Eifel: Keine Glocken, denn vor Ostern klappern die Messdiener wieder

Ostern klappern die Messdiener : Die Glocken fliegen am Gründonnerstag nach Rom

Die heimischen Glocken fliegen am Gründonnerstag nach Rom und besuchen dort den Papst – deswegen hört man sie bis Samstag nicht läuten. So sagt der Volksmund in der Eifel. Die laut klappernden Messdiener ersetzen in der Osterwoche das Glockengeläut.

Das bleibt vom Gloria am Gründonnerstag bis zur Auferstehungsfeier am Samstag nämlich aus. Mit dem Schweigen der Glocken soll der Trauer um das Leiden und den Tod Christi Ausdruck verliehen werden. Früher hatten die Kirchenglocken eine bedeutendere Rolle als heute: Sie gaben die Tageszeiten an und riefen zur Messe auf.

Kevin und Lukas (beide 13 Jahre alt) aus Simmerath sind schon „klappern“ gewesen, andere gehen noch in den kommenden Tagen. Die Messdiener ziehen in der Region von Haus zu Haus und sammeln Spenden und Süßigkeiten als Dankeschön für ihren Dienst für die Kirchengemeinde. Meist wird von dem gesammelten Geld in der Osterwoche ein Ausflug gemacht. Dann geht es beispielsweise in einen Freizeitpark.

Immer weniger Messdiener

Die Tradition des Klapperns reicht bis in das Mittelalter zurück. Damals zogen allerdings nur männliche Messdiener durch die Dörfer. Offiziell dürfen erst seit 1994 auch Mädchen in der Messe dienen und damit ebenfalls klappern gehen. Inzwischen stellen sie sogar die Mehrheit dar.

Trotz des weiblichen Zuwachses haben die Messdiener mit Mitgliederschwund zu kämpfen. So gehen in den Osterferien in Imgenbroich und Monschau keine Messdiener mehr von Haus zu Haus. In Kalterherberg sind es aber zurzeit noch mehr als 30 Messdiener und in Simmerath derzeit 18.

Die Tendenz geht allerdings dahin, dass immer weniger junge Menschen Messdiener werden wollen. Dabei ist das Dienen in der Messe laut Kevin durchaus attraktiv: „Man ist aktiver in der Messe dabei und schaut nicht nur zu. Einmal im Jahr wird ein größerer Ausflug gemacht.“ Kevin und Lukas waren am Montag bereits zum vierten Mal in Folge in Simmerath unterwegs. Neben dem Klappern verteilen die Messdiener hierbei die Palmzweige, die zuvor in der Messe gesegnet wurden, an die Haushalte. Damit soll der Segen dort Einzug erhalten.

Spenden in Form von Süßigkeiten

Ursprünglich wurden beim Besuch Eier an die Messdiener verteilt. Diese waren in bäuerlichen Haushalten stets verfügbar. Sie wurden wie eine Art Währung mehrmals im Jahr als Pacht- und Zinszahlungen eingesetzt – unter anderem an Ostern. Dass es heute stattdessen Süßigkeiten sind, freut die beiden Jungs sichtlich. Irritiert zeigen sie sich hingegen davon, dass die Kinder an den Haustüren häufiger nach einem Ausweis gefragt werden.

Denn manche Bewohner sind nicht sicher, ob es sich tatsächlich um Messdiener handelt. Wenn in den nächsten Tagen Jugendliche mit Blechdose und Klapper an der Haustür klingeln, handelt es sich aller Wahrscheinlichkeit nach um echte Messdiener. Hier sind sie unterwegs: am Gründonnerstag in Hammer und Paustenbach, am Karfreitag in Konzen, Kalterherberg, Kesternich, Steckenborn, Strauch, Einruhr, Rurberg und Woffelsbach, am Samstag in Dedenborn und Lammersdorf.

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