Nordeifel: Der Kampf gegen die Pflanzeninvasion

Nordeifel : Der Kampf gegen die Pflanzeninvasion

Wenn wir hier im Wilden Westen wären, hinge an jeder Ecke ein Steckbrief mit dem Aufruf „Wanted“ und mit Bildern der drei Gesuchten: Riesenbärenklau (was schon im Namen kriminell klingt), Drüsiges Springkraut und Japanischer Staudenknöterich. Das Trio steht aktuell ganz oben auf der Fahndungsliste der Biologischen Station der Städteregion Aachen.

Invasionsähnliches Auftreten in der Eifellandschaft und bauwerksschädigendes Verhalten werden den drei Gesuchten vorgeworfen. Was hier ein wenig nach Kriminalkomödie klingt, finden Naturschützer und Experten der heimischen Flora gar nicht mal so lustig. Denn die drei genannten Pflanzenarten werden nicht nur den Neophyten, also den nicht auf natürlichem Wege zu uns gelangten Pflanzenarten zugeordnet, sondern zählen auch noch zu den sogenannten invasiven Arten. Damit bezeichnet man rund drei Dutzend zu bekämpfende Tier- und Pflanzenarten, die mit ihrer Ausbreitung Lebensräume, Arten oder Ökosysteme beeinträchtigen und daher der biologischen Vielfalt schaden können.

Gesundheitliche Schäden

Die drei Eindringlinge treten an unterschiedlichen Orten in der Nordeifel auf. Entlang der Vennbahn werden seit einigen Jahren in Roetgen, Simmerath und Monschau Vorkommen des Riesenbärenklaus gesichtet und bekämpft. Im Bachbett der Rur in der Altstadt Monschau breitet sich der Japanische Staudenknöterich aus. Auch die Herkulesstaude ist hier zu finden. Das Drüsige Springkraut vermehrt sich zum Beispiel entlang des kleinen Laufenbachtales und der Eschbachstraße bis in die Rur und verbreitet sich von dort aus Rur abwärts bis auf Simmerather Gebiet. Auch im Belgenbachtal, Kluckbachtal, Holderbachtal und Tiefenbachtal begleitet das Drüsige Springkraut zunehmend die Bachläufe und verdrängt die heimischen Pflanzen.

Neben ökologischen Schäden können durch diese Pflanzenarten auch bauliche und gesundheitliche Schäden hervorgerufen werden. Der Riesenbärenklau verursacht bei Berührung Verbrennungen der Haut, sowohl beim Menschen, als auch bei Haustieren. Der Japanische Staudenknöterich dringt mit seinen Ausläufer-Wurzeln (Rhizome) in Fundamente, Mauern und Asphalt ein und destabilisiert die Ufer von Bächen und Flüssen, was hohe Instandsetzungskosten zur Folge hat.

Die Bundesregierung hat im vergangenen Jahr ein „Gesetz zur Durchführung der EU-Verordnung 1143/2014 zum Schutz der Artenvielfalt vor invasiven Pflanzen und Tieren“ auf den Weg gebracht. Das Gesetz ist im September 2017 in Kraft getreten. Es betrifft öffentliche und auch private Grundstücksbesitzer. Die Zucht, die Haltung oder das Anpflanzen bestimmter Arten sind seitdem verboten. Die Beseitigung kann von der Unteren Naturschutzbehörde angeordnet und muss geduldet werden. Die Kosten der Beseitigung können dem Verursacher auferlegt werden.

Problematische Grünabfälle

Zur Entwicklung einer gemeinsamen Strategie zur Eindämmung der Neophyten haben die Stadt Monschau, die Gemeinde Simmerath, die Gemeinde Roetgen und die Biologische Station der Städteregion Aachen zusammen mit der Städteregion als Untere Naturschutzbehörde vor Monaten einen runden Tisch gebildet. Unter Koordination der Biologischen Station sollten die Gemeinden im Rahmen ihrer Wege- und Grünflächenpflege Neophyten entfernen. Die seit Jahren intensiven Bekämpfungen der Neophyten zusammen mit der Firma LF-Werkstätten, beauftragt von der Unteren Naturschutzbehörde, wurden fortgesetzt und dank der engen Zusammenarbeit der Biologischen Station und den Kommunen intensiviert.

Durch das EU-geförderte Naturschutzprojekte Life „Patches&Corridors“ ist es möglich, in den Schutzgebieten Belgenbachtal, Kluckbachtal, Holderbachtal und Tiefenbachtal das Drüsige Springkraut zu entfernen.

Auch in diesen heißen Sommerwochen sind fleißige Helfer an verschiedenen Brennpunkten unterwegs, um die invasiven Pflanzen auszurupfen. Im malerischen Kluckbachtal zwischen Höfen und Rohren kämpften sich Hermann-Josef Backes und seine Helfer Peter Jansen und Jannick Pauls in den vergangenen Tagen am Bachufer durch meterhohes Springkraut. Längst haben sie den Blick dafür, wie man das Springkraut von sehr ähnlich aussehenden Kollegen in Konkurrenz um Licht und Wasser unterscheidet. „Bis zu 2000 Samen produziert eine einzige Pflanze pro Jahr. Das ist enorm, wenn man bedenkt, dass diese Samen viele Jahre gut keimfähig bleiben, problemlos keimen und vom Gewässer weit getragen werden können“, erklärt Maike Guschal, die bei der Biologischen Station unter anderem für das Neophytenmanagement zuständig ist.

Ein leichter Ruck, dann sind selbst mannshohe Pflanzen aus dem Boden und werden am Ufer fein säuberlich aufgehäuft. „Beim Abtransport müssen wir sehr sorgfältig sein, damit wir die Samen nicht verlieren“, sagt Hermann-Josef Backes, und Maike Guschal ergänzt: „Wirklich beseitigt sind diese Pflanzen nur, wenn wir sie verbrennen.“ Deshalb müsse man das Springkraut nach Entfernung im heimischen Garten auch dringend in den Hausmüll entsorgen und keinesfalls auf dem Komposthaufen.

Problem Grünabfälle

Stichwort heimischer Garten: Dringend bittet die Bio-Station die Bevölkerung darum, bei der Beseitigung der Eindringlinge mitzuhelfen. Problematisch sind in diesem Zusammenhang illegale Grünabfälle. Die Ausbreitung vor allem des Japanischen Staudenknöterichs wird durch das Entsorgen von Gartenabfällen in der freien Natur gefördert. Für Bürger der Stadt Monschau ist die Entsorgung in Grüncontainern an wechselnden Orten möglich. Außerdem können Grünabfälle beim ELC-Süd in Imgenbroich im Gewerbegebiet entsorgt werden. Den Bürgern der Gemeinde Simmerath steht in Rollesbroich, Völlesbruchstraße, bei der Firma Simmerather Recycling GmbH eine kommunal geförderte Grünschnittannahmestelle zur Verfügung.