Mützenich: „Das Leben wird durch Jazz erst schön”

Mützenich: „Das Leben wird durch Jazz erst schön”

Er ist Kunstsammler, Ausstellungsmacher und Konzertmanager. Er erklärt seine Bilder und kümmert sich persönlich um das Wohl seiner Gäste: Mäzen Bernhard Schrouff, „Spiritus rector” des „Weissen Pferdchens” in Mützenich.

Jetzt hatte er zum ersten Konzert im neuen Jahr eingeladen, in den Saal im Kunsttreff an der Eupener Straße.

Trotz der eisigen Eifel-Temperaturen war eine Hundertschaft der Einladung gefolgt. Man fand -nicht etwa in steifer Konzertbestuhlung, sondern an langen Tischen seinen Platz. Kneipengemütlichkeit, ganz so, wie sich das der Hausherr gewünscht hatte: „Die Menschen zusammenführen”. Der Blick zum Musikerpodest bot immer neue Perspektiven, auch hin zu den Porträts von russischen Malern, der jüngsten Ausstellung.

Vielseitig wie der Hausherr zeigten sich auch die musikalischen Gäste. Ihr Ensemblename ist auf doppelte Weise Programm. „Vielsaitig” verrät die instrumentale Besetzung, in welcher meistens die Saiteninstrumente Gitarre, Banjo und Bass das Klangbild bestimmen.

Die Gruppe ist, als Trio oder Quartett, bereits seit zehn Jahren unterwegs. Auch mal mit der Sängerin Lia Otten, diesmal mit dem Saxophonisten Feri Nemeth. Von vielerlei Auftritten liest man im Internet: in Jazzclubs, bei Kunstfestivals, in der Kneipe, auch mal am Koniginnentag in den NIederlandenoder in einer Wahlveranstaltung.

Vielseitigkeit zeigt die Band auch bei der Auswahl ihrer Quellen. Man lässt sich von Jazz-Standards inspirieren, von Blues und Swing, von Bossa Nova bis zum BeBop. „Easy-Listening Jazz” ist das Motto: „leicht zu hören” - entspannter, unbeschwerter Jazz.

Bandleader Dr. Horst Bodden erwies sich sowohl als souveräner Spieler, wie auch als gut gelaunter Moderator und engagierter Anwalt der Mundharmonika. An einigen Schulen werde dieses Instrument in der Gruppe unterrichtet. Auch als Therapie-Instrument sei es erfolgreich eingesetzt worden.

Wer geglaubt hatte, dass die Mundharmonika nur etwas mit Wandervogel- und Blues-Romantik zu tun hätte, staunte nicht schlecht über die virtuosen Jazzklänge, welche Bodden seiner chromatischen Mundharmonika entlockte.

Der Abend lief wie eine Jamsession ab. Man stellte Instrumental-Interpretationen bekannter Songs und Evergreens vor. Sie stammten wohl alle aus der „Bibel” der Jazzer, dem „Standards Real Book”. Da wurde auch mal locker das nächste Stück bestimmt, dem Publikum gab man ein paar Hintergrundinformationen, man versicherte sich noch der zu spielenden Tonart, probierte einige Harmonien - und los ging das Vergnügen! Für ein Stammpublikum klassischer Konzerte natürlich ein schwer zu durchschauendes Ritual.

Erstaunlich, wie sich vier unterschiedliche Musikerpersönlichkeiten zum Ensemble fanden, wie die Liebe zur Jazzmusik ein kreatives Zusammenspiel ermöglichte. Obwohl man auf einen Schlagzeuger verzichtet hatte, „groovte” es mit voller Energie. Angetrieben vom Gitarristen Paolo Renzulli, welcher dem Zigeunerstil eines Django Reinhardt nahe steht. Dazu Manni Hilgers am Kontrabass, technisch äußerst versiert und hörbar mit akademischen Weihen gesegnet. Feri Nemeth, ein blinder Saxophonist, beeindruckend in seinen kraftvollen, auch mal ekstatischen Soli, anrührend in stillen Momenten, ein Zauberer auf seinem Instrument.

Das Klischee, dass Jazz eine elitäre musikalische Sportart sei, der sich Rotwein trinkende Intellektuelle in verrauchten Kneipen hingeben, wurde gründlich widerlegt. Nicht nur, dass man - selbstverständlich - keine Raucher sah, die Frauen waren zahlenmäßig ebenbürtig vertreten. Man zeigte gute Laune, ging begeistert mit. Improvisationen wurden kräftig applaudiert. Bei Welthits und Evergreens wurden Erinnerungen wach. Dieses Gefühl „Mit Musik abheben, fliegen und glücklich sein” (Feri Nemeth) wurde zum Motto des Abends.

Schließlich war dem Publikum warm geworden. Also spielte der „Mann mit der Mundharmonika”, süchtigmachend, Gershwins „Summertime”, und der Saxophonist holte nochmals Luft, um die Sängerin der Band würdig zu vertreten.

Achtzehn Titel waren verklungen, als das Konzert kurz vor Mitternacht endete. Die begeisterten Besucher schienen einig mit Wolfgang Lauth, dem großen deutschen Jazzpianisten: „Das Leben wird durch Jazz erst schön!”