Eupen/Nordeifel: Die Vennbahn verschwindet peu à peu

Eupen/Nordeifel : Die Vennbahn verschwindet peu à peu

Die Vennbahn ist tot! Es lebe Ravel! Auf diese einfache Formel lässt sich der Sachstand bringen, der das Ende der Bahnlinie durch die Eifel beschreibt, die während des Ersten Weltkriegs als Nachschubweg für das deutsche Heer in Frankreich genutzt wurde.

Vor Jahren hatte ein Förderverein zunächst erfolgreich versucht, die historische Bahnstrecke wiederzubeleben, doch scheiterte das Vorhaben letztendlich an den Finanzen. Die mangelnde Wirtschaftlichkeit war schließlich auch ausschlaggebend, das Projekt Vennbahn zu beerdigen und stattdessen auf der alten Trasse den Bau des Ravel-Radweges zu initiieren, der über rund 150 Kilometer bis nach Luxemburg führt, wie Bernd Gentges, Vize-Ministerpräsident der Deutschsprachigen Gemeinschaft (DG) in Eupeny und Fachminister für Tourismus, im Gespräch erläuterte.

Anfängliche Pläne, die Vennbahn als touristische Attraktion für die Eifel und Ostbelgien weiter zu nutzen, seien auf wenig Gegenliebe gestoßen, erinnert sich Minister Gentges: „Gemeinsam mit Monschaus Bürgermeister Theo Steinröx stand ich allein auf weiter Flur.” Doch drastisch sinkende Fahrgastzahlen und die errechneten Instandsetzungskosten für den Gleiskörper von damals einer Milliarde Belgische Francs, umgerechnet 25 Millionen Euro, waren schlagende Argumente gegen die Bahn und für den Radweg auf der alten Bahntrasse.

Zwar kostet dieses ungewöhnliche Projekt, das unter der Woche auch NRW-Wirtschaftministerin Christa Thoben bei ihrem Besuch der DG in Eupen begeistert hat, rund 15 Millionen Euro, doch stehen die Ampeln auf Grün und die Finanzierung ist gesichert, wie Gentges und sein Stabschef Leo Kreins betonen.

„Ein solch einmaliger Radweg ist natürlich touristisch ein ganz anderer Köder als eine alte Bahnlinie”, ist Bernd Gentges überzeugt, was zur Folge hat, das nach und nach die Gleise quer durch die Eifel verschwinden werden. Schwellen und Gleise sind an einen Unternehmer verkauft worden, der längst mit seiner Arbeit vorangekommen wäre, wenn die Weltwirtschaftskrise nicht die Preise für Stahl in den Keller bugsiert hätte.

Verkehrssicherheit

Dass dennoch inzwischen an einigen Stellen die Gleise quer über Fahrbahnen hinweg verschwunden sind, beispielsweise in der Ortsdurchfahrt Roetgen und auf der Himmelsleiter zwischen Roetgen und „Relais Königsberg”, lag in der Verantwortung des Landesbetriebes Straßenbau NRW. „Wegen der Verkehrssicherheit”, so Projektleiter Arnd Meyer, habe man die faulen Schwellen und zusammengebrochenen Gleisstränge entfernen. Was links und rechts neben den Fahrbahnen geschehe, sei Sache der Belgier.

Das ist in der Tat so, denn der gesamte Gleiskörper auf deutscher Seite ist belgisches Staatsgebiet, so festgeschrieben im Versailler Vertrag von 1919. Zu bilateralen Verwerfungen wird dieser Umstand jedoch kaum führen. Minister Gentges winkt ab: „Das ist in Belgien und Deutschland bekannt, aber die Außenministerien in Brüssel und Berlin haben nicht die Absicht, derzeit darüber miteinander zu sprechen.” Im Laufe der Zeit sei es sicherlich sinnvoll, derlei Ungereimtheiten aus der Welt zu schaffen.

So sehen Gentges und Kreins auch in Zukunft keine Probleme am Horizont aufziehen, beispielsweise bei einem Unfall auf dem neuen Radweg, der mit einer Steigung von lediglich drei Prozent quasi ohne Steigung bis nach Luxemburg führt. Ob nun Gendarmerie oder Polizei alarmiert würden, deutsche oder belgische Rettungsdienste, spiele keine Rolle. Gentges: „Wer zuerst alarmiert wird, der hilft!” Auf dem kleinen Dienstweg sei mit den deutschen Partnern sicherlich eine gute Zusammenarbeit möglich.

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