Der singende Hirte Reiner Jakobs aus Höfen übergibt Rekordspende

85.850 Euro für krebskranke Kinder gesammelt : Ein Held mit langem Bart und großem Herz

„Das ist einer der Helden unserer Zeit“, sagt später jemand draußen vor der Tür. Gemeint ist Reiner Jakobs, der singende Hirte, der in der Höfener Pfarrkirche Jahr für Jahr seine riesige Landschaftskrippe aufbaut, für die Besucher musiziert und Spenden für krebskranke Kinder sammelt.

Dieser Held trägt kein Superman-Kostüm, sondern Schlapphut und Felljacke. Er hat auch keine Superkräfte, aber einen langen Bart und ein großes Herz. Er kann auch nicht die Welt retten, aber er macht sie ein wenig besser.

Der Moment der Spendenübergabe an den Förderverein „Hilfe für krebskranke Kinder“ ist der Augenblick, auf den sich der 77-Jährige so lange gefreut hat, für den er nicht nur ungezählte Stunden geopfert, sondern auch auf das Weihnachtsfest mit der Familie verzichtet hat. Seit Anfang Dezember wohnte er quasi in der Krippe, zu Hause fiel er oft gleich müde und erschöpft ins Bett.

Nun steht er also da ganz hinten, trippelt von einem Bein aufs andere, zieht nochmal an der Kordel um seinen Bauch und reibt sich die Hände, während immer mehr Menschen in die von Bläserklängen erfüllte Kirche strömen. „Wer da nicht nervös wird, der ist bekloppt“, sagt er in seinem typischen Dialekt und setzt den Hut auf, bevor er mit langen Schritten zu dem Platz in der Krippe schreitet, wo Gitarre, Panflöte und Mundharmonika auf ihn warten. Als er zu singen beginnt, tritt die Nervosität in den Hintergrund und noch einmal erklingen „O Tannenbaum“ und das „Ave Maria der Berge“. Einige Besucher schauen sich derweil die Krippe an, werfen etwas in die Spendenbox und suchen eine freie Stelle in dem randvollen Gästebuch, um einen Eintrag zu hinterlassen.

Nach ein paar Liedern zieht sich Jakobs schnell wieder in den hinteren Teil der Kirche zurück. Dort trifft er die letzten Absprachen mit seiner Frau Irmgard, die ihm den Rücken freihält und die Fäden im Hintergrund zieht. „Einmal singe ich noch, dann kommt die Stunde der Wahrheit“, flüstert der singende Hirte. Wie hoch die Spendensumme ist, weiß er selbst erst seit dem Vorabend – und das auch nur weil er ja noch das Plakat malen musste, auf dem die Summe gleich in großen Ziffern zu lesen sein wird.

Die Bläsergruppe, die ihn wie viele andere Helfer schon seit Jahren unterstützt, kündigt mit ihren Klängen an, dass der Moment gekommen ist, und der singende Hirte schreitet zur Tat. Ganz langsam enthüllt er eine Zahl nach der anderen, bis alle in der Kirche die Summe schwarz auf weiß lesen können. Die Rekordsumme von 85.850 Euro ist dieses Mal zusammengekommen. Die Menschen erheben sich und spenden Minuten lang Applaus. Währenddessen hat Jakobs längst auf einer der Kirchenbänke Platz genommen, um nicht im Mittelpunkt zu stehen.

Der Leiter der Kinderonkologie im Aachener Klinikum, Prof. Dr. Udo Kontny ist überwältigt. „Mit dieser Spende können wir sehr viel für die Kinder und ihre Familien erwirken“, sagt er. Dies ermögliche die Anschaffung von neuen Geräten und Investitionen in die Forschung.

Außerdem könnten Eltern unterstützt werden, die ihren Beruf aufgeben mussten, weil ihr Kind so schwer erkrankt ist, und auch die Geschwister, die in solchen Situationen oft zu kurz kämen. Als Beispiel nennt der Mediziner eine Zehnjährige, der vor Kurzem mitgeteilt wurde, dass sie an Leukämie erkrankt ist, und auf die jetzt wochenlange Krankenhausaufenthalte zukommen werden. „Was Sie uns schenken, ist mehr als diese Spende. Es ist die Solidarität mit den Kindern und unserem Team im Kampf gegen den Krebs. Mit Disziplin, Liebe und Hingabe haben Sie hier etwas Einzigartiges geschaffen“, betont Kontny.

Peter Schanz dankt als Vorstandsmitglied des Vereins „Hilfe für krebskranke Kinder“ für den enormen Einsatz des singenden Hirten, seiner Familie und seiner treuen Helfer. „Wer sich diese Krippe anschaut, erkennt, mit wie viel Liebe und Leidenschaft sie schon bei der Planung dabei sind. Sie erfreuen die Menschen aus Nah und Fern und schenken ihnen hier Momente der Ruhe und der Besinnung“, sagt er. In den kommenden Jahren werde der Verein weiterhin zusätzliche Arbeitsplätze finanzieren und betroffene Familien unterstützen. „All das ist durch ihre Spenden möglich“, sagt er und schließt den Hirten fest in seine Arme.

Auch Höfens Ortsvorsteher, Heinz Mertens, hatte nicht mit dem Ergebnis gerechnet. „Hier sieht man, dass die Anstrengung für andere belohnt wird“, erklärt er und dankt im Namen der gesamten Höfener Bevölkerung für die selbstlose Hilfe. „Wir sind stolz auf Euch und Euer Wirken. Wir hoffen, dass Gott Euch noch lange Kraft gibt“, sagt er an die Familie Jakobs gerichtet.

Pfarrer Friedrich Hack spricht von einer hohen Stunde für Höfen und bittet um Gesundheit für die Familie.

Auch Monschaus Bürgermeisterin, Margareta Ritter, würdigt das Engagement der Familie und des gesamten Ortes. „Was Höfen hier leistet, ist außerordentlich. Wir alle in Monschau sind sehr stolz auf Sie“, unterstreicht sie.

Reiner Jakobs selbst fasst sich kurz. „Ich bedanke mich bei allen, die mich in den vergangenen Monaten unterstützt haben“, sagt er nur und ist offensichtlich froh, als er wieder in der Krippe Platz nehmen und singen kann. Dann schallt es durch die Kirche: „Ein schöner Tag ist uns beschert wie es nicht viele gibt!“

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