Monschau: Der Wachtmeister am Amtsgericht ist ein „Mädchen für alles“

Monschau: Der Wachtmeister am Amtsgericht ist ein „Mädchen für alles“

An ihm kommt keiner ungesehen vorbei, der in das Monschauer Amtsgericht möchte. Josef Dederichs aus Rohren ist der Wachtmeister am Monschauer Amtsgericht. Er ist immer der erste Kontakt zum Besucher, ob an der Pforte des Gebäudes oder wenn er am Telefon höflich Auskunft gibt und an die richtige Abteilung weiter verbindet.

Natürlich muss er auch schon mal einen Besucher genauer kontrollieren. Während die Wachtmeister an anderen Gerichten wie in Aachen oder Eschweiler die verschiedensten Sachen finden — Pfefferspray, Schraubenzieher, Scheren, Messer und andere Waffen — ist in Monschau noch nie etwas Nennenswertes in den Taschen der Kontrollierten gewesen. Ein Grund dafür ist, dass es in Monschau keinen Haftrichter gibt, deshalb gibt es nicht so oft Kontakt zu „schweren Jungs“.

Das ist aber längst nicht alles, was Josef Dederichs zu tun hat. „Im Grunde bin ich hier das Mädchen für alles“, sagt Dederichs und lacht. Er kümmert sich um die Post. Sie wird geöffnet und den Abteilungen zugeordnet, alles was das Haus verlässt, wird kuvertiert und frankiert. Außerdem übernimmt er auch die Tätigkeiten eines Hausmeisters. Er entsorgt das Altpapier, führt kleinere Reparaturen aus, und im Winter greift er auch zur Schneeschaufel. Aufgrund der Vielfalt der Aufgaben kennt sich auch kaum jemand so gut im Monschauer Amtsgericht aus wie der Wachtmeister Josef Dederichs. „Ich kenn' das hier alles wie meine Westentasche“, sagt er.

Ausbildung im Handwerk

Doch wie wird man eigentlich Wachtmeister am Amtsgericht? „Ein großer Vorteil ist, wenn man eine abgeschlossene Ausbildung in einem Handwerk vorweisen kann“, sagt der Geschäftsleiter des Amtsgerichts, Karl-Heinz Prümmer. Josef Dederichs ist gelernter Autoschlosser. Gelernt hat er beim Autohaus Hermanns in Simmerath, danach arbeitete er einige Jahre in Schleiden, bevor es ihn zur Bundeswehr und dann an das Amtsgericht zog. 1986 wechselte er nach Monschau. Fast 40 Jahre arbeitet der 60-Jährige nun schon als Wachtmeister. Seine offizielle Bezeichnung lautet „1. Justiz-Hauptwachtmeister“. Das ist das Höchste, was man in dieser Laufbahn erreichen kann.

Es gibt aber noch weitere Voraussetzungen für den Dienst als Wachtmeister. Man muss körperlich fit sein und auch schon mal ein dickes Fell haben, um sich nicht provozieren zu lassen. Außerdem ist eine gute Menschenkenntnis hilfreich. „Wenn man mit den Leuten höflich umgeht, kommt man schon sehr weit. Ich bin bisher mit allen gut zurecht gekommen“, sagt Dederichs.

Akten statt Schmuggler

Einen Angeklagten oder einen Inhaftierten als Zeugen vorzuführen gehört ebenfalls zu den Aufgaben des Wachtmeisters. Vorübergehend werden diese Personen dann in der einzigen noch verbliebenen Zelle des Amtsgerichts untergebracht. Zehn bis 15 Mal kommt das im Jahr vor. Früher gab es zehn Zellen. Der Bereich wo sie sich einst befunden haben wird von den Mitarbeitern des Gerichts auch heute noch scherzhaft Gefängnis genannt. „Nach dem Krieg saßen hier auch viele der Kaffee-Schmuggler ein“, erinnert sich Dederichs. Heute sind in diesen Räumen lediglich nur noch alte Akten und Briefe gefangen.

Damit bei den Vorführungen der Inhaftierten nichts schief läuft, müssen die Wachtmeister pro Quartal eine Schulung besuchen. Eigen- und Fremdsicherung ist dann das Thema. Praktisch und theoretisch werden die Wachtmeister in waffenloser Kampfweise geschult.

Neben Telefonanrufen landen auch die Notrufe bei Josef Dederichs an der Pforte, von wo aus er nicht nur über Monitore alles im Blick hat, sondern per Knopfdruck auch alle Türen sofort sperren kann. Sollte es mal brenzlig werden, haben die Telefone im Gericht eine Notruffunktion. Josef Dederichs weiß dann, wohin er muss und was es zu tun gilt.

Unterstützt wird Dederichs von einer Halbtagsangestellten, insbesondere bei der Kontrolle weiblicher Personen. In besonderen Härtefällen erhält er auch Unterstützung aus Aachen oder Schleiden. Bei diesen Prozessen steht ein Wachtmeister an der Eingangstür, zwei kontrollieren im Durchgangsbereich und ein oder zwei Wachtmeister beziehen vor und im Sitzungssaal. Das ist zwei bis drei Mal im Jahr der Fall. In der Regel kommt Josef Dederichs aber alleine klar.

(ag)
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