu erkennen, das weder durch einen unruhigen Hintergrund noch durch die eigene Struktur und Formensprache des ‚Eifeldoms‘ gestört werden darf“, so Sommer.

Bei der chronologischen Auslegung der Stationen sei aufgefallen, dass sich das „in rotem Farbton dargestellte Kreuz“ von Mal zu Mal stärker neigt“. Aus diesem Grund sei die strenge Reihung „m Passepartout als angemessener erschienen. Ursprünglich sei eine flächige Präsentation auf der Kopfseite des nördlichen Seitenschiffes geplant gewesen. Die Mosaike sind auf schwarzem Stahlblech angebracht worden.

„Die Inszenierung vor dem dunklen Hintergrund wird demnächst noch durch Konturstrahler ergänzt, die auf den Kapitellen des letzten Seitenschiffpfeilers installiert werden“, so Sommer. Man hat im Kirchenvorstand zudem entschieden, dass der von Kindern und Jugendlichen gestaltete Kreuzweg weiter in der Kirche belassen wird.

(CJK)
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