Diskussionen um Erweiterung des Seniorenzentrums in Roetgen

Erhitzte Gemüter : Erweiterung des Seniorenzentrums sorgt in Roetgen weiter für Diskussionen

Die Gemüter sind erhitzt. Die Erweiterung des Seniorenzentrums Roetgen sorgt weiter für heftige Diskussionen bei der Gemeinde. Grund dafür ist allerdings nicht das Bauvorhaben an sich, sondern die mangelnde Vorbereitung der Entwürfe.

Die seit 2016 geplante Erweiterung des Seniorenheims an der Jennepeterstraße war jetzt wieder Thema im Bauausschuss der Gemeinde. Weil das Seniorenzentrum an der Bundesstraße Ende 2017 geschlossen worden war und dadurch 40 Wohnplätze für Senioren weggefallen waren, soll das bestehende Seniorenwohnheim seit längerer Zeit erweitert werden.

Die aktuelle Planung, die jetzt im Bauausschuss von der Beratungsgesellschaft für kommunale Infrastruktur (BKI) vorgestellt wurde, sieht vor, einen Anbau und zwei separate Wohngebäude zu errichten. Während es im jetzigen Wohnheim 62 Pflegeplätze gibt, sollen laut Unterlagen mit dem Anbau 36 Pflegeplätze und 13 Tagespflegeplätze hinzukommen. „Unter dem Dach sollen außerdem noch zwölf Plätze in Form einer Wohngruppe dazukommen“, erläuterte Christoph Kösters, Geschäftsführer der Itertalklinik. In den beiden Wohngebäuden würden zusätzlich insgesamt 47 Einheiten für betreutes Wohnen geschaffen.

Eigentümer des Grundstücks, des bestehenden Altenheims und der geplanten Erweiterung ist die Immac Sozialbau GmbH – und damit auch Investor. Betrieben wird das Seniorenheim von der Itertalklinik.

Auf der Tagesordnung des Bauausschusses standen sowohl die Änderung des Flächennutzungsplans als auch der Bebauungsplan. Die Idee, in der Gemeinde mehr Wohnraum für Senioren zu schaffen, stieß bei den Fraktionsmitgliedern und auch bei der Verwaltung nach wie vor auf große Zustimmung. Trotzdem kam es zu heftigen Diskussionen. Grund dafür: „Wir sind seit drei Jahren nicht wirklich weiter gekommen“, sagte Silvia Bourceau (UWG). Denn die vorliegenden Unterlagen und Entwürfe seien mangelhaft. „Es geht hier um fehlende oder falsche Zahlen und Rechtschreibfehler. Aus unserer Sicht ist dieser Entwurf nicht abstimmungsfähig“, sagte sie.

Auch Roetgens Bürgermeister Jorma Klauss (SPD) ärgerte sich über die mangelnde Vorbereitung der Unterlagen, die dem Bauausschuss vom BKI vorgestellt wurden. In den vergangenen Jahren sei viel über die Erweiterung diskutiert worden. Klauss merkte an, dass es 2016 große Pläne seitens des Investors gegeben hätte. Bei den Entwürfen habe sich dann immer wieder etwas geändert. Seit Anfang des Jahres gehe es nun weiter.

Dennoch enthielten die Entwürfe besagte Ungereimtheiten, Fehler und teilweise abweichende Angaben. Für Klaus Onasch (SPD) hätten diese Fehler allerdings keine Auswirkungen auf die gesamte Planung: „Wir sehen doch, worauf es hinausläuft. Ob es jetzt an der einen Stelle zwölf oder 13 Wohnplätze geben wird, ändert nichts an der Sache an sich.“

Ein weiterer Kritikpunkt, der von den Fraktionsmitgliedern angesprochen wurde: Plötzlich soll es laut Kösters auch Eigentumswohnungen für hilfsbedürftige Menschen und Senioren innerhalb der Erweiterung geben. „Davon wussten wir bislang nichts“, sagte Gudrun Meßing (Bündnis 90/Die Grünen). Auch Stephan Speitkamp (CDU) merkte dazu an, „dass es gewährleistet werden sollte, dass dort auch wirklich nur hilfsbedürftige Menschen oder Senioren einziehen“. Theoretisch könne dort jeder einziehen, denn die Gemeinde habe kein Mitspracherecht.

Vorgestellt wurden im Bauausschuss indes auch diverse Gutachten, die mit Blick auf die Erweiterung des Seniorenzentrums erstellt worden sind. Demnach könne der Vogelschuss der Schützen auf der benachbarten Anlage weiterhin stattfinden. Was den Schallschutz betrifft, „sollen die südlichen Parkplätze an der Jennepeterstraße zwischen 22 Uhr und 6 Uhr nicht befahren werden dürfen“, stellte Silke Brandt von der BKI vor. Und was ein durch das Seniorenheim erhöhtes Verkehrsaufkommen betreffe, würden die umliegenden Straßen diesen gut aufnehmen können. Zumal dieses Verkehrsaufkommen nur minimal höher wäre.

Auch über die Eingaben der Bürger stimmten die Fraktionsmitglieder ab. Die Bedenken wurden entweder zur Kenntnis genommen oder sie wurden teilweise mehrheitlich vom Ausschuss abgelehnt. Angenommen wurde die Stellungnahme eines Bürgers – nämlich zusätzliche Parkplätze zu schaffen. Ebenso wurde der Errichtung eines Mehrgenerationenplatzes entsprochen. Wenngleich die räumliche Verortung bei einigen Fraktionsmitgliedern auf Widerstand stieß, „da der Platz an der geplanten Stelle abgeschottet ist und wenig Sinn macht“, sagte Bourceau.

Sowohl was die Änderung des Flächennutzungsplanes als auch den vorhabenbezogenen Bebauungsplan angeht, gab es am Ende eine knappe Mehrheit im Bauausschuss darüber, die Entwürfe dem Gemeinderat zum Beschluss zu übergeben. Bleibt abzuwarten, ob die Diskussionen in der kommenden Sitzung des Gemeinderats am 2. Juli wieder ausarten oder ob die BKI bis dahin ihre Hausaufgaben gemacht hat.

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