Dreharbeiten in Rurberg für Film "Postings"

Dreharbeiten in Rurberg : Die letzte Klappe zu Film-Drama „Postings“ fällt am Rursee

Für die Aachener Regisseurin Lina Victoria Schmeink ist der Film die Masterabschlussarbeit. Im Mittelpunkt steht das Thema „Social Media vs. Realität“.

Für die Aachenerin (aus Schmithof) Lina Victoria Schmeink (25) ist die Kaiserstadt für die Dreharbeiten zu ihrem neuen Spielfilm-Drama „Postings“ wunderschön. Gleiches gilt auch für die Eifel, wo in Rurberg eine für den Film entscheidende Szene, die dramatisch am Wasser unter Einbeziehung des herrlichen Panoramas auf dem Gelände des Ford-Segel-Clubs spielt, am vergangenen Freitag gedreht wurde. Mit dem 25. Drehtag fiel die letzte Klappe, nun ist alles im Kasten. Natürlich waren auch Schaulustige und vorbeikommenden Touristen vor Ort, die den Arbeiten des Filmteams beiwohnten.

Der Film „Postings“ ist für Lina Victoria Schmeink die Masterabschlussarbeit, und auch ein ganz besonderes Projekt. Sie hofft sehnlichst, dass der 90-minütige Streifen es vielleicht sogar in die Kinos schafft. 2020 wird der Film in Aachen als Master-Abschlussprüfung eine private Premiere haben. Anschließend dürfte er auf diversen Filmfestivals zu sehen sein. „Hoffentlich auch in den Kinos“, wünscht Schmeink sich.

Unsere Zeitung verrät die junge Filmregisseurin, wie sie auf den „Filmgeschmack“ gekommen ist: „Wenn ich als Kind Bücher schmökerte, hatte ich stets den Film dazu schon im Kopf und dachte, das muss ich auch mal ausprobieren.“ Ein Reiz, der sie nie so richtig losließ, denn der Film verbinde so viele Kunstformen: Bild, Schauspiel, Musik Sprachkunst beziehungsweise Lyrik, Schnittmontage, wie kein anderes Medium, sagt sie. „Das ist schon faszinierend. Und das Teamwork ist einmalig.“ Für Schmeink kämpfen alle mit Herzblut für die gemeinsame Sache, wachsen zusammen.

Die junge, sympathische Dame hat schon einiges vorzuweisen, bereits 2014 gab es von ihr den Kurzfilm „Ihr Blick“, der von einer menschenfressenden Schaufensterpuppe handelt. Nicht genug: 2016 folgte „Löffel“ (20 Minuten), darin geht es um zwei Männer, die aus dem Altenheim ausbrechen, um einem Esel das Leben zu retten.

Pianist Günther plant seinen Tod, er will einfach nicht mehr, sondern sich mit Tabletten umbringen. Er hat aber die Rechnung ohne Heinz gemacht, der nimmt Günther das Zeugs einfach weg, verfolgt ein ganz anderes Ziel: Die Rettung eines Esels. „Löffel“ ist auf dem Bauernhof von Heinz zurückgeblieben, jetzt soll der Abdecker kommen. Günther ist Heinz behilflich, den geliebten Esel zu retten.

Aktuell ist Lina Victoria Schmeink und das Team mit „Postings“ beschäftigt. Der Streifen hat viele verschiedene Handlungsstränge, und jeder Strang sein eigenes Setting, zum Beispiel Wasser und Segelboot, Taxi/Last Races und Krankenhaus.

Das Besondere an diesem 90-Minutenfilm, das verrät Lina Victoria Schmeink uns in Rurberg, sei der erste Film mit einer Influencerin als Hauptrolle. Viele Schauspieler aus Deutschland wären sofort bereit gewesen, auf Anfrage mitzuwirken, so unter anderem Iris Nussbaum, Tina Seydel, Nic Romm, Anthony Arndt, Tom Gerhardt. Um die Regisseurin scharen sich etwa 20 bis 25 Personen, opfern ihre Zeit, denn es gibt weder Gage noch Geld, „arbeiten alle für lau“, so Schmeink dazu. Sie schätzt ganz besonders, dass alle mittlerweile gute Freunde geworden sind.

Warum dieses Thema? Was verspricht der Inhalt? „Social Media vs. Realität“, lacht die Aachenerin. „Was ist wirklich wichtig? Was gaukelt Instragram uns vor? Wie beeinflussen uns die sozialen Medien?“ Alles das werde in dem Film zum Ausdruck gebracht. Schmeink bringt den Inhalt näher: Isa, 25 (Iris Nussbaum), ist Influencerin, steht für Fitness, Lifestyle, natürliche Ernährung und für nackte Haut. Dann verliert sie ihre Follower, ihren Job, ihr Geld und auch noch die Wohnung. Sie findet eine neue Bleibe bei ihrer Hipster-Schwester Rita. Ihr hiflt sie, deren Blog wieder aufzubauen.

