Nordeifel: Das Hoffen auf einen WM-Glückstreffer

Nordeifel : Das Hoffen auf einen WM-Glückstreffer

„Fußball ist ein einfaches Spiel. 22 Spieler rennen 90 Minuten lang dem Ball hinterher und am Ende gewinnen immer die Deutschen.“ Gary Linekers Kult-Spruch galt lange Zeit als fußballerisches Gesetz. Bis Mittwoch, als Südkorea in den Schlussminuten zwei Tore schoss und die Deutschen nach Hause schickte — als Gruppenletzter.

In der Nordeifel haben das viele beim Public Viewing erlebt. Auch wenn von der Euphorie des Rudelguckens, das 2006 während des heimischen Sommermärchens populär wurde, in diesem Jahr fast nichts mehr zu spüren war. Einige wollten und konnten auch beim Turnier in Russland nicht drauf verzichten — wir hatten Ihnen einige Angebote in unserer Zeitung vorgestellt. Dass nach drei Spielen in der vermeintlich einfachen Gruppe F Schluss ist, hat wohl keiner für möglich erachtet, war das Ziel unter den Fans doch klar formuliert: Titelverteidigung.

Im Vereinsheim des FC Roetgen hatten die Verantwortlichen mit mehr als drei Spielen gerechnet, sagt der FC-Vorsitzende Tom Moosmayer. „Das nach der Vorrunde Schluss ist, konnten wir uns nicht vorstellen.“ Als ehemaliger Fußballprofi — er bestritt 2008 sein erstes Profispiel in der Dritten Liga mit den Kickers Emden — hatte er nach dem ersten Auftritt der deutschen Mannschaft schon ein schlechtes Gefühl: „Es fehlte der letzte Wille. Die Spieler haben eher versucht, ihr Ding runterzuspielen“, sagt er. „In dem Team fehlen einfach die Typen, die sagen, wo es lang geht und noch mal richtig motivieren.“

Gerne hätte er noch das ein oder andere Spiel mit seinen FC-Kollegen geschaut. „Und natürlich auch mit allen anderen aus dem Dorf.“ Aber mit dem Ausscheiden von Jogis Jungs ist auch das Public Viewing bei den Roetgenern vorbei. „Trotzdem war es eine schöne Veranstaltung, gerade beim ersten Spiel war sehr viel los“, sagt Moosmayer.

In der Gaststätte Wilden in Simmerath wird der für die Deutschlandspiele extra geöffnete Saal ab sofort geschlossen bleiben. „Natürlich werden die anderen Spiele weiterhin bei uns in der Kneipe gezeigt“, sagt Besitzer Johann „Schang“ Wilden. An sich sei er zufrieden mit der Anzahl an Besuchern gewesen, nur zu wenig Spiele seien es im Endeffekt gewesen. „Ich habe zwar das frühe Aus der Deutschen befürchtet, aber man hofft ja immer noch auf einen Glückstreffer.“ Und der kam bekanntlich nicht. Neben dem Sportlichen sei auch das Finanzielle ein Thema. „Während eines Deutschlandsspiels machen wir schließlich viel mehr Umsatz.“

Ob sich Public Viewing überhaupt lohnt, das haben sich vor der WM auch Mark Roeben und sein Vater Karl-Heinz gefragt. Im „Nassenhof“ gab es deswegen eine Regeländerung: Der Eintritt für Erwachsene kostete 15 Euro, dafür gab es aber auch fünf Frei-Getränke. Der Grund dafür war, dass sich bei der EM vor zwei Jahren einige Besucher ihre eigenen Getränke mitgebracht und die besten Plätze belegt hatten. Dafür habe man auch in Kauf genommen, dass weniger WM-Begeisterte kommen würden. „Aber es wurde trotzdem gut angenommen. Ich sag mal so: Jedem kann man es auch nicht recht machen“, so Mark Roeben. Geplant habe man hier aber auch weiter als nur bis Ende der Gruppenphase. „Wir sind eigentlich mindestens vom Viertelfinale ausgegangen.“

Das Turnier geht weiter

Ganz groß aufgefahren wurde auch das Public Viewing in der „Bodega“. Nicht nur Leinwände und Fernseher wurden extra aufgebaut, es gab sogar ein Tippspiel. Eine 0:2-Pleite gegen Südkorea hat fast niemand getippt vorher. „Auch wenn es letzlich von der Leistung her zu erwarten war“, sagt Max Becker von der Bodega. „Wir lassen aber trotz des Aus der deutschen Mannschaft alles komplett weiterlaufen.“ Er erwarte zwar, dass die Resonanz weniger würde, aber das Turnier gehe schließlich weiter. „Wir haben schon gehört, dass viele jetzt zu unserem Nachbarland halten.“ Belgien überzeugt bislang mit gutem Fußball und könnte in der Tat noch weit kommen.

(tys)