Steckenborn: Dubiosen Handwerkern nicht auf den Leim gehen

Steckenborn: Dubiosen Handwerkern nicht auf den Leim gehen

Sie sind den dubiosen Handwerkern nicht auf den Leim gegangen. Helga und Sarah Golz aus Steckenborn haben alles richtig gemacht und sofort die Polizei angerufen. Helga Golz war gerade nach Hause gekommen, als sie einen kleinen weißen Transporter mit offener Ladefläche vor ihrem Haus bemerkte.

„Auf das Fabrikat und das Kennzeichen habe ich nicht geachtet, da denkt man in dem Moment ja nicht dran. Ich hab nur gesehen, dass das Fahrzeug aus Großbritannien kommt, und gedacht: nanu.“ In dem Wagen saß ein junger Mann, der andere stand bei ihrer 79-jährigen Mutter im Garten. „Ich hab gedacht, die Fragen nach dem Weg“, sagt Helga Golz.

Im weiteren Verlauf des Gesprächs stellte sich heraus, dass die beiden jungen Männer ihre Dienste anbieten und bei Familie Golz die Einfahrt neu asphaltieren wollten. Sie würden auf einer Baustelle in der Nähe arbeiten und hätten noch etwas Bitumenmasse zu viel, im Vorbeifahren hätten sie gesehen, dass man die Einfahrt etwas ausbessern könne.

Das wollten sie noch am gleichen Nachmittag machen. 30 bis 60 Minuten später wollten sie wieder vorbeikommen und dann die Fläche säubern, Bitumen auftragen und Rollsplitt einwalzen — das Ganze für zehn Euro pro Quadratmeter.

„Das überleg ich mir, das muss ich erst mit meinem Mann besprechen“, hatte Helga Golz geantwortet. „Die beiden jungen Männer waren durchaus sympathisch und kamen ehrlich rüber. Der eine hat mir auch die Hand gegeben und sich vorgestellt“, erinnert sich Helga Golz.

Ihr erster Anruf galt dann aber dem Ordnungsamt der Gemeinde Simmerath. Dort warnte man sie vor den Arbeitern, meist handele es sich um Pfusch. Gleichzeitig recherchierte ihre Tochter Sarah im Internet und stellte mit Erschrecken fest, dass betroffene Personen aus ganz Deutschland vor solch Handwerkern warnen.

Meistens werden die Arbeiten nur oberflächlich und schlecht ausgeführt. Außerdem wird es in der Regel teurer als vereinbart. „Das war die gleiche Vorgehensweise wie bei uns“, sagt Sarah Golz. Also riefen die beiden Frauen die Polizei. „Die sind auch schnell gekommen“, sagt Helga Golz.

Die Handwerker aus Großbritannien sind dann einfach weiter gefahren, als sie den Polizeiwagen in der Hofeinfahrt stehen sahen. Seitdem haben sich die „Handwerker“ bei Familie Golz nicht mehr blicken lassen.

Später erzählte Helga Golz‘ Mutter, dass vor zwei bis drei Wochen schon mal jemand da gewesen sei. Die 79-Jährige hatte aber im Fernsehen von unseriösen Praktiken gehört, war davon ausgegangen, dass es sich um Betrüger handelt, und gar nicht auf das Angebot eingegangen.

Weitere Fälle sind dem Ordnungsamt der Gemeinde Simmerath aus der jüngsten Vergangenheit nicht bekannt. Einen weiteren Fall soll es nach Informationen des Ordnungsamtes der Stadt Monschau aber vor einigen Wochen in Konzen gegeben haben. Auch beim Ordnungsamt der Gemeinde Roetgen kennt man die Masche. „Das kommt immer wieder mal vor“, sagt Dirk Scheins. In diesem Jahr sei ihm aber noch nichts zu Ohren gekommen.

Diesen „Handwerkern“ sei nur schwer beizukommen, sagt der Leiter des Ordnungsamtes der Gemeinde Simmerath, Bruno Wilden. In der Regel hätten sie ein Gewerbe angemeldet, und der Schaden sei später nur schwer nachzuweisen. Das bestätigt auch die Aachener Polizei.

Oftmals handele es sich um „irische Wanderarbeiter“. Das Problem sei die rechtliche Einordnung. Schließlich würde eine Leistung erbracht, die sei aber in der Regel minderwertig. „Deshalb Finger weg, das lohnt sich nicht.“ Lieber solle man eine Firma aus dem Ort beauftragen oder bei der Handwerkskammer nach einem seriösen Unternehmen fragen, sagt Polizeisprecherin Sandra Schmitz.

Misstrauisch sollte man werden, wenn Arbeiter ungebeten vor der Tür stehen und ihre Dienste anbieten. „Der normale Handwerker klingelt nicht an der Tür, um nach Aufträgen zu fragen“, sagt Schmitz.

„Sollte eine Firma in der Gemeinde solche Angebote machen, empfiehlt es sich, zeitnah das Ordnungsamt oder die Polizei zu verständigen. Wir würden das dann gerne überprüfen“, sagt Wilden. „Auch wir sind daran sehr interessiert“, sagt Schmitz. „Umso besser können wir sie im Blick behalten.“

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