Vorbereitete Maßnahmen: Drei-Stufen-Plan, falls Schweinepest ausbricht

Vorbereitete Maßnahmen : Drei-Stufen-Plan, falls Schweinepest ausbricht

In der Grenzregion wächst die Sorge vor der Afrikanischen Schweinepest (ASP), nachdem das Virus im südlichen Belgien Mitte September bei toten Wildschweinen festgestellt wurde. Für den Mensch ist die Virusinfektion zwar nicht gefährlich, aber sie könnte gravierende wirtschaftliche Folgen haben — auch in der Eifel, die durch die grenzüberschreitenden Waldgebiete besonders gefährdet ist.

Zwar spielt die Schweinehaltung hier keine große Rolle, aber wo die Seuche auftritt, muss mit der Sperrung von großen Flächen gerechnet werden. Das hätte dann entsprechende Auswirkungen auf die Land- und Forstwirtschaft sowie auf den Tourismus.

Das sieht auch der Vorsitzende der Kreisbauernschaft, Wilfried Jansen aus Lammersdorf, so. „Die Sache ist nicht zu unterschätzen. Es gilt, größte Vorsicht walten zu lassen. Wichtig ist, grenzüberschreitende Maßnahmen mit den Behörden und der Jägerschaft abzustimmen, da ein Betretungsverbot droht, was wirtschaftliche Folgen für die Landwirtschaft und den Tourismus hätte“, sagt er.

NRW-Landwirtschaftsministerin Ursula Heinen-Esser (CDU) warnte nach den Funden in Belgien vor einer akuten Gefahr und sprach von einer verschärften Bedrohungslage. Sie erklärte, die Landesregierung habe eine Task Force für die Grenzregion gegründet, die dafür sorgen soll, dass Land und Kommunen sich eng miteinander abstimmen. Außerdem rief sie die Jäger in der Grenzregion auf, verstärkt Wildschweine zu schießen.

Der Vorsitzende der Kreisbauernschaft hatte schon im vergangenen Jahr den verstärkten Abschuss von Wildschweinen gefordert — auch vor dem Hintergrund der Afrikanischen Schweinepest und „den extrem zunehmenden Wildschäden auf Äckern und Grünflächen“.

„Zweischneidiges Schwert“

Aus Sicht der Jäger sei die Afrikanische Schweinepest ein zweischneidiges Schwert, sagt Karl-Heinz Kuckelkorn aus Lammersdorf als Jagdberater der Städteregion Aachen. Die Zahl der Wildschweine sei in den vergangenen Jahren regelrecht explodiert, und die Tiere würden für erhebliche Schäden in der Landwirtschaft sorgen, für die die Jagdpächter haften müssen. Daher seien die Jäger sehr bemüht, die Bestände zu reduzieren. Einerseits käme die Seuche diesem Bestreben entgegen, andererseits gehe aber wertvolles Wildbret verloren, das nicht mehr genutzt werden könne, sagt Kuckelkorn.

Die Veterinärämter in NRW bereiten sich nun auf die Seuche vor. Koordiniert werden die Maßnahmen durch das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV). Für den Bereich der Nordeifel ist das Veterinäramt der Städteregion zuständig. Auf Nachfrage bei der Städteregion erklärt Pressesprecher Holger Benend wie diese Maßnahmen aussehen würden.

Demnach ist ein Drei-Stufen-Plan vorgesehen, wenn es einen bestätigten Fall in NRW geben sollte. Als erstes würde rund um den Fundort ein Jagd- und Betretungsverbot ausgesprochen, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern. Außerdem werde dann versucht, das betroffene Gebiet einzuzäunen. In einem weiteren Schritt stehe der Abschuss des Schwarzwildes auf dem Plan. Anschließend würde das betroffene Gebiet nach Kadavern abgesucht. „Wichtig ist, dass das Schwarzwild nicht aus dem betroffenen Bereich gelangen kann“, erklärt Benend.

Zusätzlich werde das Land Hinweisschilder mit Verhaltensmaßnahmen an den Wanderparkplätzen aufstellen und Merkblätter für Wanderer und Pilzsucher herausgeben. Schließlich trage unvorsichtiges Verhalten zur Verbreitung der Seuche bei. Deshalb gelte es, über mögliche Verbreitungsarten der Krankheit aufzuklären (s. Box). Wichtig sei auch, den Fund von toten Wildschweinen direkt zu melden. Dafür habe das LANUV unter Tel. 0201/714488 ein Bereitschaftstelefon eingerichtet. „Wenn jemand einen Kadaver finden sollte, bitte sofort anrufen. Und ganz wichtig: Nichts anfassen!“, betont Benend.

Die Jäger seien zwar sensibilisiert und aufgefordert, gefundene Kadaver zu melden. Da sie aber nicht in jeder Ecke des Waldes unterwegs seien, wende man sich auch an die Wanderer und Pilzsucher, erklärt Benend. „Wir versuchen, uns möglichst gut vorzubereiten“, sagt er.

(ag)