Traditionelle Kirmes: Ein „heißer Herbst“ im Heckenland

Traditionelle Kirmes: Ein „heißer Herbst“ im Heckenland

Ab 28. September herrscht wieder für fünf Tage Ausnahmezustand in Höfen. Denn fünf Tage nach dem kalendarischen Herbstanfang erlebt das „Heckendorf“ die traditionelle Kirmes, die hier im Dorf noch mit allem Pipapo gefeiert wird. Der Herbst wird in Höfen aber auch noch aus anderen Gründen „heiß“ werden.

Buchstäblich, weil die rund 2,5 Kilometer lange Ortsdurchfahrt im Zuge einer groß angelegten Baumaßnahme und einer längeren Vollsperrung einen neuen Belag erhält, im übertragenen Sinne, weil die Ansiedlung eines Discounters schon im Vorfeld einer eigens anberaumten Bürgerversammlung für kontroverse Diskussionen sorgt.

Rinnen werden reguliert

Seit Anfang August bereits durchfahren Autofahrer auf der Ortsdurchfahrt eine wandernde Baustelle, die verkehrstechnisch mittels Ampel — mit noch verträglichen Wartezeiten — geregelt wird. „Wir haben zunächst für die Stadt Monschau eine Reihe von Kanalhausanschlüssen saniert sowie Anschlussleitungen von Straßenabläufen erneuert“, erläutert Arndt Meyer, der zuständige Projektleiter von Straßen.NRW.

Aktuell ist das mit der Maßnahme beauftragte Bauunternehmen aus Jülich dabei, die Rinnen der Ortsdurchfahrt zu regulieren, also die Pflasterrinnsteine entlang der Randsteine zu nivellieren. Dies werde noch einige Zeit in Anspruch nehmen, sagt Arndt Meyer, und zahlreiche grüne Markierungen auf der gesamten innerörtlichen Strecke lassen dies erwarten.

Im rückwärtigen Bereich der Ausstellung und
Im rückwärtigen Bereich der Ausstellung und Parkplätze des Höfener Autohauses Kirch möchte sich der Discounter Norma ansiedeln. Kommende Woche werden die Pläne in einer Bürgerinformation vorgestellt. Foto: Heiner Schepp

Kanal und Schwanenweiher

So richtig ernst wird es dann aber erst im Oktober. „In den Ferien wird zunächst, wie die Kanalhausanschlüsse im Auftrag der Stadt Monschau, der Kanal am Schwanenweiher saniert. Und erst danach wird die neue Decke auf der gesamten Länge erneuert“, kündigt der Projektleiter an und warnt Durchreisende und Einheimische schon mal vor: „Für die Maßnahme am Schwanenweiher und für die neue Decke wird durchgängig eine Vollsperrung erforderlich sein.“ Zumindest für Ortskundige dürfte dies aber aufgrund der vielen Nebenstraßen östlich der Hauptstraße nicht wirklich ein Problem darstellen.

Da stellt sich die Gemengelage beim zweiten großen Herbstthema in Höfen schon kritischer dar. Die Discounterkette Norma hat vor einigen Monaten ihr Interesse bekundet, in Höfen einen Filialmarkt zu errichten. Und der Vorstand des Ortsverbandes der CDU hat „nach sorgfältiger Abwägung einstimmig beschlossen, dieses Vorhaben vollumfänglich zu unterstützen“, heißt es in einem kürzlich an alle Haushalte verteilten Bürgerbrief. Bei der Entscheidungsfindung habe man sich „im Kern von der Überlegung leiten lassen, dass die Entschließung für oder gegen das Leben auf dem Dorf auch ganz wesentlich von einer vorhandenen Infrastruktur abhängt. Ein Mosaikstein, um die Lebensqualität im Ort zu erhalten, stellt dabei die mittel- und langfristige Sicherstellung der Nahversorgung dar“, heißt es in dem vom Vorstand unterzeichneten CDU-Schreiben. Vor diesem Hintergrund wolle man mit der Unterstützung des Vorhabens einen Beitrag dazu leisten, dass Menschen in den „Umbruchphasen“ ihres Lebens — ob junge Familie oder Rentnerehepaar —, die vor der Frage „Geh ich oder bleib ich?“ stehen, ein überzeugendes „Halteargument“ geboten werde. „Aus dem Grund sind wir der Auffassung, mit der Ansiedlung nicht nur das Vorhandene zu erhalten, sondern auch der Weiterentwicklung des Dorfes einen wichtigen Impuls geben zu können“, schreibt die Orts-CDU.

Norma stellt Pläne vor

Da man in diesem Sinne die Bevölkerung umfassend über eine mögliche Ansiedlung informieren möchte, hat der Ortsverband der CDU für Donnerstag, 20. September, um 19.30 Uhr zu einer Bürgerinformationsveranstaltung in die Vereinshalle eingeladen. An diesem Abend möchte man der Firma Norma die Gelegenheit geben, ihre Planungsabsichten darzustellen. „Gleichzeitig können so möglicherweise vorhandene Sorgen und Bedenken aufgenommen und hoffentlich zerstreut werden“, hofft der Vorstand.

Glaubt man einigen Beiträgen im Netzwerk Facebook, wird das auch nötig sein. „Lieber CDU-Ortsverband Höfen, wenn ihr einen Beitrag dazu leisten möchtet, dass das ,sogenannte Halteargument‘ gestärkt wird, dann sorgt doch zuerst einmal dafür, dass Baugrundstücke für junge Paare und Familien erschwinglich bzw. überhaupt käuflich sind“, regt Nutzerin Helga R. an, und für Roland H. ist ein Norma-Markt „absolut das Letzte, was wir in Höfen brauchen — deswegen bleibt keiner und deswegen geht keiner.“ Und Facebook-Nutzer Achim L. wird noch deutlicher: „Wer so ein Schreiben verfasst, kann entweder nicht aus Höfen sein oder er weiß einfach nicht, was hier Sache ist. Die Mehrheit der Menschen arbeitet auswärts und kommt fast täglich durch das ,Shoppingdorf‘ Imgenbroich. Dort kann man alles kaufen. Und für den kleinen Einkauf gibt es hier immer noch unseren Nahkauf. Also, was soll dieser Laden?“, fragt er und empfiehlt: „Liebe Politiker, sperrt mal die Äuglein auf und krabbelt unter eurem Schreibtisch raus. Bauland braucht die Jugend!“

Auf solche Hinweise reagiert Ortsvorsteher Heinz Mertens gelassen. „Natürlich ist uns das Thema Bauland auch schon länger bekannt, und auch wir hätten gerne mehr Platz für junge Familien im Ort. Aber zum einen gibt es in Höfen noch sehr viele unbebaute Grundstücke, deren Eigentümer jedoch aus den verschiedensten Gründen nicht verkaufen möchten. Und zum anderen muss vor der Erschließung eines Neubaugebiets die Dimensionierung des Kanals untersucht werden, über den das Gebiet später entwässern wird“, erläutert Mertens. Laut Ortsvorsteher sind hier beispielsweise Kapazitäten in der Verlängerung der Neue Straße vorhanden.

„Werden die Kirmes nicht stören“

Es bleibt also spannend im einstigen Golddorf, sicherlich auch über die Kirmes hinaus. Das Kirchweihfest in Höfen wird indes nach den Worten von Arndt Meyer trotz der Großbaustelle nicht in Mitleidenschaft gezogen. Er verspricht: „Wir werden die Kirmes nicht stören!“