Monschau: Ein Hauch von Broadway auf der Burg beim Monschau-Festival

Monschau : Ein Hauch von Broadway auf der Burg beim Monschau-Festival

Jazz geht’s los, hieß es am Sonntagabend zum Abschluss des Monschau-Festivals 2018 in der historischen Burgarena, die auch den Star des Abends, den schwedischen Posaunisten Nils Landgren, zum Staunen brachte.

„Das haben Menschen alles von Hand gemacht“, philosophierte er, umgeben von altem Gemäuer. „So etwas haben wir in Schweden nicht. Das ist total traumhaft hier“, schwärmte er. Der großartige, sympathische und unkomplizierte Solist hätte sich zum Abschlusskonzert seiner Tournee und zur Abrundung eines überaus gelungenen Festivals in Monschau — wie auch die Veranstalter — wohl einen voll besetzten Burghof gewünscht, aber Jazz ist eben kein Massenprodukt. Die rund 450 Besucher erlebten dennoch einen ebenso mitreißenden wie entspannten Abend, bei dem ein Hauch von Broadway die 800 Jahre alten Burgmauern umwehte.

Dem Publikum ganz nah: Nils Landgren signiert in der Konzertpause seine CDs. Foto: P. Stollenwerk

Hommage an ein Genie

Hohe musikalische Kompetenz hatte sich auf der Bühne versammelt, um mit dem Programm „Some other Time — A Tribute to Leonard Bernstein“ an das musikalische Genie zu erinnern. Mit dem Musical „Westside Story“ hat der US-Komponist Musikgeschichte geschrieben, die Landgren und seine Mitstreiter frisch und fröhlich verpackt dem Publikum servierten. Am 25. August, dem Vorabend des Konzertes, wäre das Musik-Genie 100 Jahre alt geworden.

Unterstützt wurde die vierköpfige Combo von der Russischen Kammerphilharmonie St. Petersburg unter Leitung von Juri Gilbo.

Nach wenigen Takten der Ouvertüre zur „Westside Story“ war das Publikum bereits auf Betriebstemperatur. Mal samtweich, mal druckvoll agierte Landgren mit seiner roten Posaune und fesselte das Publikum mit seiner eigenwillige Stimmlage.

Janis Siegel virtuos

Mit der Sängerin Janis Siegel betrat dann eine fast unscheinbar wirkende Person die Bühne, aber das Publikum wusste selbstverständlich, dass die 66-Jährige dem weltbekannten Vokalensemble „The Manhattan Transfer“ angehört. Auf der Bühne explodierte die quirlige Sängerin dann regelrecht und stellte mit ihrer virtuosen und originellen Gesangsshow sogar zeitweise die rote Posaune in den Schatten. Wie ein Instrument variierte Janis Siegel ihre Stimme in schwindelerregende Höhen.

Da applaudierten sogar die Musiker der Kammerphilharmonie auf offener Bühne. Mit hohem Spaßfaktor und musikalischer Spielfreude nahm das Konzert Tempo auf, und ebenso entspannt wie gut gelaunt gingen alle in die Pause. Diese Zeit nutzte Nils Landgren, um fleißig CDs zu signieren und mit seinen Fans ein paar Worte zu wechseln. Ohne jegliche Allüren und seinem Publikum ganz nah gab sich der vielfach ausgezeichnete Musiker.

Hochwertige gute Laune

Sympathisch wirkte auch seine umfassende Danksagung „an alle, die hinter den Kulissen arbeiten“, und gerne folgte das Publikum auf den Sitztribünen dann bei der Nummer „Same old Story“ seiner Aufforderung zum Mittanzen. Nils Landgren und Janis Siegel gaben gemeinsam Takt und Schritt vor und schritten gleichzeitig auf das Ende eines stimmungsvollen und hochwertigen Gute-Laune-Konzertes zu.

Mit dem Bernstein-Klassiker „Somewhere“ als Zugabe ließen Landgren und Siegel im Duo das Publikum dahinschmelzen und entließen die Zuhörer wunderbar berührt in die Nacht.

Leider nur mäßiger Besuch

Zu Beginn des Abends hatte Helmut Lanio für die Monschau-Festival GmbH bei der Begrüßung seine Enttäuschung über den mäßigen Besuch der Veranstaltung nicht verschwiegen. Man habe jedoch nie daran gedacht, diese Veranstaltung abzusagen; dies verbiete allein schon die Verantwortung des Veranstalters gegenüber Künstlern und Publikum. Ein ausverkauftes Haus sei allerdings auch kein Maßstab für Qualität räumte der Festival-Geschäftsführer ein, der dann die Zuschauer aufforderte, zusammenzurücken, um näher an der Bühne zu sein.

(P. St.)
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