Nordeifel: Der „neue Eifeltakt“ nach dem Fahrplanwechsel gefällt nicht allen

Nordeifel: Der „neue Eifeltakt“ nach dem Fahrplanwechsel gefällt nicht allen

Abschied von einigen gut eingespielten Verbindungen mussten die Nutzer des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) nehmen, nachdem am 10. Dezember 2017 der Fahrplanwechsel des Aachener Verkehrsverbundes (AVV) Wirklichkeit wurde.

„In Roetgen, Simmerath und Monschau wird der Taktfahrplan Eifel für bessere und schnellere Verbindungen sorgen“, hatte der AVV im Vorfeld bessere Zeiten für Busbenutzer angekündigt.

Die SB63 verkehrt seit dem 10. Dezember werktags zwischen 6 und 18.30 Uhr im 30-Minuten-Takt als Schnellbuslinie zwischen dem Bushof Simmerath (Bild) und dem Bushof in Aachen. Zugunsten dieser Linie hat es aber an anderer Stelle Einschnitte im Fahrplan gegeben. Foto: Heiner Schepp

Vier Wochen nach Inkrafttreten des neuen Fahrplans aber scheint noch nicht alles rund zu laufen. Der „neue Eifeltakt“, wie der AVV die Neugestaltung des Fahrplans bezeichnet, hat eine Reihe von Fahrgästen wohl eher aus dem Takt gebracht. Besonders von treuen Buskunden aus der Gemeinde Simmerath, hier vor allem aus Rurberg und Woffelsbach, wird Kritik laut.

Durch die Neuordnung des Busnetzes in der Eifel sollten insbesondere die Linien auf den Hauptverkehrsachsen zwischen Aachen und Simmerath bzw. Monschau sowie zwischen Simmerath und Monschau beschleunigt werden und die Fahrpläne besser miteinander verknüpft werden, lautete das Ziel des AVV.

Umständlicher Arztbesuch

Den zentralen Punkt der Veränderung bilden die beiden Schnellbuslinien SB63 Aachen — Simmerath sowie SB66 Aachen — Monschau. Die beiden Schnellbuslinien verkehren jetzt werktags zwischen 6 und 18.30 Uhr im 30-Minuten-Takt. Dies war ein ausdrücklicher und gemeinsamer Wunsch der drei Eifelkommunen.

Diese Verdoppelung des Taktes als Aushängeschild des neues Fahrplanes hat an anderer Stelle aber auch Einschnitte auf weniger frequentierten Linien zur Folge.

„Im Bus wird permanent über den neuen Fahrplan geschimpft“, berichtet beispielsweise Gerd R. über seine erste Erfahrungen. Dass jetzt jede halbe Stunde (vorher war es eine Stunde) ein Bus von Simmerath nach Aachen fährt, ist aus seiner Sicht „völlig überflüssig“.

Der 54-Jährige hat für seine Gewohnheiten, den Bus zu nutzen, bislang nur Nachteile erfahren. Regelmäßige Ziele für ihn sind der Discounter Aldi in Simmerath und ein Arzt in Kesternich. Die Erreichbarkeit dieser Ziele ist für ihn schwieriger und viel umständlicher geworden, seitdem der Bus jetzt nicht mehr von Rurberg hinauf nach Kesternich fährt, sondern über Steckenborn und Strauch den Bushof in Simmerath ansteuert. Hier muss der Fahrgast dann warten und umsteigen, ehe die Fahrt weiter nach Kesternich geht.

Nach dem dortigen Arzttermin beginnt das Spiel von vorne. Jetzt geht die Fahrt zurück nach Simmerath und vom dortigen Bushof mit Umsteigen und Wartezeit wieder an den Rursee. Oft genug komme es dabei auch vor, „dass die Anschlussbusse weg sind. Ich weiß nicht, was diese Änderung soll“, ärgert sich der 54-Jährige.

Auch die Haltestelle an der Matthias-Zimmermann-Straße im Simmerather Gewerbegebiet, gleich gegenüber der Aldi-Filiale, wird nicht mehr bedient. Wenn er jetzt zum Einkaufen fahre, erzählt R., müsse er schwere Einkaufstaschen bis zur nächsten Haltestelle schleppen. Das habe bei ihm bereits dazu geführt, dass er im Onlinehandel bestellt habe oder in größeren Abständen einen Bekannten bitte, ihn zum Einkaufen mitzunehmen. Auch kenne er andere Fahrgäste, „die keine Lust mehr haben, schwere Einkaufstaschen durch die Gegend zu schleppen“.

Die Eingriffe in den neuen Busfahrplan sind aus seiner Sicht daher auch „geschäftsschädigend“ und dem zentralen Einkaufsort Simmerath wenig dienlich.

Von ähnlichen Erfahrungen kann auch Elisabeth H. berichten. „Elf Jahre lang hat das immer gut geklappt“, schimpft sie. Gemeint ist damit die Fahrt mit dem Bus nach Kesternich zwecks Arztbesuch. Nach einem Unfall ist sie gehbehindert, und sie muss jetzt auch den oben beschriebenen umständlichen Weg über Simmerath wählen. „Die Fahrgäste toben, und die Busfahrer müssen es ausbaden“, erzählt sie.

