Vogelsang: Der Bischof beflügelt sogar die Bauarbeiten in Vogelsang

Vogelsang : Der Bischof beflügelt sogar die Bauarbeiten in Vogelsang

Zum ersten Mal besuchte der Aachener Bischof Dr. Helmut Dieser die ehemalige NS-Ordensburg Vogelsang. Nach einem Rundgang segnete er eine Kreuz-Stele aus Glas im Willkommensbereich der Nationalpark-Seelsorge ein, die im ehemaligen Kameradschaftshaus 6 untergebracht ist.

Sichtlich bewegt hielt der Bischof am Samstag eine Predigt, die die Würde des Menschen in den Fokus stellte. Bischof Helmut Dieser: „Ich bin mit doppelter Neugierde nach Vogelsang gekommen. Einmal wegen des Ortes selber und dann beschäftigt mich die Frage: Was machen wir als Kirche hier?“ Tief beeindruckt zeigte er sich von der Wirkung des Ortes und befand: „Es ist wichtig, dass wir als Kirche hier präsent sind.“

Bischof Dr. Helmut Dieser segnete in Vogelsang eine Glas-Stele ein. Foto: Gudrun Klinkhammer

Auch die Natur, in der die ehemalige NS-Ordensburg Vogelsang liegt, war Thema in der Predigt des Bischofs. Alle Komponenten zusammen werfen die Frage auf: „Was ist der Mensch?“ Bezüglich der NS-Zeit sagte Dieser: „Wenn wir ins Detail gehen, kann man schnell den Mut verlieren. Da stellt sich die Frage: Wie kann man die Würde des Menschen sichern und begründen?“

Der hohe Kirchenmann aus Aachen sprach aus seiner Konfession, seinem Glauben heraus: „Der Mensch innerhalb der Größe der Natur ist ein Geschenk, das von Gott gegeben wird. Es bleibt dabei: Wir dürfen das Staunen nicht verlernen und niemand besitzt den anderen. Und stirbt die Natur, dann stirbt auch der Mensch.“ Die Würde begründe sich in den Aussagen: „Ich gebe Dich nie auf, lasse Dich nie fallen.“

Die Kirche als Kontrapunkt zur NS-Zeit, diese Gedanken spiegelt auch die neue Kreuz-Stele wider, die Glaskünstlerin und Grafikdesignerin Hildegard Zieger aus Aachen fertigte. Die 54-Jährige ist eine geborene Kersting, sie wuchs in Schleiden auf.

Auch ihre Mutter, Maria Kersting, war bei der Einsegnung der Stele anwesend, ebenso wie der ehemalige Kommandant von Vogelsang während der belgischen Besatzungszeit, Victor Neels mit Gattin, der Schleidener Bürgermeister Udo Meister, Michael Lammertz, Leiter Kommunikation Nationalpark Eifel, und Manfred Poth sowie Albert Moritz von „vogelsang ip“ und der Standortentwicklungsgesellschaft.

Hildegard Zieger: „Die Stele steht in einem Raum mit 13 Fenstern und unvergleichlichem Ausblick.“ Allerdings steht sie vor einer massiv gemauerten Wand. Da suchte die Künstlerin den Gegensatz, der allerdings die Fensterfläche und den Ausblick mit aufnimmt. Sie fand die Lösung in der Schlichtheit und der Transparenz.

Die Glas-Stele ist menschenhoch, das gekratzte Kreuz befindet sich auf Augenhöhe. Eingebettet ist der Fuß des Glases in einen 250 Kilogramm schweren Stein aus Grauwacke. Zieger: „Die Stele ist ein filigraner, zerbrechlicher Kontrapunkt zu den martialischen Steinbildern in Vogelsang.“ Über die Anfrage, diesen Beitrag leisten zu dürfen, hat sich Hildegard Zieger sehr gefreut.

Die Begrüßung der Gäste übernahm mit Humor der Schleidener Pfarrer Philipp Cuck. Nationalpark-Seelsorger, und Pastoralreferent Georg Toporowsky berichtete von seiner Arbeit. Zunähst freute er sich über die „heilende Wirkung“ des Bischofs. Denn monatelang habe die Baustelle an der Nationalpark-Seelsorge vor sich hingedümpelt, bis sich der Bischof angekündigt habe. Plötzlich sei Leben in die Baustelle gefahren und aus einer „lahmen Baustelle“ wurde eine agile. Toporowsy schmunzelnd: „Der ganze Vorgang ist aktenkundig.“

Weiter wies er darauf hin, dass es im Gebäude der Nationalpark-Seelsorge bals eine Ausstellung mit Otto Pankok-Bildern geben werde. Bei der Sammlung handele es sich um eine Schenkung.

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