Der Saal bekommt einen neuen Eingangsbereich

Ehrenamtler bauen den Saal Hütten um : „Dorfmuseen gibt es genug – in Rott wird Dorf gelebt“

Kirche, Pfarrhaus, Dorfladen, Kneipe und Saal – möglichst an einem zentralen Ort: In Rott findet man all das noch, und darauf sind die Rotter stolz. „Ein ideales Dorf stelle ich mir genau so vor“, sagt Thomas Staerk, Architekt und Mitglied im Förderverein „Saal Hütten“, und zeigt auf das Ensemble alter Bauwerke an der Quirinusstraße. Weil nur das erhalten werden kann, was auch dauerhaft genutzt wird, packen die Rotter in diesen Tagen unter Staerks Anleitung kräftig mit an.

Der im Jahr 1799 erbaute Saal Hütten ist seit Generationen das Herz des Ortes – ein Saal, wie er aus immer mehr Dörfern in den vergangenen Jahren verschwunden ist. Hier feiert man Hochzeiten oder betrauert die Toten, hier wird Musik gespielt, getanzt und Karneval gefeiert. Doch der Saal ist sprichwörtlich in die Jahre gekommen und entspricht in mancherlei Hinsicht nicht mehr den heutigen Anforderungen. Vor allem die Situation am Eingang sorgte zuletzt für steten Verdruss, weshalb der Förderverein das Problem nun bei den Wurzeln packt.

Ein großer Wurf solle es werden: Seit gut zwei Monaten arbeiten sie nun zu sechst an sechs Tagen in der Woche, ab sechs Uhr abends. Im Untergeschoss bleibt seither kaum ein Stein auf dem anderen. „Wir haben hier bereits mehrere Räume ausgekoffert“, berichtet Manfred Adrian vom Förderverein mit sichtlichem Stolz.

Manfred Adrian nimmt sich das mauerwerk vor. Foto: Marco Rose

Das heißt: Der alte Lehmboden wurde um rund 50 Zentimeter abgetragen, um im Untergeschoss mehr Raumhöhe zu ermöglichen. Hier entsteht ein neuer Eingangsbereich mit einer 1,80 Meter breiten, behindertengerechten Tür, barrierefreier Toilette, einem multifunktionalen Eingangsraum mit Garderobe und einem sogenannten Plattlift, der auch Rollstuhlfahrern den Zugang zum Festsaal ermöglicht.

Im ehemaligen „Backes“ entsteht der Eingangsbereich des Saals - noch wartet hier jede Menge Arbeit. Foto: Marco Rose

„Dorfmuseen gibt es genug – in Rott wird Dorf gelebt“, sagt Staerk, der auf die Sanierung historischer Kirchengebäude spezialisiert ist. Und so wird derzeit gebuddelt, gehämmert und betoniert, dass es eine wahre Freude ist. Ein Teil des Bodens wurde in einem gemeinsamen Kraftakt bereits gegossen. Sieben Stunden lang waren die Helfer damit beschäftigt, den Beton von zwei Mischmaschinen mit Schubkarren in das Untergeschoss zu verfrachten. Die Deckenbalken wurden zudem teils ausgebessert und unterstützt. 650 Arbeitsstunden haben die Ehrenamtler im Saal schon investiert.

Gottfried Nonhoff, Vorsitzender des Fördervereins, schreitet zur Tat. Foto: Marco Rose

Das ist auch nötig, denn das Geld ist trotz öffentlicher Unterstützung knapp: 100.000 Euro hat die NRW-Stiftung für den Erhalt des Baudenkmals beigesteuert, von denen 80.000 Euro schon abgerufen wurden. Das LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland gibt 37.000 Euro. „Diese Rechnung geht nur auf, wenn alle kräftig mit anpacken“, sagt Adrian. Rainer Hülsheger, Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsvereins Rott, lobt den Teamgeist im Ort und ruft die Bürger zum Mitmachen auf: „Jeder kann vorbeikommen und noch mitmachen.“ Bei einem kleinen Rundgang gibt es schon einiges zu sehen: So steht die neue Kaffeeküche bereits an ihrem künftigen Bestimmungsort. Noch viel zu tun gibt es dagegen im ehemaligen „Backes“, der alten Backstube im Untergeschoss. Hier sollen Gäste künftig nach der Vorstellung des Architekten Staerk in Anlehnung an die historische Bestimmung einen Ofen vorfinden – „und wenn es nur ein Pizzaofen ist“. Derzeit stapeln sich dort allerdings nur Schutt und marodes Holz.

Die Zeit drängt bereits ein bisschen: „Am Samstag, 19. Oktober, 14 Uhr, sollen die Rotter beim ‚Haus der offenen Tür‘ ihren neuen alten Saal bestaunen können“, sagt Adrian. Wer sich ein Bild von den Mühen des Umbaus machen möchte, kann den Saal Hütten bereits am Wochenende des 7. und 8. September zum „Tag des offenen Denkmals“ besuchen und sich von Thomas Staerk alles ganz genau erklären lassen. Am Samstag, 7. September, feiert das Dorf zudem mit klassischen Glenn-Miller-Sounds unter der Kastanie – und bei schlechtem Wetter im Saal – die Befreiung Roetgens vom NS-Regime.

Mehr Informationen: www.tag-des-offenen-denkmals.de

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