Mützenich: Der neue Steg zu den Palsen wächst von Tag zu Tag

Mützenich : Der neue Steg zu den Palsen wächst von Tag zu Tag

Lange Zeit war die kleine Steganlage, die zu den künstlich angelegten Palsen im Hohen Venn bei Mützenich führt, wegen Baufälligkeit gesperrt. Doch schon bald soll man wieder barrierefrei und trockenen Fußes an das Gewässer gelangen können.

Derzeit sind Mitarbeiter der Lebenshilfe Aachen im Auftrag der Unteren Naturschutzbehörde der Städteregion Aachen dabei, den beliebten Besuchersteg „Am Palsen“ zu erneuern. Pro Tag schaffen sie etwa drei Meter.

Da das Holz der Unterkonstruktion im Venn ständig der Feuchtigkeit ausgesetzt ist und beim Einsatz im dortigen Naturschutzgebiet nicht mit Fungiziden behandelt werden kann, war der Verrottungsprozess der alten Konstruktion schon sehr weit fortgeschritten. Aus diesem Grund war die Verkehrssicherheit nicht mehr gegeben und die Anlage musste geschlossen werden. Das war im April 2017. „Manche Bretter waren so morsch, dass ich Angst hatte, drauf zu treten“, sagt Udo Thorwesten von der Unteren Naturschutzbehörde, der sich damals vor Ort selbst ein Bild vom Zustand der Anlage gemacht hatte.

Seine Idee war es auch, die Anlage dauerhaft durch eine wasserresistente Konstruktion aus Recycling-Kunststoff zu ersetzen. „Vorteile wären eine deutlich längere Lebensdauer und eine leichtere Verarbeitung des Materials gewesen, so wäre es insgesamt auch kostengünstiger gewesen“, sagt Thorwesten. Die Kosten für die Erneuerung der gesamten Anlage hätten bei rund 27.800 Euro gelegen. Der Vorschlag stieß aber bei Politikern, Bürgern und Naturfreunden auf wenig Begeisterung und wurde schließlich auch von der Bezirksregierung abgelehnt. So wurde die Umsetzung des Projektes in die Länge gezogen. „Hinzu kam der lange Winter“, sagt Thorwesten.

„Die Bevölkerung, Touristen und Herbergsbetriebe waren sehr verärgert über die schwere Geburt des Projektes. Auch der anfängliche Plan, die Stege im Naturgebiet Hohes Venn aus Recycling-Kunststoffmaterial zu gestalten, stieß bei der Bevölkerung auf herbe Kritik. Ich musste mir schon einige Kommentare anhören“, berichtet Mützenichs Ortsvorsteherin, Jacqueline Huppertz.

Nun wird die Steganlage auf jeweils 15 mal 15 Zentimeter dicke Vierkantpfosten aus Lärchen-Kernholz gesetzt. Die Stärke des Holzes soll eine wesentlich längere Lebenszeit als das Vorgängermodell garantieren. Allerdings in einer abgespeckten Variante, denn der kleine Steg, der einen Rundweg ermöglichte, wird nicht ersetzt, sondern zurückgebaut. Da die rund 75 Meter lange Anlage (mit Aussichtsplattform rund 85 Meter) sich auf einem städteregionalen Grundstück befindet und für die Erneuerung an derselben Stelle keine neue Genehmigung nötig ist, konnte direkt nach Bewilligung der Gelder mit den Baumaßnahmen begonnen werden.

Die Gesamtkosten der zu 50 Prozent von der EU geförderten Maßnahme betragen rund 19.000 Euro (die andere Hälfte bezuschusst das Land NRW mit 80 Prozent, den Rest trägt die Städteregion selbst). Im Vergleich zu vorher würden aber jetzt nichtrostende Schrauben verwendet und bei den tragenden Verbindungen Edelstahlgewindestangen eingesetzt. „Wir geben uns in jedem Punkt Mühe, damit wir lange nicht mehr dran müssen“, sagt Thorwesten. Er rechnet damit, dass die Erneuerung Anfang Juni abgeschlossen sein wird. Ganz genau könne man das aber nicht sagen. „Denn jedes Brett ist ein Unikat.“ Noch vor den Sommerferien soll der Steg aber offiziell seiner Bestimmung übergeben werden.

„Ich bin jetzt froh und erleichtert, dass es endlich geklappt und ein gutes Ende gefunden hat — und das mit Naturholz Lärche, das für besondere Witterungsbeständigkeit bekannt ist“, betont Huppertz.

Palsen-Projekt vor elf Jahren gestartet

Vor elf Jahren errichtet, ermöglichte die Steganlage mit der Aussichtsplattform den barrierefreien Zugang zum für Besucher erschlossenen Palsen im Naturschutzgebiet Hohes Venn. Umgesetzt wurde die Maßnahme im Rahmen des NRW-Ideenwettbewerbs „Natur für alle in Natur-2000-Gebieten“. Der Palsen ist eine der wenigen Moorbildungen in der Städteregion Aachen, an der sich die typischen Tiere und Pflanzen eines Moores in seinen Übergangsphasen beobachten lassen. Inzwischen führt in unmittelbarer Nähe auch der Eifelsteig vorbei.

(ag)
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