Eifeler Verlage und Autoren auf der Frankfurter Buchmesse

Lesestoff aus der Region: Eifeler Verlage und Autoren auf der Frankfurter Buchmesse

Wenn die Skyline von Frankfurt im Oktober von der Herbstsonne in ein warmes Rot getaucht wird, weiß jeder Bücherfreund, was das bedeutet: Die Buchmesse öffnet für Literaturfreunde aus der ganzen Welt erneut ihre Pforten. Auch Verlage und Autoren aus der Eifel finden sich alljährlich in Frankfurt ein, um Gespräche zu führen, Kollegen wiederzusehen und die aktuellsten Bücher-Neuigkeiten kennenzulernen.

Ein Verlag, der bereits seit vielen Jahren auf der Buchmesse anzutreffen ist, ist der Rhein-Mosel-Verlag aus Zell an der Mosel. Verleger Arne Houben hatte dieses Jahr 13 Neuerscheinungen mitgebracht, die „quer durch das Programm des RMV-Verlages“ reichen, so Houben. So schrieb Ute Bales mit „Bitten der Vögel im Winter“ einen Roman über die „Rassenforscherin“ Eva Justin, die, getrieben von der Wahnvorstellung des „sauberen Volkes“, Gutachten verfasste, die Tausende Sinti und Roma in die Konzentrationslager brachten: „Ein erschreckendes, aber wichtiges Buch und ausgezeichnet mit dem Martha-Saalfeld-Förderpreis 2018“, so der Verleger.

Eher für die „sanfte Seele“ ist laut dem Verleger der „etwas andere Adventskalender“ „Lichter im Advent“, der von Marion Bischoff und Gabi Schmid herausgegeben wurde. 24 Geschichten – für jeden Tag eine – begleiten den Leser in den Tagen vor Heiligabend.

„Mein notorischer Autor, Hubert vom Venn, der seit vielen Jahren für mich Bücher schreibt, wagt dieses Jahr allerdings was ganz Neues“, so Houben. Mit „... auf die Socken machen“ veröffentlichen Hubert vom Venn, Kurt Schreiber, Dirk Neuss und Arne Houben ein interaktives Buch, indem die Bilder durch die App „VisualifeAR“ der englischen Firma „YESSS“ zu Leben erweckt werden können. 55 Eifelziele, die alle bereits im lokalen Internetsender „MON TV“ vorgestellt wurden, sind jetzt nicht nur nachzulesen, sondern auch anzusehen: „Ich habe da auch zuerst an die Bilder von Harry Potter gedacht, die einem zuwinken können. Das klappt aber wirklich“, so vom Venn. So erfährt der Leser, der gleichzeitig auch Zuschauer ist, unter anderem warum die Stadt Prüm nach dem Zweiten Weltkrieg teilweise in die Luft geflogen ist und wo das größte Omelett Ostbelgiens gebacken wird. Das Buch weiß sogar, wo der Leser sich gerade befindet, und zeigt mit einer Karte den Weg zu der Sehenswürdigkeit an. Kameramann Kurt Schreiber, ein Vetter von Hubert vom Venn, ist begeistert von diesem neuartigen Buch: „Ich bin mit meinem Vetter jahrelang gerne gewandert. Jetzt haben wir die riesen Bandbreite an Erlebnissen in der Eifel.“ „Irgendwie irre“, fasst Verleger Houben „... auf die Socken machen“ zusammen.

Zum dritten Mal war auch Sven Nieder vom Eifelbildverlag aus Daun auf der Frankfurter Buchmesse anzutreffen. Nieder, der im letzten Jahr nur einen kleinen Stand hatte und einen Verlag präsentierte, war dieses Jahr stärker vertreten: „Neben dem Eifelbildverlag habe ich jetzt auch die „Edition Bildperlen“ und den „Regionalia“-Verlag. Wir decken jetzt die Eifel und den Rest der Region ab. Mit „Bildperlen“ habe ich den Bildbandverlag gegründet, den ich mir als langjähriger Fotograf immer gewünscht habe“, so Nieder. So zeigt „Vulkanland“ vom Fotografen Eddi Meier die beeindruckenden Vulkane der Eifel, die seit einiger Zeit abgetragen werden: Nieder sieht dort ein ähnliches Politikum wie im Hambacher Forst: „Wir haben hier eine ähnliche Situation. Können wir das uns und den kommenden Generationen wirklich antun, so in die Natur einzugreifen?“

Für die Lesefreunde ab sechs Jahren hatte Nieder den dritten und vierten Band der Kinderbuchreihe „Sagenhaft Eifel“ mitgebracht, indem die Zwillinge Lea und Elias von einem Gespensterfuchs angegriffen werden. Autor Christian Humberg, der 2015 den „Phantastik-Preis“ erhielt, kündigte im Rahmen der Buchmesse bereits Band fünf und sechs der Kinderbuchreihe an. „Wir schauen positiv in die Zukunft. Wir machen was Richtiges aus dem Herzen der Vulkaneifel heraus. Die Eifel hat einfach einen Standortvorteil“, so Nieder.

Um diesen Vorteil weiß auch der Krimiautor und Verleger des KBV-Verlages Ralf Kramp. Bereits seit über 20 Jahren fährt Kramp in die Finanzmetropole am Main, um seine „Herbst-Highlights“ vorzustellen. Besonders stolz ist Kramp, dass die bekannte Film- und Fernsehschauspielerin Ulrike Bliefert ihren Krimi „Die Samariterin“ pünktlich zur Buchmesse im KBV-Verlag veröffentlicht hat: „Ulrike Bliefert hat eine erfolgreiche Jugend-Thrillerreihe geschrieben. Jetzt veröffentlicht sie ihren ersten Erwachsenen-Krimi. Wir sind Krimi-Kollegen.“ „Die Samariterin“ beschäftigt sich mit der Geschichte von Susanne Kleinschmitt, die ihre Mutter in Mayen pflegt. Durch einen Briefkontakt mit dem Gefängnisinsassen und Ehefrauenmörder Andreas Vogel verändert sich Kleinschmitts Leben und der Leser bemerkt, dass die graue Maus auch anders kann.

Auch für Fans von Jaques Berndorf hatte Verleger Kramp etwas im Gepäck: „Der Monat vor dem Mord stammt aus den späten 1970er Jahren. Das ist kein typischer Eifel-Berndorf, aber spannend auf jeden Fall.“ Besonders freute sich Kramp über die „Independent Bestsellerliste“, die sich mit den kleineren Verlagen beschäftigt: „Im September war ich mit meinem achten Herbie Feldmann „Abendlied“ da auf Platz 14\. Das ist eine sehr schöne Liste.“ Kramp, der jahrelang gerne zur Frankfurter Buchmesse fuhr, weiß allerdings nicht, ob er auch noch im nächsten Jahr dort anzutreffen sein wird: „Es ist nur noch ein wuchernder Bürokratiewahnsinn. Es ist kundenunfreundlich geworden. Schade“, so Kramp.

(kfr)
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