Monschau: Deutsches Perlbachwasser für belgische Dörfer stößt nicht nur auf Freude

Monschau: Deutsches Perlbachwasser für belgische Dörfer stößt nicht nur auf Freude

Die beiden kleinen Grenzdörfer Küchelscheid und Leykaul sind gefühlt ein Teil von Kalterherberg. Alles, was hier einmal auf eine streng bewachte Landesgrenze hindeutete, ist mit der Zeit verschwunden. Die Bürger aus Leykaul und Küchelscheid sind gesellschaftlich nach Kalterherberg orientiert - aber das ändert nichts daran, dass die exakt 117 Bewohner der beiden Ortsteile Bürger des Königreichs Belgien sind.

So unproblematisch das grenzüberschreitende Miteinander im Alltag auch sein mag, so ausgeprägt sind die Befindlichkeiten beim Thema Trinkwasser. Dies wurde jetzt kurz vor dem Jahreswechsel deutlich, als die Gemeinde Bütgenbach die Bürger aus Küchelscheid und Leykaul zu einer Informationsveranstaltung in das Lokal „Haustock“ eingeladen hatte, um darüber zu informieren, dass sie ab dem 2. Januar 2018 bis auf Weiteres mit Trinkwasser aus der nahe gelegenen Perlenbachtalsperre versorgt werden.

Von dieser Variante waren die rund 30 anwesenden Bürger nicht gerade begeistert. Man wolle möglichst bald wieder mit dem eigenen Trinkwasser versorgt werden, klang als Tenor bei der Veranstaltung durch.

So zügig, wie die Küchelscheider und Leykauler Bürger sich den gewohnten Zustand wieder herbeisehnen, wird es aller Voraussicht nach nicht funktionieren. Das wallonische Wasserkontrollamt als Aufsichtsbehörde hatte im vergangenen Sommer bei routinemäßig vorgenommenen Stichproben vereinzelt eine Überschreitung der für das Trinkwasser in Belgien zulässigen Grenzwerte für Blei und Aluminium festgestellt.

Dass es vereinzelt Auffälligkeiten bei den Messungen gab, will auch Paul Hermann, der zuständige Schöffe bei der Gemeinde Bütgenbach, nicht wegdiskutieren, dennoch hat er volles Verständnis dafür, dass die betroffenen Bürger möglichst bald mit ihrem eigenen Trinkwasser beliefert werden möchten. „So lautet auch der Wille des Gemeinderates“, sagt Hermann im Gespräch mit der Lokalredaktion.

Das Trinkwasser für Küchelscheid und Leykaul wird aus dem Bohrbrunnen Küchelscheid und der Quellfassung Pannensterz entnommen. Hermann glaubt nicht, dass die Bürger an der Qualität des Perlbachwassers zweifelten, aber die Trinkwassergewinnung aus den eigenen Brunnen genieße einen hohen Stellenwert in der Bevölkerung, auch weil dem Quellwasser kein Chlor hinzugefügt werde.

Laut eines Berichtes der ostbelgischen Tageszeitung „Grenz-Echo“ hätten Experten trotz der geringen Grenzwert-Abweichungen empfohlen, die beiden Dörfer vorübergehend mit Trinkwasser aus der Perlenbachtalsperre zu versorgen. Paul Hermann wird mit der Aussage zitiert, dass nach Aussage der Aufsichtsbehörde „zu keinem Zeitpunkt eine Gesundheitsgefährdung der Bevölkerung vorlag“.

In der zeitweiligen Belieferung mit Trinkwasser aus der Perlenbachtalsperre sieht auch Charles Servaty, Schöffe der Gemeinde Bütgenbach mit Wohnsitz in Leykaul, eine sinnvolle Übergangslösung, zumal die Ausnahmegenehmigung der Gemeinde Bütgenbach für die Wasserversorgung in den beiden Grenzdörfern im April 2019 auslaufe. Grund dafür ist der niedrige pH-Wert des Brunnenwassers.

Auf Anfrage der Lokalredaktion sagt Servaty, dass man ein Fachbüro damit beauftragt habe, zu klären, wie auf lange Sicht eine eigenständige Wasserversorgung für Küchelscheid und Leykaul sichergestellt werden könne. „Das Büro soll alle Optionen auf den Tisch legen, dann entscheidet sich, wie es weitergeht.“ Servaty erinnert zudem daran, dass man seit dem Jahr 2003 an der Umsetzung eines jetzt in der letzten Phase befindlichen Wasserversorgungskonzeptes arbeite.

Nur 100 Meter PVC-Rohr nötig

Der Wasserversorgungszweckverband Perlenbach war gut auf die Zwischenlösung vorbereitet. Im Oktober kam die Gemeinde Bütgenbach auf den Verband zu, Ende November wurden die Bürger informiert. Betriebsleiter Derk Buchsteiner sagt, dass man im „Zuge einer gesunden Nachbarschaftshilfe“ die Belieferung eingerichtet habe.

Technisch bedeutete der Anschluss ans belgische Trinkwassernetz kein Problem, auch weil im Zuge des Netzaustausches der Bereich Bahnhofstraße, Geisberg und Ruitzhof erst kürzlich erneuert wurde. Der Wasserdienst der Gemeinde Bütgenbach brauchte lediglich 100 Meter PVC-Rohr bis zur Anschlussstelle zu verlegen.

Etwa 20 bis 25 Kubikmeter Trinkwasser werden jetzt täglich nach Leykaul und Küchelscheid geliefert, was nicht weiter ins Gewicht fällt. „Das ist die Menge, die in Kalterherberg in einer Stunde verbraucht wird“, erläutert Buchsteiner die Dimension.

Trotz höherer Kosten für das Perlbachwasser wird der Trinkwasserbezug für die Bürger aus Küchelscheid und Leykaul nicht teurer als bisher. Die Gemeinde Bütgenbach stellt haushaltsintern einen Ausgleich her, weil es innerhalb eines Versorgungsgebietes keine unterschiedlichen Tarife geben darf.

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