Ein Gespräch über die besonderen Herausforderungen im Hospizdienst

Interview über Herausforderungen im Hospizdienst : „Sterben ist eine sehr intime und persönliche Sache“

Der Ambulante Hospizdienst Monschauer Land begleitet Sterbende auf ihrem letzten Weg. Unser Redakteur Andreas Gabbert sprach mit der Koordinatorin Margarete Steger und der ehrenamtlichen Sterbebegleiterin Claudia Heidbüchel über die besonderen Herausforderungen dabei.

Was genau kann man sich unter einem ambulanten Hospizdienst vorstellen?

Steger: Jeder Mensch möchte in Würde und in vertrauter Umgebung sterben. Die ambulante Hospizarbeit verfolgt das Ziel, Schwerkranken und Sterbenden genau das zu ermöglichen – in vertrauter Umgebung und ohne Angst vor belastenden Symptomen zu sterben. Die persönliche Begleitung der Sterbenden wird durch qualifizierte ehrenamtliche Mitarbeiter des Hospizdienstes übernommen. Wir sind für den Altkreis Monschau zuständig und begleiten in Altenheimen, im Krankenhaus und natürlich zu Hause.

Was kostet das?

Steger: Für Menschen und deren Angehörige, die wir begleiten, ist dieser Dienst unentgeltlich. Wir werden von den Krankenkassen unterstützt. Damit sind etwa 90 Prozent unserer Kosten gedeckt. Der Rest wird durch Spenden oder von der Evangelischen Kirche als Träger des Hospizdienstes finanziert.

Wie sind Sie darauf gekommen, sich im Hospizdienst zu engagieren?

Steger: Ich bin Diplom-Sozialarbeiterin und habe lange Zeit als Soziarbeiterin im Krankenhaus gearbeitet. Dort bin ich mit der Hospizarbeit in Kontakt gekommen. Diese Arbeit hat mir immer besonders viel gegeben. Wenn es um existentielle Fragen geht, werden viele andere Dinge unwichtig. Mit Sterbenden zu arbeiten, verändert auch die Einstellung zum eigenen Leben. Als ich die Möglichkeit hatte, ausschließlich in diesem Bereich zu arbeiten, fiel mir die Entscheidung für diese Arbeit sehr leicht. Jetzt koordinieren meine Kollegin Simone Werker-Schwartz und ich hauptamtlich den Hospizdienst Monschauer Land.

Und Sie, Frau Heidbüchel?

Heidbüchel: Zunächst war es eine ganz persönliche Erfahrung mit meinen Eltern, die ich im Sterben begleitet habe. Das war ein sehr würdiges Verabschieden. Ich wünsche mir, dass das jedem Menschen zuteilwird. Ich habe oft mit schwerkranken Menschen gesprochen und festgestellt, dass ich keine Berührungsängste habe. Im Gegenteil, die Gespräche geben mir sehr viel. Deshalb habe ich mich immer mehr in dieses Thema eingelesen. Außerdem habe ich eine Aufgabe gesucht, die mich im Ruhestand ausfüllt.

Wie ist es, Menschen an den letzten Tagen ihres Lebens zu betreuen?

Heidbüchel: Für mich ist es eine Ehre, dabei zu sein. Sterben ist eine sehr intime und persönliche Sache. Es ist sehr ernst und feierlich. Es geht nur noch um die wichtigen Dinge. Alles andere tritt in den Hintergrund.

Steger: Es entstehen sehr intensive Beziehungen zu den Sterbenden und ihren Angehörigen. Dazu gehört eine Menge Vertrauen von Seiten der Menschen, die wir begleiten. Wir versuchen, Sterbende und ihre Angehörigen in ihrem Verabschiedungsprozess zu unterstützen und ermutigen sie, über für sie wichtige Dinge miteinander zu sprechen. Das fällt ihnen oft schwer. Das oberste Gebot für uns ist, die Sterbephase so zu gestalten, wie sie es möchten. Wir sind nicht da, um zu missionieren.

Was ist bei der Begleitung Sterbender wichtig?

Heidbüchel: Das ist immer anders. Wichtig ist zu spüren, was der Sterbende will und wie er gelebt hat.

Steger: Der Begleitende muss sich selbst und seine Einstellung zum Leben ganz zurücknehmen. Die Wünsche der Sterbenden und ihrer Angehörigen müssen im Mittelpunkt stehen, auch wenn diese Wünsche vielleicht nicht seinem eigenen Weltbild entsprechen.

Ist das für Sie nicht auch eine Belastung?

Heidbüchel: Das lässt mich nicht unberührt, aber eine Belastung ist es nicht. Es geht darum, mitzufühlen, aber nicht mitzuleiden. Deshalb ist die Ausbildung zum Sterbebegleiter wichtig, aber auch die Unterstützung durch unsere monatliche Reflektionsgruppe und Supervision.

