Roetgen: Ehemalige Schreinerei: Mehr Neubau als Umbau

Roetgen: Ehemalige Schreinerei: Mehr Neubau als Umbau

Der Umbau der ehemaligen Schreinerei am Roetgener Ortsausgang in Richtung Aachen beschäftigt weiterhin die Behörden und die Politik. In der Vergangenheit hatte die Gemeinde den sich immer wieder ändernden Plänen des Investors mehrfach das Einvernehmen versagt.

Dies wurde dann regelmäßig durch die Städteregion Aachen als übergeordnete Baubehörde ersetzt, da sie eine Verweigerung für rechtswidrig hält. Da die Roetgener Politiker noch viele Fragen rund um das Bauprojekt hatten, erklärte sich der Amtsleiter der Unteren Bauaufsicht der Städteregion, Norbert Langohr, bereit, in der jüngsten Sitzung des Bauausschusses der Gemeinde für einen Dialog zur Verfügung zu stehen.

In einem Gespräch mit dem Bauherrn sei deutlich geworden, dass mit weiteren Nachträgen und Änderungen bei dem Bauprojekt zu rechnen sei. „Solch eine Vielzahl von Nachträgen habe ich auch noch nicht erlebt“, sagte Langohr.

Belgische Behörden beteiligt

Silvia Bourceau (UWG) erklärte, es gebe ein großes Interesse der Bürger, wie mit dem Thema „Bauen im Bestand“ umgegangen werde. Deshalb sei es die Pflicht der Politik genau hinzusehen. Sie fragte konkret nach den vorgesehenen Stellplätzen und der Zufahrt zu dem Gelände. Langohr antwortete, auch bei den Stellplätzen und der Zufahrt werde es noch zu Änderungen kommen.

„Es ist ein Umbau, bei dem nur das Stahlgerippe stehen blieb“, sagte Langohr. Dies sei aber auch seit dem ersten Bauantrag so dargestellt gewesen. Dies veranlasste Bernhard Müller (Grüne) zu der Frage, ob denn dieses Gerippe stehen geblieben sei, andernfalls würde es sich ja um einen Neubau handeln. Diese Frage konnte Langohr nicht beantworten. Seiner Meinung nach, wäre das Projekt aber auch als Neubau genehmigt worden. Langohr erläuterte, dass aufgrund der Grenzlage auch die belgischen Behörden mehrfach beteiligt gewesen seien. Von dort habe man stets positive Rückmeldungen erhalten. Als Gudrun Meßing (Grüne) nochmals nachhakte, sagte Langohr: „Es handelt sich um einen Umbau, der einem Neubau gleich kommt.“

Da es sich um ein Wohngebäude handele, stelle sich die Frage, wie das Gebiet nun zu betrachten sei, sagte Müller. Diese Frage war zu Anfang auch Mittelpunkt des Streites zwischen der Gemeinde und der Städteregion. „Wir betrachten es als Mischgebiet“, antwortete Langohr. Aus seiner Sicht habe die Bundesstraße keine trennende Wirkung zum Gewerbegebiet schräg gegenüber.

Der parteilose Günther Severain interessierte sich dafür, ob die Kubatur des Gebäudes immer gleich geblieben sei. Diese habe sich geändert, dies sei aber schon mit dem ersten Antrag genehmigt worden, erklärte Langohr.

Bernd Vogel hatte gleich einen ganzen Fragenkatalog. Seiner Meinung nach sei der Abstand zur belgischen Grenze sei zu gering. Außerdem sei eine Fällaktion „in Belgien nicht auf Gegenliebe gestoßen“, sagte Vogel. Er wollte wissen, ab wann man bei einer Volumenvergrößerung des Baukörpers von einem Neubau sprechen könne und wie weit der Umgang mit Altlasten auf dem Gelände geprüft werde. Zudem war er der Meinung, dass die Ausfahrt des Geländes mitten in einer Bushaltestelle lande. Er frage sich, wie damit umzugehen sei.

Langohr erklärte, dass die belgischen Behörden der richtige Ansprechpartner für die Fällaktion seien. Die Frage nach der Ausfahrt und der Busspur müsse in Roetgen beantwortet werden. Das Volumen des Gebäudes sei zwar größer geworden, es passe sich aber in die Umgebung ein. Da es sich bei dem angrenzenden belgischen Bahnhofsgelände handele, müsse auch kein bestimmter Grenzabstand eingehalten werden. Altlasten seien auch ein Thema gewesen, nun dürften aber keine mehr vorhanden sein, sagte Langohr.

(ag)