Dieter Käfer aus Eicherscheid spielt seit über 50 Jahren St. Martin

Seit über 50 Jahren ist er Sankt Martin : „Wenn die Augen der Kinder leuchten, ist das mein größter Lohn“

Seit über 50 Jahren holt Dieter Käfer aus Eicherscheid im November den roten Umhang und den goldenen Helm hervor und verwandelt sich in St. Martin. Unser Redakteur Andreas Gabbert hat mit ihm über seine Erlebnisse gesprochen.

Wie oft sind Sie inzwischen schon in diese Rolle geschlüpft?

Käfer: Das weiß ich gar nicht so genau. Es müssen unzählige Male sein. An das erste Mal kann ich mich aber noch gut erinnern.

Wann war das?

Käfer: In diesem Jahr bin ich zum 51. Mal in Imgenbroich als St. Martin unterwegs. Das ist also mehr als 50 Jahre her. In den Jahren zuvor bin ich selbst noch mit der Fackel durch den Ort gezogen. Plötzlich stand ich selbst im Mittelpunkt und ritt ich als St. Martin hoch zu Ross durch die Straßen.

Wie war es dazu gekommen?

Käfer: In meiner Kindheit war es noch üblich, Arbeitspferde für den Martinszug zu nutzen. Als dann auch in Imgenbroich die letzten Arbeitspferde durch Maschinen ersetzt wurden, kam Franz Neuß von der Freiwilligen Feuerwehr auf mich zu und hat mich gefragt, ob ich die Rolle übernehmen will. Da lässt man keinen hängen. Aber in meinem damaligen Alter hat mir die Größe der Aufgabe schon Respekt eingeflößt. Ich war sehr aufgeregt.

Ist das heute auch noch so?

Käfer: Inzwischen bin ich 66 Jahre alt und betrachte das Geschehen eher ruhig und entspannt.

Was war denn früher anders?

Käfer: Damals musste ich mir noch einen Bart ankleben. Den Martin gab es nur im Dunkeln auf dem Pferd zu sehen. Damals durfte der St. Martin auch nicht sagen, was er wollte, stattdessen gab es strenge Vorgaben. Wenn St. Martin dann aber etwas sagte, war es plötzlich mäuschenstill in der Kirche. Das war schon eine eigenartige Stimmung. Früher wurde auch lauter gesungen. Da lief man als Siebt- oder Achtklässler noch mit der Fackel rum. Heute ist der Zauber ab dem zweiten Schuljahr verflogen. Früher wurden die älteren Schüler freigestellt, um sich um das Martinsfeuer zu kümmern, in dem auch Autoreifen und einiges andere Dinge mehr verbrannt wurden. Heute käme niemand mehr auf so eine Idee.

Das Martinsfest hat sich also im Laufe der Jahre verändert?

Käfer: Es gibt immer wieder neue Ideen, wie das Fest gestaltet werden kann – die kommen und gehen. Einmal habe ich selbst für eine Änderung gesorgt. In Eicherscheid war es früher Tradition, dass St. Martin als Bischof auftrat. In dem Kostüm war es aber gar nicht so einfach zu reiten. Das habe ich direkt geändert. Anfangs war das komisch, heute kennen die Leute es schon gar nicht mehr anders.

Sie meinen damit, dass Sie als römischer Soldat auftreten oder?

Käfer: Ja genau. Die Uniform habe ich so übernommen. Die Imgenbroicher Feuerwehr hatte damals Beziehungen zu einem Theaterverein und so die Ausrüstung organisiert. Sie hat mich durch all die Jahre begleitet. Langsam müsste der Mantel aber mal ersetzt werden.

Sie sind aber nicht nur in Imgenbroich der St. Martin. Wo noch?

Käfer: In Eicherscheid mache ich das auch schon seit circa 35 Jahren, in Dedenborn seit etwa 20 Jahren, seit fünf bis sechs Jahren in Einruhr und seit drei Jahren auch in Hammer. In Paustenbach war ich auch schon oft dabei, da führe ich aber nur das Pferd.

Unterscheidet sich die Gestaltung des Festes von Ort zu Ort?

Käfer: Jeder Ort hat seinen eigenen Reiz und sein eigenes Drehbuch, das nur dorthin passt. In Paustenbach ist zum Beispiel das ganze Dorf eingebunden. Dort will jeder seinen Beitrag leisten. Wenn dann der Zug durch den Ort zieht, ist nahezu jedes Haus liebevoll dekoriert. Das schafft eine ganz besondere Atmosphäre.

