Nordeifel: Dauerbaustelle Himmelsleiter: Eifelwinter treibt zur Höchstleistung

Nordeifel: Dauerbaustelle Himmelsleiter: Eifelwinter treibt zur Höchstleistung

Sonderlich beeinflusst hat die Großbaumaßnahme auf der Himmelsleiter den täglichen Pendlerverkehr nach Aachen und zurück in die Eifel nicht. Der einspurige Verkehr auf der schmalen und abenteuerlich anmutenden Berg- und Talfahrt floss zwar meist deutlich langsamer als normal, zu Stau und Stillstand kam es aber ebenso nicht wie zu den orakelten Unfällen.

„Es war uns ein Hauptanliegen, den Pendlern, die hier täglich fahren, nicht über drei Monate eine Baustellenampel zuzumuten”, erklärt Edgar Meyer vom Landesbetrieb Straßen NRW das Anlegen der Behelfsspuren.

Die eine, nämlich jene in Richtung Aachen, soll schon in wenigen Tagen (geplant: 5. November) wieder sieben Meter höher, nämlich auf die künftige Trasse verlegt werden, wenn dort Leitplanken installiert und die Markierungen aufgebracht sind. Die Behelfsspur wird dann angeschüttet zum künftigen Steilhang zwischen Autofahrern oben und Radfahrern entlang der B 258 unten.

Die jetzige Fahrspur Richtung Eifel auf der Waldseite bleibt hingegen noch ein paar Wochen Provisorium und soll Anfang Dezember wieder zum Radweg werden, wenn auch diese Fahrspur auf die neue Straße verlegt wird. Damit wären zum meteorologischen Winteranfang (1. Dezember) die Behelfsspuren Geschichte, denn so gut sie auch ihren Zweck erfüllt haben - bei Eis und Schnee könnte es hier doch zu Problemen kommen, fürchtet auch Edgar Meyer. Deshalb soll das Projekt mit Ausnahme der Begrünung, die erst nach „Setzen” des Hangs in einem jahr vorgesehen ist, auch 2012 weitesgehend fertig gestellt werden.

„Und das alles nur für ein paar Radfahrer?” lautet der meist gehörte Vorwurf an die Adresse der städteregionalen Politik, die sich das Freizeit- und Tourismusprojekt immerhin 1,4 Millionen Euro kosten lässt. Für Edgar Meyer profitieren aber nicht nur die Radler, Wanderer und Inlineskater, die künftig gefahrlos den durch die B 258 zerrissenen Wald queren können, von der Maßnahme. „Der Wegfall der Bahnquerung und der Senke stellt auch für den Kraftfahrzeugverkehr eine deutliche Verbesserung dar”, ist Meyer überzeugt, dass die vielbefahrene Strecke nun „deutlich harmonischer” sei.

Die noch diese Woche per Leserbrief geäußerte Befürchtung, durch das neue Profil werde die Himmelsleiter in Zukunft im Winter noch problematischer zu befahren sein, teilt der Planer von Straßen NRW nicht: „Die maximale Steigung beträgt 7,9 Prozent - exakt wie vorher. Sie erstreckt sich lediglich auf eine größere Länge”, rechnet Edgar Meyer vor. Etwa in Höhe des neuen Tunnels hat man künftig, von Aachen kommend, die Steigung überwunden und legt bis zur Kurve an Münsterbildchen ein flacheres Stück zurück als bisher. „Den Tunnel, wie im Leserbrief angeregt, noch tiefer zu legen, war keine Option, da der Radweg dann mehr als zwei Prozent Steigung gehabt und das Kriterium ,Premium-Radwanderweg verloren hätte”, erklärt Edgar Meyer.

Abgesehen davon werde der Winterdienst hier, wie bisher, beim Streuen und Räumen ein besonderes Augenmerk auf das Steigungsstück legen.

Im viel diskutierten Tunnel selbst muss nach Abschluss der Straßenbauarbeiten lediglich noch die Feindecke aufgebracht und das Tunnelinnere verkleidet werden.

Wann die Querung offiziell freigegeben und ob es dafür eine kleine Feierstunde geben wird, weiß man bei Straßen NRW nicht, „das ist Sache der Städteregion”, so Projektleiter Meyer.

Fakt aber ist, dass das Ravel-Netz (französisch: Réseau Autonome de Voies Lentes/„unabhängiges Netz langsamer Wege”) mit dem Lückenschluss auf der Himmelsleiter einen großen Schritt nach vorne und vor allem in Richtung Belgien, wo die Idee für den Radweg auf einstigen Bahnstrecken entstand und seit 1995 vorangetrieben wird. „Ravel” bezeichnet dabei das gesamte Radwegenetz in der belgischen Wallonie, der Radweg auf der Vennbahntrasse stellt die „Route 48” innerhalb dieses Netzes dar. Fertig ausgebaut führt der Radweg von Aachen über Monschau, Waimes und Sankt Vith bis ins luxemburgische Troisvierges (dt. Ulflingen), insgesamt 130 Kilometer mit eisenbahntypischen sehr geringen Steigungen. Die komplette Fertigstellung ist im Jahr 2013 geplant.

Seit 2008 ist die Finanzierung des Teilstücks Walheim bis Weismes gesichert. Die Kosten wurden mit 11,3 Millionen Euro veranschlagt, wovon die EU 3,1 Millionen trägt. Die Wallonische Region beteiligt sich mit 4,7 Millionen, NRW trägt 3,2 Millionen, woran sich die Stadt Aachen, die Städteregion Aachen sowie Roetgen, Simmerath und Monschau mit insgesamt 1,3 Millionen Euro beteiligen. Auf deutscher Seite war die Strecke 2008 bis Walheim bereits fertiggestellt.

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