Wie gestalten Sie die Zeit mit den Menschen, die sie begleiten?

Heidbüchel: Sehr unterschiedlich! Oft muss man einfach nur da sein. Bisweilen reicht es, wenn klar ist, da ist jemand. Angehörige können das manchmal nicht aushalten.

Steger: Das kommt auf den Menschen an und wie er gelebt hat. Das ist sehr individuell. Der eine möchte Köper-kontakt, der andere nicht. Einer möchte gerne alte Lieder hören, ein anderer will nur, dass jemand da ist.

Wie wirkt sich diese Tätigkeit auf Ihr eigenes Leben aus?

Heidbüchel: Seitdem ich das mache, habe ich einen ganz anderen Blick auf mein eigenes Leben. Es geht mir jetzt mehr um das Wesentliche. Die Werte haben sich total verschoben.

Für sie stehen die Wünsche der Sterbenden und ihrer Angehörigen im Mittelpunkt: Margarete Steger (Koordinatorin des Ambulanten Hospizdienstes Monschauer Land, links) und Claudia Heidbüchel (ehrenamtliche Sterbebegleiterin). Foto: Andreas Gabbert

Steger: Mit den kleinen Ärgernissen des Alltags geht man viel gelassener um. Durch unsere Arbeit wird uns ständig bewusst, dass das Leben endlich ist.

Warum ist der Tod so ein schwieriges Thema?

Steger: Das liegt am Bewusstwerden der eigenen Endlichkeit. Der Gedanke daran macht vielen Menschen Angst.

Heidbüchel: Ich glaube, dass das auch eine gesellschaftliche Frage ist. Man möchte sich nicht mit unangenehmen Dingen beschäftigen. Die werden verdrängt. Das war früher anders.

Manche Erkrankte haben Verhaltensweisen, die andere schwer belasten. Wie gehen Sie damit um?

Heidbüchel: Das ist nicht einfach auszuhalten. Man muss die eigenen Grenzen kennen und akzeptieren, um anschließend wieder da sein zu können.

Steger: Es ist wichtig, ein unangemessenes Verhalten, zum Beispiel Aggressivität, nicht persönlich zu nehmen.

Was ist wichtig bei der Begleitung von Menschen mit Demenz?

Steger: Schwierig ist es bei den Menschen, die nicht mehr kommunizieren können. Wir sind dann auf Informationen der Angehörigen oder auf die Biografie-Unterlagen in den Altenheimen angewiesen. Wir versuchen also etwas über die Hintergründe des Sterbenden zu erfahren. Wenn dafür die Zeit fehlt, müssen wir uns auf unser Gefühl verlassen. Man muss Selbstbewusstsein für die eigenen Wahrnehmungen entwickeln. Auch das ist Teil der Ausbildung.

Wie werden die Angehörigen unterstützt?

Steger: Die Angehörigen sind in der Regel beim Erstgespräch dabei. Gemeinsam mit ihnen planen wir die Begleitung. Wir entlasten sie, indem wir sie am Bett des Sterbenden vertreten, damit sie auch mal Zeit für sich haben. Bei der Auseinandersetzung mit den Themen Sterben und Abschied bieten wir den Angehörigen durch Gespräche unsere Unterstützung an.

Wann ist der richtige Zeitpunkt, sich an den Hospizdienst zu wenden?

Steger: Der richtige Zeitpunkt ist, wenn man bemerkt, dass sich ein alter Mensch entscheidend verändert, wenn sich der Betroffene zurückzieht und nicht mehr am Leben teilnimmt. Bei jungen Menschen kann das auch nach einer schlimmen Diagnose sein, wenn man weiß, dass die Krankheit nicht heilbar ist.

Heidbüchel: Leider wissen viele aber nicht, dass es uns gibt. Deshalb werden wir manchmal gar nicht verständigt.

Wer darf im Hospizdienst ehrenamtlich arbeiten?

Steger: Nur Menschen, die eine Ausbildung zum Sterbebegleiter absolviert haben. Das ist gesetzlich vorgeschrieben.

Was kann ich tun, wenn ich mich selbst im Hospizdienst engagieren möchte?

Steger: Dann kann man gerne am 30. Oktober zu unserer Informationsveranstaltung kommen. Da informieren wir über die Inhalte der Ausbildung zum Sterbebegleiter. Die Entscheidung, ob man im Hospizdienst mitarbeitet, wird am Ende der Ausbildung gemeinsam mit den Ausbildern getroffen. Die Ausbildung hat das Ziel, neue Ehrenamtliche zu qualifizieren und den Hospizgedanken weiterzutragen. Dabei ist zunächst nicht wichtig, ob die Personen nach der Ausbildung in unserem Dienst mitarbeiten werden.