Das Fest lebt also auch vom Engagement der Leute in den Orten.

Käfer: Absolut! Daran sind viele Leute beteiligt, die meist im Hintergrund stehen, ohne die das Ganze aber unmöglich wäre. In Hammer leben ja nicht so viele Kinder, trotzdem haben es die Leute dort geschafft, einen Zug auf die Beine zu stellen, der viele Menschen anzieht, die sich mit dem Dorf verbunden fühlen. Da sieht man auch Gäste des Campingplatzes, oder Leute, die früher in dem Ort gewohnt haben.

Das Fest findet also immer noch großen Anklang?

Käfer: Ja! Das sieht man auch an den Spenden, die jedes Jahr zusammenkommen. Die Unterstützung ist nach wie vor hoch. Das begeistert mich.

Wie kommen die Pferde denn mit dem Trubel klar?

Käfer: Viele Pferde sind überfordert, wenn es raus und unter Leute geht. Es gibt welche, da sitzt man ganz in Ruhe drauf, aber auch welche, die die Musik unruhig macht. Auch Silvesterknaller, die gerne mal von Jugendlichen gezündet werden, tragen nicht eben zur Beruhigung des Pferdes dabei. Man muss halt auf alles gefasst sein. Deshalb müssen Pferd und Reiter einander vertrauen und eine Einheit bilden. Ein Auto kann man jedem in die Hand drücken, ein Pferd nicht. Im Zug brauche ich einen Ansprechpartner, der alles koordiniert. Das übernimmt meine Frau. Ohne sie wäre das fast unmöglich.

Ich erinnere mich daran, dass Sie als St. Martin auch lange Zeit eine Sonnenbrille getragen haben.

Käfer: Die habe ich getragen, um nicht von den Kindern erkannt zu werden. Früher war der Martin unnahbar. Der Abstand ist mit den Jahren aber immer geringer worden. Heute haben die Kinder viele Fragen an mich.

Was sind das für Fragen?

Käfer: Warum hast Du eine Bürste auf dem Helm? Warum ist der Mantel rot? Wie heißt das Pferd? Da muss man eine Antwort parat haben, um nicht auf dem falschen Fuß erwischt zu werden.

Ist das nicht auch der Charme an der Sache?

Käfer: Doch natürlich! Im Vordergrund stehen die vielen schönen Erlebnisse mit den Kindern. Manchmal bekomme ich auch ein selbst gemaltes Bild oder einen Schnuller geschenkt. Das bleibt im Kopf. Wenn die Augen der Kinder leuchten, ist das mein größter Lohn.

Reagieren alle Kinder so positiv auf St. Martin?

Käfer: Manche sind auch ängstlich. Wenn ich mit ihnen spreche, tauen sie aber meistens auf. Man weiß ja nicht, was ihnen zu Hause erzählt wird. Vor dem Nikolaus wurde ja auch Angst verbreitet. Sowas ist aber natürlich Unsinn, eigentlich sollte das Positive im Vordergrund stehen.

An was erinnern Sie sich besonders gut?

Käfer: An die Erlebnisse mit meinen eigenen Kindern. Nach dem Umzug erzählten sie oft, was St. Martin getan und gesagt hatte. Wenn die damals gewusst hätten, wer unter der Verkleidung steckt!

Ist die Verkleidung mal aufgeflogen?

Käfer: Naja, manchmal sprechen mich Erwachsene während des Zuges mit meinem echten Namen an. Dann muss ich denen eben sagen, dass ich Martin und nicht Dieter heiße.

Ist es ein Ehre St. Martin sein zu dürfen?

Käfer: Ich bin schon ein wenig stolz darauf, diese Rolle schon so lange ausüben zu dürfen. Das ist ein tolles Erlebnis, und es ist schön, den Kindern die Geschichte vom Teilen mit auf den Weg zu geben. Wenn man das Licht einer Kerze teilt, wird es ja nicht weniger, sondern mehr.

Wann haben sie in diesem Jahr ihren ersten Auftritt?

Käfer: Am 2. November in Hammer. Den letzten habe ich dann am 11. November in Imgenbroich. Danach steht nur noch ein inoffizieller Auftritt an.

Und wie geht es danach weiter? Wie lange wollen Sie die Rolle noch übernehmen?

Käfer: Das liegt daran, wie es sich bei mir gesundheitlich entwickelt. Ich würde das schon noch gerne machen bis ich 70 bin.