Rott: Die Geschichte des Saals Hütten geht weiter

Rott : Die Geschichte des Saals Hütten geht weiter

Der traditionsreiche Saal Hütten wird als Treffpunkt für die Dorfgemeinschaft erhalten. Am Samstag, 1. September, überbringt Harry Voigtsberger, Ehrenpräsident der NRW-Stiftung, um 11 Uhr in ebendiesem Saal Hütten in Rott 100.000 Euro an den Saal-Hütten-Verein zwecks Erwerb des Saales.

Insbesondere das Gutachten von Dr. Monika Herzog vom Amt für Denkmalpflege hat die Besonderheit dieses Saales und dessen Bedeutung als Denkmal hervorgehoben, so dass die NRW-Stiftung sich zu dieser Hilfe bereitgefunden hat. Der Heimat- und Eifelverein Rott gibt darüber hinaus noch einmal 30.000 Euro für die Instandsetzung des Saales. Der Saal kann also erhalten und gerettet werden. Anlässlich dieser Entwicklung blickt Rainer Hülsheger in drei Teilen auf die Geschichte des Saals Hütten zurück.

Die Geschichte des Saales Hütten, Quirinusstraße 15, ist eng mit der der Gaststätte Hütten, Quirinus-straße 17, verwoben, da der Saal von den Betreibern der Gaststätte gebaut und betrieben worden ist. Es handelt sich um einen zusammenhängenden Gebäudekomplex, der bereits 1799 als Winkelhofanlage mit anschließendem dahinterliegendem Hinterhaus unter zwei Hausnummern verzeichnet ist. Im Urkataster von 1826 ist der Komplex, bei dem sich Wohnhaus und Stall gemeinsam in einem strohgedeckten Fachwerkhaus befinden, verzeichnet.

Die Zuordnung der Eigentümer und Bewohner gestaltet sich schwierig. Das östlich liegende Vorderhaus mit in rechtem Winkel davon abgehendem Wirtschaftsgebäude wird 1799 und 1801 dem Tagelöhner Mathias van den Berg samt Ehefrau Gertrud, geb. Röngen, der Tochter Anna Gertrud van den Berg und einer weiteren Tochter zugeordnet.

1817 ist noch die Witwe Mathias van den Berg als Eigentümerin verzeichnet. Nach Heirat der Tochter Anna Gertrud van den Berg mit dem Tuchscherer und Schreiner Mathias Peter Löhrer wird dieser 1851 als Eigentümer registriert. Jedoch ist schon 1857 das Haus in der Eigentümerschaft des Ehepaars Joh. Jacob Jungbluth und seiner Ehefrau Anna Barbara Roentgen.

Dem Hinterhaus sind laut Einwohnerlisten aus den Jahren 1799 und 1801 der Spinner Franz Wilhelm Röngen samt Ehefrau Anna Elisabeth, geb. Schmitz, und Tochter Katharina Elisabeth Röngen zuzuordnen. Im Jahre 1817 erscheint die Witwe Katharina Röngen nur noch als Beisaß, Eigentümerin ist eine Witwe Peter Röngen, geb. Anna Barbara Krutt, deren Tochter Anna Barbara Roentgen den Johann Jacob Jungbluth ehelicht. Dieses Ehepaar erscheint ab 1851 als Eigentümer des Vorder— und Hinterhauses.

Tradition als Gastwirtschaft

Mit dem Jahre 1851 beginnt nachweislich die Tradition als Gastwirtschaft, als Joh. Jacob Jungbluth als Gastwirt, einschließlich seiner Ehefrau Anna Barbara Roentgen, registriert wird. Während der hintere Teil des Komplexes als Wohnhaus und Gaststätte dient, wird der linke Flügel zu wirtschaftlichen Zwecken, nämlich als Lagerraum, Kuhstall, Pferdestall und Scheune benutzt. Die Scheune besitzt hofseitig ein großes Scheunentor, durch das der Heuwagen dort hineinfahren konnte.

Im Jahre 1871 wird der Gebäudekomplex teils als Massivbauwerk und teils als Lehmfachwerk bezeichnet. Es war zu zwei Dritteln mit Pfannen und zu einem Drittel mit Stroh gedeckt. Noch 1878 wird ein Antrag auf Reparatur des Strohdaches gestellt.

