Monschau: „Du bist meine Mutter“: Demenz und Pflegebedürftigkeit im Theater

Monschau : „Du bist meine Mutter“: Demenz und Pflegebedürftigkeit im Theater

„Du bist meine Mutter“ heißt das Theaterstück von Joop Admiraal, das am Sonntag in der Aula des St. Michael-Gymnasiums aufgeführt wurde. Für das außergewöhnliche Stück und die grandiose Schauspielerin Gisela Nohl gab es langen und starken Applaus.

Bei herrlichem Sommerwetter durfte man um 18 Uhr kein volles Haus erwarten; das war Dr. Ulrich Albert klar. Als Vertreter des Lionsclubs Monschau erläuterte er, dass die Alzheimergesellschaft der Städteregion Aachen und die „Aktion Demenz Simmerath“ diesen außergewöhnlichen Theaterabend präsentieren. Ermöglicht wurde dies durch ein im vergangenen Jahr durchgeführtes Benefiz-Konzert des Lionsclubs Monschau.

„Sie sehen einen glücklichen Mann“, so begrüßte Dr. Albert die Zuschauer, denn zu seiner großen Freude waren doch viele Plätze in der Aula besetzt. Zu Gast war das „D.a.S.-Theater“ aus Köln, die Abkürzung steht für „Die andere Sicht“, erklärte der Theaterleiter, Klaus Roth. Er sei ein großer Fan von Monschau und freue sich sehr, hier zu sein.

Auf der Bühne sah man zwischen einem Schreibtisch und einem Bett eine Garderobe mit einigen Kleidungsstücken und Schuhen. Mit diesen spärlichen Requisiten kommt der Regisseur, Bernd Rieser, aus. Die Überraschung: Wie Gisela Nohl in beide Rollen schlüpft, wie sie die Tochter und die demenzkranke Mutter spielt, das verblüffte die Zuschauer und hielt sie für 90 Minuten in Atem. In Rückblenden erfährt man, dass die Beziehung zwischen Mutter und Tochter nicht die allerbeste war; eine resolute Mutter hat wohl die Unabhängigkeitsbestrebungen der Tochter zu unterdrücken versucht.

Raffiniertes Doppelspiel

Von dem Augenblick an, als die Beiden sich im Pflegeheim begegnen, wird das raffinierte Doppelspiel perfektioniert; mit wechselnder Kleidung und ihrer äußerst wandelbaren Stimme stellt Gisela Nohl beide Frauen dar: Mit zitternden Händen und unsicheren Beinen die alte, mit frischer Stimme und munteren Aufforderungen die jüngere. Immer mehr treten in den Dialogen die Distanz und das Unvermögen auf beiden Seiten zutage — menschlich verständlich und trotzdem traurig.

Während die Mutter oft ihre Erinnerungen wiederholt, über Schmerzen, ihre mangelnde Beweglichkeit und das Zittern klagt, versucht die Tochter, sie mit Schokoladenpudding abzulenken. Deutlich wird ihre Ungeduld spürbar — und die Einsamkeit und Verlorenheit der Mutter, die sich zurückversetzen will in eine Zeit, als sie Wärme und körperliche Nähe fühlte, als sie ihre Säuglinge stillte.

Dass die Mutter sich bei ihrem Hinfallen „nur das Hüftbein“ gebrochen hat, ist für die Tochter „eine Enttäuschung“. Sie wird sich also weiter kümmern müssen um die alte Frau, die nun noch hinfälliger und desorientierter ist. Und sie packt beim Schlussbild wieder Schokoladenpudding ein.

Gisela Nohl durfte den lang anhaltenden Beifall genießen; die Zuschauer spendeten beim Hinausgehen für die Alzheimer Gesellschaft, und rege Diskussionen entstanden. „Typisch, dass kaum Männer zu der Aufführung gekommen sind“, meinten einige. Wie schwierig es sei und dass man sich Informationen und Hilfe holen müsse, wenn man sich mit Demenzkranken befassen will, darüber waren sich viele einig.

(ale)
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