Monschau/Mützenich: Ein Butler zur Weihnachtszeit im MGM

Monschau/Mützenich : Ein Butler zur Weihnachtszeit im MGM

Sie könnten ein so friedliches Leben und ihr solides Auskommen haben — die Bauersleut´ und Geschwister Karl und Klara Dörrzapf (Roland Kaspar, Hermine Schmitz). Mit ihrer Magd Lore (Melanie Sperling) bewirtschaften sie ein Gehöft, einträgliches Hoflädchen und Fremdenpension mit sympathischen Gästen inklusive. Doch die Idylle trügt, Irrwege und Abwege säumen bald beider Leben.

In Hans Schimmels Komödie „Ein Butler auf dem Bauernhof“, die das Ensemble „Wortspiel“ im Mützenicher Theaterverein „Concordia“ nach guter Tradition am zweiten Weihnachtstag im St.Michael—Gymnasium in Monschau zur Premieren — Aufführung brachte, geht es bald um verschobene Milchkühe, ergaunerte Subventionen, ein eiligst zu sanierendes Kirchendach, bei dessen Reparatur der Herr Pfarrer (Michael Sommer) nicht lange fragt, aus welch dunklen Kanälen das Geld dafür stammt.

Dafür plaudert der Seelenhirte um so munterer aus dem Beichtstuhl. Schlitzohr Bauer Karl kommt mächtig ins Schwitzen, als eine Prüferin des Landwirtschaftsministeriums im Betrieb Dörrzapf ihre Arbeit aufnimmt und unweigerlich auf verräterische Spuren von Betrug trifft.

Die Probleme erreichen den Gipfel, als Karls Kumpel Fred Schjweiss (Ralf Steffens) den trickreichen doch zunehmend irritierten Landwirt um einen dicken Kredit bittet, will doch Fred mit außerirdischen Mächten in Verbindung treten, um deren Anzahl zu mehren, da braucht er dringend hochwertige Technik.

Ein Höhepunkt der Handlung in der zu zwei Dritteln gefüllten Schulaula jagt den anderen. Spannung und erlösendes Lachen der Zuschauer erreichen wechselweise Spitzenwerte, als die Landwirte scheinbar erfolgreich Preisrätsel lösen, ihnen Gutscheine und bare Belohnungen winken.

Der absolute Volltreffer aber ist ein Butler für alle Fälle und auf Zeit, Garantie guten Benimms und Services mit Familienanschluss. In dieser „vornehmen“ Rolle mit Stil und Etikette: Jürgen Strauß, „altdeutsch“ Johann genannt. Die Wahrheitsfindung nimmt seit dessen Einzug in das Gaunernest dubioser „Bauerei“ im „sündigen Dorf“ unaufhaltsam ihren Lauf…

„Schon gleich nach dem zweiten Weltkrieg“, weiß Wortspiel — Mime Ralf Steffens, „spielte unsere Truppe am 26. Dezember zur Premiere auf. Seither verabschieden wir das alte Jahr mit Humor und Lebensfreude und heißen das neue mit einem Lustspiel willkommen, dessen Inhalt den Besuchern stets ein paar Stunden unbeschwerten Frohsinn versprach.“ So auch die diesjährige Schwank - Premiere.

Das mit 110 Minuten reiner Spieldauer angesetzte Stück wurde, sagt Steffens, seit Anfang Oktober intensiv geprobt und erlebte nun erste Vorhänge mit unwägsamen Hindernissen.

„Wir führten unsere Einstudierung am 20. Dezember bei der Firma SMS — Meer in Schleckheim auf. Anlass war die Weihnachtsfeier des Unternehmens. Just zu dieser begrüßenswerten Vorpremiere fiel ein Teammitglied unerwartet aus. Es kam gottlob aber zu keinem Spielausfall, weil unsere Souffleuse Karina Löhner kurzentschlossen beherzt für ihre Kollegin einsprang und den Part überraschend gut über die Bretter brachte“ (Steffens).

Regisseurin fällt kurzfristig aus

Weit schlimmer noch der notgedrungene Verzicht auf Regisseurin Hiltrud Weishaupt. Sie musste infolge familiärer Umstände die künstlerische Leitung der Erstvorstellung kurzfristig niederlegen. Doch auch diese riesige Besetzungslücke wurde durch den mutigen Einsatz des erfahrenen Bühnenbauers Wolfgang Schmitz nahtlos, versiert und mit Dank und Anerkennung aller Concordianer geschlossen.

Um so mehr genossen Publikum und Aktive einen originellen, gelungenen Service in der Pause. Wie es sich für einen perfekten Butler gehört, servierte Johann den Gästen labenden Kakao. Und nicht nur das: Wer mochte, erhielt das verführerische Elixier ohne Ausfall und sogar mit einem kleinen „Schuss“ Hochprozentigem; nun nannte es sich dann „Lumumba“.

Und um den Reigen honoriger Gastgeberpflichten perfekt zu machen, bietet der Veranstalter angesichts dann ungewissen Winterwetters zur letzten Vorstellung dieser Session (Sonntag, 6. Januar, 15 Uhr) einen bequemen Pkw - Fahrdienst an. Wer diesen in Anspruch nehmen möchte, wird um Nachricht an Roland und Ursula Kaspar (Telefon — Nummer 02472/6364) gebeten. Weitere Inszenierungen werden am heutigen Freitag, 28. Dezember, 5. Januar (stets im Gymnasium auf der Haag, 19 Uhr 30) und 6. Januar (15 Uhr) präsentiert.

In weiteren Rollen gefielen und ernteten herzlichen Applaus eines ein ums andere Mal von fröhlichen Überraschungen des Bühnengeschehens amüsierten Publikums: Michaela Katzenauer (Lydia Grau), Petra Jollet, Karina Löhner (Souffleusen, Requisite), Michael Strauß, Hagen Kaspar, Hendrik Weishaupt (Technikteam).

Die Maske gestaltete Andrea Lenzen, den Bühnenbau besorgten Wolfgang Schmitz und Partner, an der Theke servierten Neu — Regisseur Schmitz und Brunhilde Prickartz.

(M. S.)
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