Nordeifel: Das große Aufräumen am Tag nach dem Unwetter in der Eifel

Nordeifel : Das große Aufräumen am Tag nach dem Unwetter in der Eifel

Nach einem der heftigsten Unwetter der vergangenen Jahre galt es am Mittwoch die Schäden zu registrieren und zu beseitigen. Viele Bäche, Bankette und Seitengräben konnten das Wasser nicht mehr fassen, traten über die Ufer und spülten eine Menge Geröll auf die Straßen, als Hagel mit Körnern so groß wie Tischtennisbälle, extremer Starkregen, Blitz, Donner und orkanartige Böen am Dienstagnachmittag über die Eifel fegten.

In Kalterherberg fielen bis zu 55 l/qm Niederschlag, in Mützenich waren es 42 Liter in knapp einer Stunde. Örtlich fielen laut Radarauswertungen auch bis zu 70 l/qm. Zahlreiche Keller liefen voll Wasser, Bäume und Äste stürzten auf Straßen und Stromleitungen.

Zum reißenden Strom mit brauner Brühe wurde die Monschauer Rur, hier im Bereich der Aubrücke, am Dienstagnachmittag (großes Bild). Der Pegel schoss hier von harmlosen 22 Zentimetern noch um 14 Uhr auf 106 Zentimeter eine gute Stunde später (kleines Bild). Foto: A. Gabbert/Quelle: wetteronline.de.

Äste, Matsch und Müll

Die Eschbachstraße wurde besonders in Mitleidenschaft gezogen: Gleich nach dem Unwetter begannen die Aufräumarbeiten. Foto: A. Gabbert

Überall waren die Löschgruppen der Feuerwehr im Einsatz, um gegen die Wassermassen anzukämpfen und die entstandenen Schäden zu beseitigen. Auch die Rur wurde zu einem reißenden braunen Strom, der alles im Weg Stehende mitriss. Das Ergebnis war anschließend auch auf dem Obersee zu sehen. Dort trieben Äste, Matsch und Müll auf dem ebenfalls braunen Wasser.

Für Radfahrer kein Durchkommen mehr: Der Weg zwischen der Elwin-Christoffel-Realschule und der Haag wurde so stark in Mitleidenschaft gezogen, dass er gesperrt werden musste und nun nur noch für Fußgänger zugänglich ist. Foto: A. Gabbert

Die Gemeinden Simmerath und Roetgen kamen vergleichsweise glimpflich davon, obwohl auch hier einige Schäden zu beklagen waren. Am heftigsten erwischte es aber wohl die Monschauer Altstadt. Der Eschbach entwickelte sich in kurzer Zeit zu einem reißenden Strom, suchte sich über die Fahrbahn der Eschbachstraße den Weg ins Tal und riss dabei Teile des Pflasters mit.

„Wir sind dabei, die Schäden zu erfassen“, erklärte Bürgermeisterin Margareta Ritter am Mittwoch auf Nachfrage. Städtische Gebäude, Straßen und Waldwege würden nun untersucht. Dazu gehört zum Beispiel auch die Grundschule in Höfen, wo das Wasser ebenfalls eingedrungen war.

Das ausgespülte Pflaster in der Eschbachstraße wurde schon am Dienstag nach dem Gewitter von Mitarbeitern des Bauhofs provisorisch geflickt. Eigentlich wäre hier die Städteregion als Baulastträger zuständig. Man habe aber schnell handeln wollen, um auch die Anfahrt des Rettungswagens für die untere Eschbachstraße sicherzustellen, da eine Zufahrt über die Austraße zurzeit nicht möglich sei, erläuterte Ritter.

In der Eschbachstraße sei aber nicht nur das Pflaster ausgespült worden, auch eine Entwässerungsleitung sei abgesackt und müsse repariert werden. Starke Schäden habe es auch an dem Weg entlang des kleinen Laufenbachs zwischen der Elwin-Christoffel-Realschule und der Haag gegeben. Dieser wurde so stark in Mitleidenschaft gezogen, dass er gesperrt werden musste und nun nur noch für Fußgänger zugänglich sei. Größere Schäden habe es auch bei der Zuwegung der Grillhütte im Belgenbachtal gegeben, sagte Ritter.

Der Bauhof der Gemeinde Simmerath hatte nach dem Unwetter auch gleich mit den Aufräumarbeiten begonnen und war bis in den späten Abend im Einsatz. Am nächsten Tag wurden die Arbeiten fortgesetzt. Dabei habe es sich um etwa fünf Stellen im Gemeindegebiet gehandelt, insbesondere im Rurtal, sagte Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns. So seien zum Beispiel in Erkensruhr die Ortsdurchfahrt wieder freigeräumt und der Campingplatz Hammer von Schlamm beseitigt worden. „Wir haben viel Glück gehabt“, sagte Hermanns.

In Teilen der Gemeinde Simmerath funktionierten nach dem Unwetter das Festnetztelefon und das Internet nicht mehr. Auch das Rathaus war bis Mittwochmittag telefonisch nicht mehr erreichbar. Man sei dabei, die Störungen zu lokalisieren und werde diese vermutlich in den nächsten Tagen behoben haben, teilt die Telekom auf Anfrage mit. Die Störungen hätten aber nichts mit den Gewittern zu tun.

Viele Versicherungsschäden

Viele Anrufe gab es am Mittwoch aber bei den Versicherungsagenturen in der Eifel. „Fast alle haben den Keller unter Wasser“, sagte Dieter Stupp, der in Imgenbroich die Niederlassung einer Versicherung leitet. Dabei seien aber meist keine größeren Schäden entstanden. „Ich hatte größere Schäden erwartet“, sagt Stupp.

In der Eschbachstraße sehe die Situation aber anders aus. Dort seien auch Kellerfenster von den Wassermassen eingedrückt worden, wodurch dann Matsch und Schlick in die Häuser gelangt seien. Neben den Wasserschäden habe es aber auch an verschiedenen Stellen in der Nordeifel Hagelschäden an Autos, Wohnwagen, Carports und Gewächshäusern gegeben.

Stupp weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass man mit der Regulierung durch eine Versicherung nur rechnen könne, wenn man auch gegen sogenannte Elementarschäden versichert sei, wozu zum Beispiel Überschwemmungen, Rückstaus, Erdbeben und Lawinen zählen.

Eine Entspannung der Wetterlage ist derweil nicht in Sicht. Am Donnerstag seien neue, teils kräftige Gewitter mit Unwetterpotential möglich. Auch am Freitag müsse noch mit weiteren schweren Gewittern und starken Regenfällen gerechnet werden, sagt unser Wetterexperte Andy Holz .

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