Monschau: Das Gemeindekonzert wird zum Ereignis

Monschau : Das Gemeindekonzert wird zum Ereignis

Schon der Titel zeigte das Besondere an. Denn das „Gemeindekonzert“ der Kirchengemeinde Monschauer Land am Sonntagabend war nicht nur ein — und sei es auch besonders niveauvolles — musikalisches Ereignis.

Es war darüber hinaus eine menschlich intensive Begegnung der (aktuellen und früheren) Musiker und Musikerinnen der Gemeinde sowie von (nicht nur musikalischen) Freunden und Gästen. Es war ein Ereignis der Gemeinde.

Dies zeigte sich vor allem am Schluss, als es darum ging, die langjährige Leiterin des Monschauer evangelischen Kirchenchors, Ingeborg Gäb, zu verabschieden, die jetzt in den Ruhestand geht. Seit 26 Jahren hat sie nicht nur den Kirchenchor geleitet, sondern auch die evangelische Kirchenmusik in Monschau im Ganzen engagiert mitgestaltet.

Nicht umsonst wussten die anwesenden Pfarrer der Kirchengemeinde und das Presbyterium ihr großen Dank für ihr Wirken, das eine ganze Epoche in der Geschichte vor allem der früheren Kirchengemeinde Monschau geprägt hatte, auszusprechen.

Das reichhaltige und abwechslungsreiche Konzert erwies sich nachträglich gewissermaßen als Abschiedsgeschenk für die scheidende Chorleiterin. Sie hatte daran natürlich auch selber Anteil mit zwei Chorstücken — einmal mit „ihrem“ evangelischen Chor bei einer Motette von Melchior Franck, dann aber auch mit dem überaus eindrucksvollen Schlussstück, dem Psalm 43 in der Vertonung von Felix Mendelssohn-Bartholdy, das von den Chören beider Monschauer Kirchen in ökumenischer Gemeinsamkeit dargeboten wurde.

Darüber hinaus wirkte Ingeborg Gäb aber auch mehrfach als Cembalo-Begleiterin mit. So bei einer Arie von Georg Friedrich Händel (aus dem Oratorium „Joshua“), die von der Monschauer Sopranistin Tatjana Kronau präzise und bewegend gesungen wurde, sowie bei einer Violine-Sonate von Franz Benda, bei der Ingeborg Gäbs Ehemann und musikalischer Partner Uwe Gäb in bewährter und versierter Weise den Violinpart übernahm.

Umfangreich, immer kurzweilig

Mit all dem ist freilich lediglich ein Teil des umfangreichen, dabei immer kurzweiligen Programms angesprochen. Es wurde von der informativen Moderation von Pfarrer Jens-Peter Bentzin begleitet, der es immer wieder verstand, die musikalischen Beiträge mit dem geistlichen Aspekt des Reformationsjubiläums zu verbinden. Gleich zu Beginn wurde auch die Gemeinde einbezogen mit dem Lied „Von guten Mächten“; hier ließ sich — eine weitere Besonderheit — der Roetgener Posaunenchor unter der Leitung von Dr. Helmut Bechtel von der Empore hören.

Dieses Ensemble machte auch noch bei zwei weiteren Beiträgen Eindruck. Susanne Hoenen und Hansotto Schwacke sowie Gwendolen Webster am Cembalo spielten lebendig und authentisch eine Triosonate für zwei Altblockflöten von Johann Joachim Quantz.

Anno Schreier und Christoph Goffart ließen die kleine Aushilfsorgel überaus klangschön hören, zunächst bei drei Stücken aus den „Fiori musicali“ von Girolamo Frescobaldi sowie dann bei der Fuge c-moll, BWV 575, von Johann Sebastian Bach.

Eine Art von innerem Höhepunkt des Programms bedeutete es, als der berühmte Text des Eingangslieds „Von guten Mächten“ von Dietrich Bonhoeffer noch einmal erklang, diesmal in einer aktuellen Vertonung für Sopran und Orgel aus der Feder des zeitgenössischen Komponisten Konrad Lang, der auch selbst anwesend war. Hier zeigte noch einmal Tatjana Kronau ihre Fähigkeit, einen solchen Text ganz von innen her zu beleuchten und ohne ablenkende Effekte den Hörer zum Zentrum zu führen, genau so, wie es der Komponist offenbar selber gemeint hatte. Anno Schreier begleitete die Künstlerin zurückhaltend und zugleich intensiv auf der Orgel.

Ingeborg Gäb durfte mit diesem Konzert, als Schlussakzent ihres langjährigen Wirkens, zufrieden sein. Es ist für sie auch kein endgültiger Abschied gewesen. Sie deutete an, dass sie für einzelne Einsätze noch zur Verfügung steht. Die Gemeinde selbst konnte mit dem Ereignis dieses Abends gleichsam neu zu sich selber finden.