Mit Datum vom 1. Mai 1888 erwirbt Peter Jacob Braun nach der Heirat mit der Gastwirtstochter Maria Josephine Jungbluth das Anwesen und führt es als Gastwirt und Bäcker weiter. Bereits mit dem 29. Juli 1888 stellt er ein Umbaugesuch zwecks Einrichtung von einem Fremdenschlafzimmer im Untergeschoss und vier weiteren im Obergeschoss der Gaststätte.

Gleichzeitig lässt er unter Beibehaltung der landwirtschaftlichen Nutzung im Untergeschoss des Ökonomieflügels darüber im Obergeschoss, mithin über dem Kuhstall, dem Pferdestall und dem Lagerraum, einen Tanzsaal von 72 Quadratmetern für etwa 120 Personen errichten, womit Rott einen weiteren Saal neben dem in der Gaststätte der Witwe Johanna Maria Winkhold (Quirinusstraße 23) erhält.

Eine ältere Backstube muss zu der Zeit auch schon existiert haben, denn am 22. August 1888 beantragt er den Einbau eines neuen Backofens in das im östlichen Giebelbereich gelegene „Backes“. Der alte Ofen wird als unbrauchbar bezeichnet. Zwischen Gaststätte und Wirtschaftsflügel mit aufgesatteltem Saal verbleibt weiterhin die Scheune, für die 1891 ein erneuter Antrag auf Reparatur des Stalldaches gestellt wird. Um die Jahrhundertwende pflanzt sein Sohn Arnold Braun (1883-1955) die Kastanie vor der Gaststätte.

Feuer und Saalvergrößerung

Am 20. Oktober 1910 bricht auf ungeklärte Weise ein Feuer aus, wodurch Schäden an Gebäude und Mobiliar entstanden sind. Über dem Eingang zur Gaststätte ist auf einem Holzschild zu lesen „Gastwirtschaft Zur Traube P J Braun“.

Im Jahre 1921 ist Karl Josef Hütten (1882-1968) als Gastwirt des Gasthofes und des Saales eingetragen, hatte er doch die Tochter Maria (1887-1964) des Peter Jacob Braun geheiratet. Der Fremdengasthof scheint wirtschaftlich gut floriert zu haben, so dass Josef Hütten 1922 den Tanzsaal zu seiner heutigen Größe von ca. 254 Quadratmetern erweitern lässt.

Er gibt zu diesem Zweck den zwischen Stallungen und Gaststätte gelegenen Scheunenbereich auf und lässt ihn überbauen. Zusätzlich verbreitert er die Saalfläche um ca. 9 Meter in südliche Richtung und stützt die gewonnene Fläche durch 10 senkrechte Holzpfosten ab. Das Satteldach wird angehoben. Der Eingang zum Saal erfolgt in dieser Zeit über eine Treppe von der Quirinusstraße aus.

In den 1920er Jahren findet nicht nur die Saalerweiterung statt, sondern auch die Gaststätte erhält ihr heutiges Gesicht. Über der nach Art des Jugendstils geschnitzten Eingangstür steht auf einem Schild wieder der Schriftzug „Gastwirtschaft Zur Traube“, links und rechts auf der Wand ergänzt durch den Vor— und Familiennamen des Eigentümers Josef Hütten.

Die ledige Josephine Hütten (1921-1994) führt in der Nachfolge ihres Vaters Josef Hütten (verstorben 1968) die Gaststätte und den Saal weiter. Ihr Bruder Richard Hüten (1918-1998) und dessen Frau Margret übernehmen mit ihrem Ableben den Saal und die Gaststätte, die in den Jahren 1996/97 grundlegend renoviert wird. Gaststätte und Saal sind bis zum 2. November 2015 verpachtet. Dann schließt der Gasthof.

Am 2. Oktober 2009 gründet sich der Förderverein Saal Hütten, der es sich zur Aufgabe gesetzt hat, den Saal zu renovieren, zu vermieten und langfristig für Rott als Mittelpunkt für örtliche und überörtliche Veranstaltungen zu erhalten.

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