Imgenbroich: Eifeler Unternehmen entfacht digitale Revolution im Messebau

Imgenbroich: Eifeler Unternehmen entfacht digitale Revolution im Messebau

„We do digital“ („Wir tun es digital“). So heißt nicht nur eine bundesweite Kampagne des DIHK (Deutscher Industrie- und Handelskammertag) zum digitalen Wandel in der Arbeitswelt. „We do digital“ — das ist gleichsam auch die Losung des 1977 im Gewerbegebiet Imgenbroich gegründeten Unternehmens WWM (stand damals für „Werbewerkstätten Monschau“).

Denn in einem mittlerweile zwölf Jahre andauernden Prozess hat das Unternehmen, das heute rund 75 Menschen Arbeit gibt, den klassischen Messebau immer weiter digitalisiert und perfektioniert. Diese Leistung hat nun auch die Jury des genannten Wettbewerbs honoriert und die WWM GmbH & Co. KG zum bundesweiten Sieger in der Kategorie Informations- und Kommunikationswirtschaft ausgewählt.

In der Entwicklungsabteilung der Firma WWM am Standort Imgenbroich („Lab“) brüten kluge Köpfe den ganzen Tag über neuer Software, praktischen Apps und innovativen Ideen. „Sie haben den Auftrag, den ganzen Tag zu spielen“, sagt Geschäftsführer Christian Coppeneur-Gülz durchaus ernst gemeint und ergänzt: „Denn nur spielerisch kann etwas Neues entstehen.“ Die digitale Steuerung von Abläufen, Events und Messen wird dann am Bildschirm (kleines Bild links) oder im Druck- und Grafikservice (kleines Bild rechts) für den Kunden weiterverarbeitet. Foto: Heiner Schepp

„Live-Kommunikation“

In der Entwicklungsabteilung der Firma WWM am Standort Imgenbroich („Lab“) brüten kluge Köpfe den ganzen Tag über neuer Software, praktischen Apps und innovativen Ideen. „Sie haben den Auftrag, den ganzen Tag zu spielen“, sagt Geschäftsführer Christian Coppeneur-Gülz durchaus ernst gemeint und ergänzt: „Denn nur spielerisch kann etwas Neues entstehen.“ Die digitale Steuerung von Abläufen, Events und Messen wird dann am Bildschirm (kleines Bild links) oder im Druck- und Grafikservice (kleines Bild rechts) für den Kunden weiterverarbeitet. Foto: Heiner Schepp

Messebau — da denkt man normalerweise an einen freundlichen, einladenden Stand mit bequemen Möbeln, großflächigen Bildern und Informationen, Flyern und kleinen Werbegeschenken. Doch das Arbeitsfeld der Messebauer hat sich in den letzten Jahren ebenso gewandelt wie der Name des Gewerbes.

„Die Wertekultur ist die Basis unseres Erfolges und wird gleichermaßen intern als auch extern, mit unseren Kunden und Geschäftspartnern gelebt“, sagt WWM-Geschäftsführer Dr. Christian Coppeneur-Gülz.

Heute spricht man von Live-Kommunikation (oder englisch Live Communication), die dabei jedoch nicht nur die klassische Ausstattung für eine Messe meint, sondern ebenso die Komplettorganisation von Veranstaltungen („Events“) und Aktionstagen oder die Gestaltung von Präsentationsräumen.

„Natürlich sind wir ursprünglich immer noch Messebauer“, sagt WWM-Geschäftsführer Dr. Christian Coppeneur-Gülz, der das Unternehmen 2005 von seinen Eltern Renate und Friedhelm Gülz übernahm. „Aber in erster Linie sind wir heute ein Software- und Logistikunternehmen“, erklärt er.

10.000 Artikel gelagert

Unter den 75 Mitarbeitern, die für die WWM an den drei Standorten Imgenbroich, Alsdorf und München arbeiten, sind Software-Entwickler, Projektmanager, Designer, Ingenieure, Architekten, Logistiker und Handwerker. Neben dem zunehmenden Geschäft mit Messeständen, die für kleine Flächen optimiert sind, werden nach wie vor auch große, individuelle Stände mit bis zu 2000 Quadratmetern Standfläche angefertigt.

300 individuelle Messestände realisiert das Imgenbroicher Unternehmen jährlich für seine Kunden, bringt aber im gleichen Zeitraum 3500 sogenannte cloudbasierte Veranstaltungen buchstäblich über die Bühne. Denn die Kunden tendieren heute weit stärker zur Stückelung ihrer Zielgruppen, daher rührt der Trend zu kleineren und verschiedenen Events.

Wie aber funktioniert eine „cloudbasierte Veranstaltung“, wo es doch um greifbare Dinge wie Mobiliar, Ausstattung und Werbematerialien geht? Nun, WWM ermöglicht sozusagen Live-Kommunikation auf Knopfdruck. Über die Nutzung der 2006 erstmals vorgestellten Software „myWWM“ können Aufträge komplett am Bildschirm geplant, realisiert und durch das Bereitstellen aller nötigen Ressourcen im eigenen Logistik-Center in Alsdorf ausgeführt werden, wo im Juni ein innovativer, cloudbasierter Service Hub als Neubau bezogen wurde.

