Monschau: Dörfliche Vergangenheit trifft auf Gegenwart

Monschau : Dörfliche Vergangenheit trifft auf Gegenwart

Wie sahen die Häuser vor rund 70 Jahren in Kalterherberg, Höfen und Rohren aus? Viele Menschen haben die Bilder noch vor Augen, aber deutlich wird der Wandel in den Dörfern nur im direkten Vergleich mit den heutigen Ansichten.

„Von Häusern und Menschen - Höfen, Kalterherberg Rohren vor 1945 und heute. Walter Scheiblers Fotos und der Lauf der Zeit“, lautet der Titel einer Sonderausstellung, die noch bis zum 5. November im Haus der Stadtgeschichte in Monschau, Holzmarkt 5, zu sehen ist.

Dass diese Ausstellung überhaupt möglich wurde, ist dem fotografischen Schaffen von Walter Scheibler (1880 bis 1965) zu verdanken, der als Unternehmer, Kommunalpolitiker und Heimatkundler eng seiner Heimat verbunden war. Scheiblers Fotosammlung enthält rund 800 Bilder aus 50 Dörfern und kleineren Anwesen des Monschauer Landes. Die Sammlung war Bestandteil der ehemaligen Kreisbildstelle Monschau. Seit 2012 befinden sich die Aufnahmen zu treuen Händen als Dauerleihgabe im Stadtarchiv Monschau.

Rund 50 dieser Aufnahmen wurden für die Ausstellung ausgewählt, denen Ansichten aus heutigen Zeit, meist aus dem gleichen Blickwinkel gesehen, gegenübergestellt werden. Weitere Motive, die keinen Platz in der Ausstellung fanden, sind in einer Lichtbilderschau zu sehen.

Gut 40 Gäste wohnten der Ausstellungseröffnung bei. Zahlreich vertreten waren die Aktivposten der Heimatvereine aus Kalterherberg, Höfen und Rohren, die akribische Arbeit vor Ort leisteten und mit dem Geschichtsverein des Monschauer Landes sowie dem Stadtarchiv die eindrucksvolle Dokumentation konzipiert hatten.

„Jeder interessiert sich dafür wie es früher war, aber das hat nicht nur etwas mit Nostalgie zu tun, sondern bietet auch eine Erklärung dafür wie die Dörfer sich heute darstellen“, meinte Monschaus Bürgermeisterin Margareta Ritter bei der Ausstellungseröffnung.

Keine Wertung vornehmen

Stadtarchivar Dr. Bernd Läufer lud die Besucher der Ausstellung zu einer Zeitreise durch Höfen, Kal-terherberg und Rohren ein. Bei der Ausstellung gehe es nicht allein um die Häuser, sondern auch die Menschen, die darin lebten. Der Vergleich der alten und Aufnahmen mache die Veränderungen deutlich, vom Abriss bis zum Erhalt alter Bausubstanz. Die Bilder würden mit Sicherheit „unterschiedliche Gefühle auslösen“, aber die Ausstellung wolle keine Wertung vornehmen sondern dokumentarisch den Wandel der Zeit aufzeigen, „und möglicherweise trifft der Betrachter auch auf seine eigene Vergangenheit“.

Abgerundet wurde die Ausstellungseröffnung, der auch der stellvertretende Städteregionsrat Hans-Josef Hilsenbeck beiwohnte, durch einen ebenso kurzweiligen wie lehrreichen Vortrag von Dr. Toni Offermann vom Geschichtsverein des Monschauer Landes zum Thema „Der Kampf ums Strohdach im Monschauer Land“. Der Geschichte des Strohdaches in der Region ist zudem eine kleine Sonderschau im Rahmen der laufenden Ausstellung gewidmet.

So erfuhren die aufmerksam lauschenden Zuhörer, dass die oft als Krönung ländlicher Idylle betrachteten strohgedeckten Häuser auch große Ablehnung durch Behörden und Versicherungen wegen der Feuergefährlichkeit des verwendeten Roggenstrohs erfuhren. Für die ländliche Bevölkerung war das Strohdach naheliegend, weil es preiswert und selbst herzurichten war, abgesehen von seinen klimatischen Vorteilen. Andererseits war das erhöhte Brandrisiko ein entscheidender Faktor für die Tarifgestaltung der Feuerversicherungen. Anschaulich erläuterte Offermann an vielen Beispielen, wie die Hausbesitzer mit den Behörden zähe Kleinkriege führten, die sich vor allem darum drehten wie man behördliche Auflagen raffiniert umgehen kann. Auch die mangelnde Organisation der Feuerwehren war dem Strohdach nicht gerade förderlich.

Während der Nazizeit erfuhr das Strohdach zwar noch einmal eine Idealisierung als prägendes Symbol des Landlebens, aber mit dem Strukturwandel in der Landwirtschaft und dem damit verbundenen Wegfall des Roggenstrohs wurde auch das Verschwinden des Strohdaches eingeleitet.

(P. St.)
Mehr von Aachener Nachrichten