Einruhr: Die St. Nikolaus erwartet am Obersee ein dicker Eispanzer

Einruhr : Die St. Nikolaus erwartet am Obersee ein dicker Eispanzer

Kaum jemand hat die Ankunft des neuen Schiffes bemerkt. Am späten Donnerstagabend kurz nach 22 Uhr machte sich der Schwertransport vom Parkplatz Walberhof bei Vogelsang hinunter auf den Weg nach Einruhr, um hier planmäßig die St. Nikolaus, das neue Fahrgastschiff der Rurseeschiffahrt, anzuliefern.

Rund zwei Stunden benötigte der Schwertransport für die etwa fünf Kilometer lange, kurvenreiche Strecke hinunter an den Obersee — dann war auch die letzte Etappe des spektakulären rund 95 Kilometer langen Transportes von der Lux-Werft in Niederkassel-Monheim am Rhein bis in die Nordeifel geschafft.

Freitagmorgen zwischen 8.30 und 9.30 Uhr, so lautet der weitere Plan, soll die Einwässerung des neuen Vorzeigeschiffes der Rurseeschifffahrt an der Anlegestelle in Einruhr unmittelbar neben der Rurbrücke stattfinden.

Fläche mit Stahlplatten verstärkt

Seit Freitagmorgen laufen derweil die Vorbereitungsarbeiten am Oberseeufer. Die mit Rasengittersteinen befestigte Parkplatzfläche wurde zunächst mit schweren Stahlplatten verstärkt, ehe die beiden Kräne ihre Position einnahmen. Als der Schwertransport mit der 30 Meter langen und 7,20 Meter breiten St. Nikolaus gegen Mitternacht eintraf, lag frostige Stille über Einruhr; nur am Oberseeufer lag die Geräuschkulisse deutlich über Normalmaß.

Die vorletzte nächtliche Etappe des Schwertransportes hatte zuvor von Mechernich nach Vogelsang geführt. Auf dem Parkplatz am dortigen Kreisverkehr fand dann noch eine aufwendige Umrüstung der Ladung statt, damit das schmalste Straßenstück des Transportweges bewältigt werden konnte. Die Serpentinenstraße hinunter ins Rurtal ist an einigen Stellen nur sechs Meter breit. Deshalb musste das Schiff etwa um einen Meter angehoben werden, um beim Ausschwenken in Kurvenbereichen nicht die Leitplanke zu berühren.

Auch Space-Shuttle transportiert

Für Transportleiter Nicolas Grimm vom Schwertransportunternehmen Kübler aus dem bayrischen Michelfeld ist die Anlieferung der 72 Tonnen schweren St. Nikolaus Alltagsgeschäft. Das Unternehmen transportierte bereits eine Boing 747 und und den russischen Space-Shuttle „Buran“ ins Technikmuseum nach Sinzheim/Speyer.

Auf der Strecke vom Rheinufer bis zum Obersee hätten etwa 100 Schilder und Verkehrszeichen abmontiert werden müssen, erzählt er. Wenn das Unternehmen seine Fracht ans Oberseeufer geliefert hat, ist der Auftrag erledigt. „Mit dem Eis haben wir nichts zu tun“, sagt Nicolas Grimm mit Blick auf den seit Tagen dick zugefrorenen Obersee.

Nachdem die Versuche, mit Hilfe der Fahrgastschiffes Eifel die Eisdecke aufzubrechen, eingestellt wurden, wird nun der Kran zunächst mit einem Metallgewicht dem Eispanzer zu Leibe zu rücken. Das Risiko, das frisch lackierte Schiff direkt auf die Eisfläche zu setzen, möchte man nicht eingehen, zumal durch ein solches Manöver auch die empfindliche Antriebstechnik Schaden nehmen könnte.

(P. St.)