Verglaste Besprechungsräume und eine große moderne Kochinsel als zentraler Treffpunkt zum Thema digitale Transformation in der Live-Kommunikation, runden das Bild ab. Kaffee-Ecken und Lounges unterstreichen den Spirit einer innovativen Internet-Firma und bieten Kapazität für 50 Prozent Mitarbeiterwachstum. Eine Photovoltaikanlage, eine Luft-Wärme-Pumpe und sensorgesteuerte LED-Beleuchtung sorgen für eine bilanzierte Energieautonomie.

Im Logistik-Zentrum lagern derzeit etwa 10.000 unterschiedliche Artikel. Mit einigen Klicks ist eine Veranstaltung in wenigen Minuten geplant. Man kann sich das in etwa vorstellen wie die Planung eines Hauses am Computer.

Namhafte Kunden

Um die Umsetzung, also den Aufbau beispielsweise eines Messestandes vor Ort, kümmert sich WWM dann ebenso wie um die Bereitstellung etwa von Flyern, Kaffeemaschinen, Getränken oder Süßwaren. Die Bewirtung der Messegäste mit Kaffee beispielsweise kann über die Software entsprechend dem Umfang der Veranstaltung mitgebucht werden.

Die eigentlichen Messestände werden auf logistisch sorgsam angelegten Routen quer durch Deutschland und Europa verschickt sowie auf- und abgebaut und kommen bei häufiger Nutzung derselben Elemente den Kunden bei weitem günstiger. Den WWM-Monteuren ist die einheitliche Bauweise bekannt, wodurch Arbeitszeit eingespart wird.

„Dies spielt bei jährlich mehr als 3500 durchgeführten Events eine erhebliche Rolle“, so Unternehmenssprecher Nils Neumann, der ergänzt: „Der Clou jedoch ist, dass die Messesysteme kostenfrei aus der sogenannten WWM-Cloud gestellt werden. Kostenpflichtig hingegen sind die über die Software bestellten Services, inklusive der für die Bereitstellung nötigen Logistik und einer Ausstellungsversicherung.“

Eigentlich könnte man sich bei WWM zurücklehnen und auf die Auftragsabwicklung beschränken, denn für das Geschäftsmodell des Unternehmens gibt es im Moment keinen vergleichbaren Wettbewerber.

Und auch deshalb zählt WWM namhafte Firmen und „Global Player“ zu seinen Kunden: Das IT-Unternehmen Lexmark oder die Aktion Mensch, Papstar und Grünenthal, Stellenanzeigen.de, Sonnen oder devolo — sie alle sind vom Konzept und von der Arbeit der WWM überzeugt und arbeiten erfolgreich mit dem 40-jährigen Unternehmen zusammen.

Besucher werden erfasst

Auf dem Erfolg ausruhen aber ist nicht die Sache des promovierten Wirtschaftsinformatikers Coppeneur-Gülz. Für die Weiterentwicklung der Software hat man in Imgenbroich ein eigenes Entwicklerteam in einem Labor arbeiten, welches als Keimzelle der digitalen Transformation innerhalb des Unternehmens wahrgenommen wird. Auch an neuen Apps tüfteln die hellen Köpfe bei WWM im Zeitalter wachsender Mobilität stets herum.

„So bietet unsere Software in der neuesten Version ein Modul zur eindeutigen Performancemessung von Veranstaltungen sowie zur automatisierten Besuchererfassung auf Events“, sagt Dr. Christian Coppeneur-Gülz und erläutert: „Wir zeichnen — natürlich datenschutzkonform — auf, wie oft und wie lange ein Besucher einen Messestand besucht und welche Wege er dabei nimmt. Das erlaubt uns wichtige Rückschlüsse, wie wir einen Messestand optimal gestalten. Das können Sie sich vorstellen wie das Google Analytics der Live-Kommunikation.“

Diese Besucher könnten dann zielgerichtet über die digitalen Kanäle per „Retargeting“, eine Art Verfolgungsverfahren, wieder angesprochen werden.

Für den promovierten Wirtschaftsinformatiker Coppeneur-Gülz, der Teile seiner Ausbildung und frühen Berufsjahre in den USA verbracht hat, genießt aber auch der menschliche Umgang höchsten Stellenwert: „Die Wertekultur der WWM ist der Schlüssel unseres Erfolges und wird gleichermaßen intern als auch extern, mit unseren Kunden und Geschäftspartnern gelebt“, sagt der Geschäftsführer, der mit seiner Familie in Aachen wohnt.

Dazu gehören an allen drei Standorten — Imgenbroich, Alsdorf und München — flexible Arbeitszeiten, große und offene Räume und ein familiärer Umgang, der nur ein „Du“, aber kein „Sie“ kennt.

„Hidden Champion“

Auch deshalb durfte WWM bereits im Mai 2017 einen weiteren Preis einheimsen, nämlich den Award „Hidden Champion des Mittelstands“, eine Auszeichnung für Unternehmen, die sich in besonderem Maße weiterentwickeln, Kunden begeistern, Mitarbeiter motivieren und finanziell erfolgreich sind. In der Begründung für den Preis heißt es unter anderem: „Wieder sind es die Menschen, die mit ihrer Kreativität, Innovationskraft und Lösungsansätzen den Unterschied ausmachen.“

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