Neuer Waldkindergarten Rott: Die Natur kennen und lieben lernen

Neuer Waldkindergarten Rott : Die Natur kennen und lieben lernen

Zwischen Tannennadeln und kleinen Käfern frühstücken, umgebensein von Bäumen, zwischen deren Äste vereinzelte Sonnenstrahlen fallen, neben Kühen und zwitschernden Vögeln spielen und die Zeit im Kindesalter auf eine andere Art und Weise erleben: Möglich ist das im Waldkindergarten in Rott.

Hier können Kinder die Natur erfahren, sie werden neugierig gemacht und haben die Möglichkeit zu kindlichem Forschen.

Am 1. August nahm die Einrichtung auf dem Rotter Jugendzeltplatz direkt am Rand des Roetgener Waldes ihren Betrieb auf. Vor sechs Wochen waren es noch zwölf Kinder, die hier ihren Platz gefunden hatten, mittlerweile sind es schon 17. „Im März werden wir mit 20 bis 22 Kindern voraussichtlich voll sein. Einige Kinder stehen auch schon auf der Warteliste“, sagt Britta Munoz Espadina, die den Waldkindergarten ins Leben gerufen hat. Die Hälfte der Kinder stammt aus Roetgen und Rott, die andere Hälfte aus anderen Orten, teilweise auch aus Aachen und Belgien.

Nach und nach trudeln die Kinder am Morgen auf dem Zeltplatz ein. Ein abgezäunter Bereich bildet hier den Kindergarten. Wände und Decken aus Beton gibt es nicht. Stattdessen sind einige Planen gespannt, ein Bauwagen soll den Kindern bei extremer Kälte und Regen zusätzlich Schutz bieten. Genutzt werden die sanitären Anlagen des Zeltplatzes. Ansonsten findet hier alles unter freiem Himmel statt.

„Die meisten Kinder haben sich schon sehr gut eingewöhnt“, sagt Sozialarbeiterin Munoz Espadina. Die meisten Kinder seien zwischen zwei und drei Jahren alt. „Wichtig ist, dass wir als Betreuer direkt am Anfang eine Beziehung und das Vertrauen zu den Kindern aufbauen. Die Beziehungsarbeit ist erstmal wichtiger, als feste Regeln und klare Strukturen“, sagt sie. Die werden erst später zusammen mit den Kindern nach und nach erarbeitet.

Als die Entenpfeife ertönt, ist der Bollerwagen schon gepackt, die Kinder holen ihre Rücksäcke und sind startklar. Es geht los in den Wald. Etwa drei Stunden halten sich die Kinder am Vormittag im Wald auf. Beaufsichtigt werden sie dabei von Britta Munoz Espadina, Kindheitspädagogin Karin Simons und Erzieherin Birgitt Bogedain. „Seit Anfang dieses Monats sind wir zu dritt. Ab Mitte September bekommen wir noch eine Praktikantin dazu und ab November ist dann eine vierte Kraft dabei“, erzählt Munoz Espadina.

... trifft man sich morgens innerhalb des abgezäunten Bereichs auf dem Rotter Jugendzeltplatz und spielt im Sandkasten. Foto: Anke Capellmann

Die Kindergartenkinder nutzen zusammen mit den Betreuerinnen verschiedene Bereiche im Wald. Da gibt es die Hauptbahn, an der eine Plane ausgelegt wird und gemeinsam gefrühstückt und gespielt wird. Es existiert eine Rennstrecke, die direkt zum Bastelplatz führt. Wenn es in den Schaukelwald geht, bauen die Erzieherinnen und Pädagoginnen für die Kinder Schaukeln zwischen den Bäumen auf. Im Kletterwald laden gespannte Seile zum Erklimmen ein. Mithilfe einer Plane funktioniert man einen Hang zum Rutschwald um. Die Ideenliste ist lang und die Aktivitätsmöglichkeiten sind vielseitig.

Die Betreuerinnen sind sich sicher, dass der Wald die optimale Umgebung für Kinder bietet. Hier hätten die Kinder natürlichen Raum und ausreichend Zeit für eine individuelle Entwicklung. Und trotz der vielen aufgeweckten Kinder ist es am Morgen erstaunlich ruhig im Wald. „Die Kinder sind hier ausgeglichen. Und die Lautstärke verteilt sich. Im Gegensatz zu herkömmlichen Kindergärten ist es hier immer viel ruhiger und entspannter“, sagt die Sozialarbeiterin, die selbst vor einigen Jahren in einem normalen Kindergarten gearbeitet hat. „In der heutigen Zeit werden Kinder mit allem Möglichen konfrontiert. Bei uns können sie das machen, was sie interessiert. Das Spielen ist das Lernen. Und sie erleben den Wald und die Natur.“

Während einige Kinder in einer zwischen zwei Bäumen gespannten Hängematte liegen, spielen andere Fangen oder lassen sich ihr Brot schmecken. „Die Kinder bringen sowohl ihr Essen, als auch ihre Getränke selbst mit“, sagt Munoz Espadina. Alles, was hier zusammen mit den Kindern aufgebaut wird, muss am Ende des Waldaufenthalts auch wieder abgebaut werden. Als Einrichtung sei man dazu verpflichtet und habe auch Verträge mit den Waldbesitzern, erklärt Britta Munoz Espadina.

Ein Bauwagen soll die Kinder vor extremer Kälte und Regen schützen. Foto: A. Capellmann

Nach sechs Wochen Kindergartenzeit fällt die Bilanz also durchaus positiv aus. Man sei zwar irgendwie immer noch ein „wilder Waldhaufen, aber in einem halben bis dreiviertel Jahr werden wir schon eine tolle und feste Gruppe sein“, sagt Munoz Espadina.

Auf dem Plan steht auch ein Vorschulprogramm ab Oktober. Dabei sollen dann nicht nur sprachliche und mathematische Dinge gefördert werden, sondern auch Naturwissenschaft, Sport und Musik.

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