Beim morgendlichen Joggen bekommt sie zufällig den Selbstmordversuch von Ester, 26 (Sophie Killer) mit. Isa schafft es, die an den Rollstuhl gefesselte junge Dame zu retten. Jetzt brennt sie darauf, deren Vorgeschichte herauszufinden. Wie kam es zu dem Suizidversuch? Was steckt dahinter? Sie bringt in Erfahrung, dass Esther einen Autounfall hatte, der Fahrer ist flüchtig. Sie findet den Unfallfahrer: den Chirurgen Ernst Sassen, der saß betrunken am Steuer.

Dann trifft der Arzt sein „eigenes Opfer“ in der Notaufnahme wieder. Isa ist im Dilemma, denn Esthers Schicksal eignet sich perfekt für einen Karriereneustart. Aber, sie begreift sowohl durch Rika und Esther, als auch durch Noah, dass der nicht der Loser ist, für den Isa ihn hält. Was im Leben zählt, ist nicht die Followerzahl auf Instagram.

Ein „Aachener Kind“

Warum haben Sie sich den Rursee als Drehort auserkoren? Klare Antwort: Der See, die Eifel wurden gewählt, da die Motive genau den Vorstellungen der Drehbuchautorin entsprechen. „Und weil Autorin und Regisseurin ein Aachener Kind ist“, sagt Vater Dr. Thomas Schmeink stolz. Überhaupt, die bisherigen Filme seiner Tochter spielten weitgehend „heimatnah.“ Trotzdem sei der neue Lang-Film überregional angelegt, es haben Drehs in Köln, Düsseldorf, Witten, in Aachens City und im Aachener Marien-Hospital stattgefunden.

Lina Victoria Schmeink dreht diesen Film im Rahmen der Master-Abschlussarbeit Medien an der Folkwang-Uni Essen. Bevor sie Professional Media Creation in Essen und SAE in Bochum studierte, habe sie ein Semester Medienmanagement studiert. Dann gesteht sie: „Dass es überhaupt so etwas wie Influencer gibt, habe ich vorher nicht einmal gewusst.“ Daher ist es für sie und für alle eine besondere Herausforderung, mit der sie gar nicht groß gerechnet habe. Zwischenzeitlich seien ihr sogar die Gedanken gekommen, das alles wäre in vier Semestern gar nicht zu schaffen. Das gesamte Team habe sie ermutigt, „das Ding durchzuziehen.“ Das Positive an der Sache: „Es ist einfach schön zu sehen, wie die Geschichte auf einmal wahr wird.

Was passiert unten am Rursee-Wasser? Es ist der Handlungsstrang von Esther und Manuel. Beide träumen von einer Weltumseglung, wäre da nicht dieser Unfall gewesen. Daher ist der Streifen „Postings“ alles andere als ein Amateurfilm, er ist für Lina Victoria Schmeink eine riesige Herausforderung, denn teilweise wird eine Szene in bis zu zehn verschiedenen Einstellungen gedreht. Täglich produziert man zwischen zweieinhalb und drei Stunden Material. Das Areal des Ford-Segelclubs, der Drehort, war sofort belebt, viele Einheimische und Touristen wollten sich dieses nicht alltägliche Bild entgehen lassen. Selbst mit einer Drohne wurden Szenen gefilmt, die beiden Produktionsleiterinnen Gerlind Amos („Gehen Sie bitte ein Stück zur Seite, sonst sind Sie mit in dem Film“) und Bianca Beer sind ständig in Kontakt, geben Anweisungen. In der Luft die kreisende Drohne.

25 Drehtage

Regisseurin Lina Victoria führt Gespräche mit den Darstellern und Darstellerinnen. Der Rollstuhl kommt zum Einsatz, auf den Stegen herrscht reges Leben. „Das ist heute unser letzter Drehtag“, sagt Bianca Beer, alles sei nun soweit im Kasten. Schmeink bestätigt uns, in den 25 Drehtagen sei alles problemlos gelaufen. „Ich bin sehr zufrieden, alle haben ihr Bestes gegeben.“ Bürgernähe wurde in Rurberg spürbar.

Ein dickes Lob zollt Lina Victoria Schmeink den Anwohnern, die dem gesamten Team Hilfe angedeihen ließen. Sei es Drehgenehmigungen zu erteilen, Kontakte zu schaffen, Stromkabel zu verlegen. „Die segeln für uns sogar und stellen uns ihr Boot zur Verfügung“, sagt sie dankend. Das sei einfach unglaublich und toll. „Postings“ ist noch nicht einmal abgedreht, das weiß die junge Regisseurin bereits, was in ihrem Kopf geistert: „Direkt das nächste Filmprojekt!“ Doch erst einmal muss ein Verleiher gefunden werden, der den Film in die Kinos bringt.

(der)
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