Bonn/Würselen: Demenz bereitet Kliniken große Probleme

Bonn/Würselen: Demenz bereitet Kliniken große Probleme

Immer mehr ältere Patienten in Krankenhäusern haben eine Demenz und stellen die Kliniken vor neue Herausforderungen. Das sei ein „dramatisches Problem”, sagte der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG), Werner Hofmann jetzt in Bonn auf dem Kongress der Gesellschaft.

„Ab 2020 wird jeder fünfte Krankenhauspatient unter einer Demenz leiden.” Die Kliniken würden von dieser Entwicklung überrollt und seien bislang nicht ausreichend auf die Behandlung und Pflege von Demenzkranken eingestellt.

Das beginnt bereits in der Notaufnahme. Wenn Hektik herrscht und unangenehme Untersuchungen notwendig sind, reagieren demenzkranke Patienten darauf mit Angst, Unruhe und Wutausbrüchen. Ärzte und Pflegepersonal in den Kliniken sind mit diesen Patienten dann überfordert. Hofmann forderte, Krankenhäuser alters- und demenzgerecht zu gestalten. Optimal wären Spezialstationen für die Erkrankten, in denen Geriater zusammen mit den Fachärzten solche Patienten betreuten. Idealerweise sollten die Stationen mit nicht mehr als zwölf Betten überschaubar bleiben.

Konzepte für die Behandlung und Pflege von geriatrischen - also „alten” - Patienten sieht Rudolf Harlacher, Leiter der geriatrischen Klinik am Betriebsteil Marienhöhe des Medizinischen Zentrums (MZ)der Städteregion Aachen in Würselen als eine wichtige, zukünftige Aufgabe der Krankenhäuser an. Denn nicht nur der Anteil demenzkranker Patienten nimmt zu, auch der Anteil von Patienten mit mehreren Krankheiten steigt rasant an. Der demografische Wandel ist sicher ein Grund für diese Entwicklung. Doch auch der medizinische Fortschritt hat seine Auswirkung auf die Patientenstruktur in den Kliniken. Während jüngere Patienten beispielsweise bei manchen Erkrankungen mit moderner „Schlüsselloch -Operation” ambulant behandelt werden, kommen ältere Patienten weiterhin nicht um einen stationären Aufenthalt herum.

Im MZ-Betriebsteil Marienhöhe gibt es seit 13 Jahren eine geriatrische Abteilung: derzeit stehen insgesamt 120 Betten für den akutmedizinischen (stationären) Aufenthalt sowie für die Rehabilitation zur Verfügung. Da die meisten geriatrischen Patienten mehrfach erkrankt sind, wird in Würselen interdisziplinär mit Internisten, Neurologen, Rheumatologen, Orthopäden und Unfallchirurgen zusammengearbeitet.

Geriatrische Patienten benötigen einen vielfach höheren pflegerischen Aufwand als Normalpatienten. „Die ungewohnte Umgebung im Krankenhaus ist schon eine Belastung”, sagt Harlacher. Das fängt beispielsweise bei der Ernährung an. Wenn die alten Menschen ihre Alltagsfähigkeiten verlieren - sich nicht einmal um ihr Frühstück oder den Kaffee kümmern müssen - dann fehlt schnell der Anreiz, selbstständig zu bleiben. Deshalb ist es wichtig, dass das Pflegepersonal systematisch geschult wird. Ausgebildetes Personal kann mit Patienten, welche die Nahrungsaufnahme verweigern, umgehen, erkennt Schluckstörungen oder eine sich anbahnende Lungenentzündung, die oft in Folge von Bettlägerigkeit und Verschlucken entsteht.

Ein weiterer, zentraler Punkt ist auch die Entlassungsplanung. Es reiche nicht, nur Hinweise oder Informationsmaterial mitzugeben, sagt Harlacher. Vielmehr müsse die Weiterbetreuung des Patienten mit der Entlassung ganz konkret organisiert sein.

Neben dem MZ in Würselen gibt es in der Region gibt es noch im St.-Marien-Hospital in Düren-Birkesdorf eine geriatrische Station, das Haus Cadenbach am Aachener Luisenhospital verfügt über eine geriatrische Reha-Klinik. Eine Antwort auf die Frage, ob die geriatrische stationäre Versorgung auch für Patienten mit einer Demenzerkrankung vor Ort ausreichend sei, soll eine Umfrageaktion, durchgeführt von der Kommunalen Gesundheitskonferenz der Städteregion Aachen geben.

Stürze, Infarkte und Mangelernährung

Mit der Demenz gingen Stürze, Schenkelhalsbrüche, Herzinfarkt und akute Infektionen einher, sagt Geriatrie-Experte Werner Hofmann. Deshalb lägen auch in Kliniken der Inneren Medizin und Chirurgie viele Demenzkranke. Dort habe bereits etwa jeder Vierte die Erkrankung.

Problematisch sei auch, dass 20 bis 30 Prozent der Patienten in Geriatrischen Abteilungen unter Mangelernährung litten, meint Geriatrer Ralf-Joachim Schulz. Lediglich 18 Prozent der durchschnittlich 80 Jahre alten Patienten seien gut ernährt. Folge sei, dass die Patienten oft länger im Krankenhaus bleiben müssten und ein höhere Sterberisiko hätten.