Roetgen/Bad Kissingen: Duden ist Schiri auf dem Scrabble-Platz

Roetgen/Bad Kissingen: Duden ist Schiri auf dem Scrabble-Platz

Ein kleines grünes Säckchen voller Buchstaben hat Maria Feige in seinen Bann gezogen. Genaugenommen sind es die unzähligen Möglichkeiten, die in diesem kleinen Beutel stecken.

Die Roetgenerin ist die Deutsche Meisterin im Scrabble. Sie weiß, wie man aus den kleinen Plättchen möglichst lukrative Wörter bildet, findet selbst für ein „X” und ein „Q” noch Verwendung. „Es ist die Mischung aus Glück, Wissen und Strategie, die dieses Spiel ausmacht”, sagt die 56-jährige Meisterin. Mit dem Wörtchen „Go” hat sie in Bad Kissingen den Meistertitel geholt. Go? Ist doch ein englische Begriff - sind die denn erlaubt? „Nein, das sind sie nicht generell”, erklärt Feige. „Go ist aber gar kein Englisch, es handelt sich um ein japanisches Brettspiel.”

Um möglichst viele Punkte zu sammeln, muss ein Scrabbler eben auch Wörter kennen, die nicht jedem Gelegenheitsspieler gleich einfallen. Auf dem Spielbrett im Finale waren einige solcher Wörter zu sehen. Besonders viele Punkte hat Maria Feige aber mit „Felskamm” und „Gerodet” eingeheimst. Und damit hat sie die amtierende Deutsche Meisterin vom Thron gestoßen.

Erlaubt ist beim Turnier, was in der aktuellen Duden-Ausgabe steht. „Der ist sozusagen die Scrabbler-Bibel”, sagt Feige, im Internet gebe es außerdem Checklisten. Die könnte auch so manche Familie zu Rate ziehen, wenn beim abendlichen Spiel mal wieder der Streit ausbricht, weil mal wieder Phantsiewörter wie „Pfeifenreinigertraum” auf dem Brett liegen. Diskussionsstoff wird es dennoch reichlich geben, denn „easy” und „cool” sind unumstritten englisch und werden dennoch im deutschen Wörterbuch aufgeführt.

Maria Feige muss mit ihrer Familie nicht diskutieren - weil sie Scrabble nur noch sehr selten zu Hause spielt. „Es macht nicht mehr so richtig Spaß, wenn man keinen gleichwertigen Gegner hat”, sagt sie schüchtern. Zum Glück gibt es das Internet. Da finden sich Scrabbler aus dem ganzen Land zu Partien zusammen, da werden richtig spannende Kopf-an-Kopf-Rennen ausgetragen.

Wie Sportler, hat auch Maria Feige neben ihren Aufgaben als Erziehungsstelle der Städteregion ordentlich trainiert. Allerdings muss man dafür nicht pausenlos vor dem Rechner sitzen. „Es gibt auch die Möglichkeit, jeden Tag ein, zwei Züge zu machen”, erklärt Feige. Mehr Spaß mache spielen aber nun mal in echter und nicht in virtueller Gesellschaft. Langweilig wird ihr die Wortakrobatik nicht.

Sie habe eine Zeit lang befürchtet, dass ihr die Wörter ausgehen, dass es nichts Neues, nichts Spannendes mehr gibt. „Aber ich lerne jede Partie noch etwas dazu.” Familie Feige trägt das Hobby mit, fährt mit zu Turnieren oder schmeißt derweil den Haushalt.

Als Kind hat Maria Feige lieber andere Spiele gespielt. Ihre Leidenschaft fürs Wörter legen wurde erst im Erwachsenenalter geweckt. „Meine Schwester und ich sind mit unseren Familien in Urlaub gefahren und da haben wir zu scrabblen begonnen.” Aus dem Zeitvertreib wurde das Lieblingsspiel, aus dem Lieblingsspiel ein Hobby, aus dem Hobby eine Passion, aus der Passion der Meistertitel.

Der wurde in diesem Jahr offiziell erst zum zweiten Mal verliehen. Zuvor gab es nur inoffizielle Meisterschaften und Freizeitturniere. Da geht es zu wie auf einem Schachturnier. Die Spiele sitzen sich gegenüber, vor ihnen das Brett, neben ihnen tickt die Uhr. Gespielt wird bis das Säckchen leer ist, eine halbe Stunde lang. Ein Schiedsrichter steht allerdings nicht pausenlos daneben.

„Meist ist der Duden der Schiri”, sagt Feige. Dafür müsse einer der Spieler einen Begriff aber anzweifeln. Feige selbst hat im Finale „Felskamm” aufs Brett gelegt. Ihre Gegnerin „Agnus”. Gewertet wurden die Punkte, im Duden sind beide Wörter aber nicht zu finden. „Gut waren sie trotzdem.” Und deswegen kommen sie auch auf die Wunschliste, die die Scrabbler an die Duden-Redaktion schicken. Schiedsrichterbeeinflussung - aber ohne rote Karten.