Der Taubenschwanz ist schnell und windig

Aus der Natur unserer Heimat : Der Taubenschwanz ist schnell und wendig

Es ist kein Kolibri, der da schwirrend vor einer Blüte fliegt und Nektar saugt, sondern ein Schmetterling – nämlich der Taubenschwanz, der zu der Familie der Schwärmer gehört.

Seine eigentliche Heimat ist Südeuropa, aber in jedem Frühjahr begibt er sich auf Wanderschaft und erschließt sich durch ausdauernde Flüge neue Lebensräume bis nach Skandinavien und Großbritannien.

Die Tiere legen dabei große Distanzen zurück und können bis zu 3000 Kilometer in weniger als zwei Wochen zurücklegen. Einige dieser interessanten Schmetterlinge erreichen bei diesen Wanderungen auch das Gebiet des alten Kreises Monschau.

Normalerweise sind sie dann ab Ende Juni bei uns zu beobachten. Aber infolge der Klimaveränderungen (milde Winter) scheint er mittlerweile auch bei uns zu überwintern. So wurde in diesem Jahr schon am 1. April in Witzerath ein Taubenschwanz gefunden, kurze Zeit später auch in Woffelsbach.

In dunklen Wäldern wird man den Taubenschwanz nicht beobachten können, denn er ist angewiesen auf offenes Gelände mit nektarreichen Pflanzen. Wer an seinem Haus, an Balkonen oder im Garten Geranien oder andere Blütenpflanzen anbringt, wird, wenn man sich Zeit lässt, auch an diesen Stellen den Taubenschwanz gut beobachten können.

Der Taubenschwanz ist im Gegensatz zu anderen Schwärmerarten tagaktiv. Ihr sehr schneller und wendiger Flug ist dem des Kolibri sehr ähnlich: Beim Nektar saugen stehen sie im Schwirrflug vor den Blüten und saugen mit ihrem langen Saugrüssel Nektar aus den Blüten. Um sich in der Luft halten zu können, haben seine Flügel eine Schlagfrequenz von 80 bis 90 Schläge in der Sekunde.

Bei ihren Wanderflügen können sie eine Geschwindigkeit bis 80 km/h erreichen. Das alles kostet viel Energie, sodass sie im Sommer fast ununterbrochen ihre Nahrungspflanzen anfliegen. So ein Taubenschwanz hat ein Eigengewicht von 0,3 Gramm.

Um aber die Energie zum Fliegen aufzubringen, benötigt er 0,5 Milliliter Nektar. Das bedeutet, dass er an einem Tag je nach Nektarqualität beispielsweise mehr als 2000 Blüten des Weidenröschen anfliegen muss.

Bei der Auswahl der Nahrungspflanzen sind sie nicht wählerisch und fliegen Dutzende Pflanzen an, können aber durchaus lernen, in welchen Blüten sich ausreichend Nahrung finden lässt.

Nach der Paarung fliegt das Weibchen frische Pflanzen an, vorzugsweise die verschiedenen Labkräuter, und heftet im Schwirrflug jeweils ein Ei an die junge Wirtspflanze. Insgesamt werden etwa 200 Eier auf diese Weise gelegt. Aus diesen Eiern schlüpfen Raupen, die sich nach einiger Zeit verpuppen und aus denen dann im September und Oktober neue Falter entstehen.

Diese Generation überlebt die Winterkälte bei uns normalerweise nicht, aber infolge der milden Winter gibt es mittlerweile auch Taubenschwänze, die hier den Winter an geschützten Stellen überleben können. Die meisten Taubenschwänze, die wir im nächsten Sommer wieder sehen können, kommen aus Südeuropa.

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