„Man sitzt fest in Kesternich“

Kritik am neuen Fahrplan äußert auch Rita Jansen aus Rurberg. Vor der Änderung sei stündlich ein Bus von Rurberg in Richtung Kesternich gefahren. „Jetzt gibt es kaum noch eine Verbindung nach Kesternich“, wundert sie sich. Die nun erfolgte Änderung betreffe eine Vielzahl von Bürgern, die in Kesternich einen Arzt aufsuchen würden und nun den Umweg über Simmerath nehmen müssten. „Man sitzt regelrecht fest in Kesternich“, beschreibt sie ihre Erfahrungen, die ihr auch andere Betroffene aus dem Dorf geschildert hätten. Besonders für ältere Bürger sei das ein unhaltbarer Zustand.

Ein großer Nachteil sei es auch, dass die Bushaltestelle am Krankenhaus Simmerath jetzt nicht mehr regelmäßig bedient werde. Rund um die Eifelklinik seien rund ein halbes Dutzend Arztpraxen ansässig. Um dorthin zu gelangen, müsse man jetzt die weitaus längere Fußstrecke vom Bushof aus zurücklegen.

Dass die SB 63 nun im Halbstundentakt von Simmerath nach Aachen fahre, bezeichnet Rita Jansen als „sinnlos“. Der bisherige Stundentakt hätte tagsüber völlig ausgereicht, glaubt sie.

ÖPNV ein hoher Kostenfaktor

Anregungen und Kritik am neuen Busfahrplan sind seit dem 10. Dezember auch bei der Gemeindeverwaltung Simmerath eingegangen. Tenor der Äußerungen sei gewesen, dass der halbstündige Takt nach Aachen zwar begrüßt werde, aber es sei auch Kritik an der Reduzierung der Fahrten in die Dörfer geübt worden, berichtet Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns auf Anfrage.

Er weist in diesem Zusammenhang auf die besonderen Umstände in der großen Flächengemeinde Simmerath hin, die den AVV zu einer Prüfung von wenig rentierlichen Strecken veranlasst habe, um die höheren Kosten bei der Einführung des Halbstundentaktes nach Aachen aufzufangen. Dennoch sei der ÖPNV in der Gemeinde Simmerath weit von einer Kostendeckung entfernt. Ohne die Kosten für die Schülerbeförderung stehe im Haushalt 2018 eine Summe von 716 000 Euro zur Deckung der ÖPNV-Verluste zur Verfügung.

Einen gewissen Ersatz für das reduzierte Linienangebot in der Gemeinde könnte laut Hermanns ein Rufbussystem bieten. Zeitnah möchte der Strukturausschuss darüber beraten, ob ein solches zusätzliches Angebot für die Gemeinde Simmerath umsetzbar sei. Einen entsprechenden Antrag, der in den nächsten Wochen beraten werden soll, haben Ende November CDU- und Grünen-Fraktion eingereicht.

Bewährt hat sich das Rufbussystem in Form des „Netliners“ bereits in der Nachbarkommune Monschau. Auf die mit dem Fahrplanwechsel zu erwartenden Änderungen habe man sich bereits vor einem Jahr begonnen einzustellen, sagt Monschaus Bürgermeisterin Margareta Ritter. Es zeigten sich zwar noch „ein paar Hemmnisse“, weil die Nutzer des Netliners selbst aktiv werden müssten, aber auf schwach frequentierten Linien im Stadtgebiet Monschau sei durch den Einsatz des Netliners ein Ausgleich geschaffen worden.

Von den Nutzern werde das Rufbussystem insgesamt als Verbesserung gesehen, und mit der geplanten Anschaffung eines dritten Netliner-Kleinbusses in diesem Frühjahr könnten dann weitere Lücken geschlossen werden.

AVV-Sprecher Markus Vogten weist darauf hin, dass das ÖPNV-Angebot für den Südkreis Aachen mit dem Fahrplanwechsel verbessert worden sei. Es würden jetzt 120.000 Wagenkilometer mehr im Jahr angeboten, die vor allem auf den erhöhten Eifeltakt nach Aachen zurückzuführen seien. Ob als zusätzliches Angebot für Simmerath ein Netliner eingesetzt werde, müsse die Prüfung ergeben. Gerade im ländlichen Raum mache der Einsatz des Netliners aber grundsätzlich Sinn.

Lösung für Simmerath suchen

Das sieht auch Aseag-Sprecher Paul Heesel nicht anders. Das Thema sei bereits auf der Tagesordnung. Nach der Umstellung des Fahrplans, bestätigt Heesel, habe es eine Reihe von Rückmeldungen seitens der Fahrgäste gegeben, die mit dem neuen Angebot nicht zurechtkämen. Dies betreffe vor allem die Gemeinde Simmerath.

Man werde jetzt zunächst die Kritikpunkte sammeln und auf die betroffene Kommune zugehen, „um geeignete und finanzierbare Lösungen zu finden. Das muss nicht zwingend ein Netliner sein“, sagt Heesel. Auch der Aseag-Sprecher weist noch einmal darauf hin, dass die von den Kommunen gewünschte Erhöhung des Fahrzeitentaktes nach Aachen auf der anderen Seite eine Reduzierung des Angebotes zur Folge habe.

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