Simmerath: Dank Schulpartnerschaft von anderen Kulturen lernen

Simmerath: Dank Schulpartnerschaft von anderen Kulturen lernen

Bereits seit zehn Jahren arbeitet das Berufskolleg Simmerath/Stollberg der Städteregion Aachen mit einem türkischen Gymnasium in Izmir, dem Bornova Anadolu Lisesi, im Rahmen einer Schulpartnerschaft zusammen.

Diese zehn Jahre waren geprägt von drei Comeniusprojekten, die die beiden Schulen gemeinsam mit der finanziellen Unterstützung des europäischen Programms für lebenslanges Lernen durchgeführt haben. Das aktuelle Projekt, das in den Schuljahren 2012/2013 und 2013/2014 stattfindet, steht unter dem Motto „Hier Ausländer, dort Deutschländer — Migrantenschicksale“ — ein Thema, welches sich mit den realen Problemen der türkisch-stämmigen Migranten beschäftigt.

„Bei den vergangenen Austauschbegegnungen sind wir in Izmir wiederholt darauf gestoßen, dass die türkischen Rückkehrer aus Deutschland — sie werden in der Türkei Almanci, Deutschländer, genannt — ihre Reintegration in die dortige Gesellschaft als problematisch empfinden“, erläutert der Projektleiter Bernd Rombach, wie es zu dem Thema des Projekts kam. Gleichzeitig erklärt er die drei Säulen, auf denen die langjährige Partnerschaft steht: „Neben einem zweiwöchigen Schüleraustausch und dem Erlernen der jeweils anderen Sprache, beruht sie besonders auf der Arbeit an diesen gemeinsamen Projekten.“

20 Jugendliche der beiden Schulen nehmen an diesem dritten Projekt teil. Bei den türkischen Schülern steht Deutsch sowieso auf dem Lehrplan, die deutschen Schüler haben in zwei Schulstunden in der Woche mit dem Erlernen der türkischen Sprache begonnen, um die sprachliche Barriere zu verkleinern. Und dass diese Arbeit Früchte trägt, lässt sich beim Besuch der türkischen Schüler beobachten. Ob auf Deutsch, Türkisch oder Englisch — irgendwie gelingt die Verständigung zwischen den Schülern aus den zwei verschiedenen Kulturen immer.

Den Besuch in Izmir haben die Schüler des Berufskollegs schon hinter sich. Neben einem Aufenthalt in Istanbul und am Ägäischen Meer wurde vor allem am Migranten-Projekt gearbeitet. Die türkischen Projektteilnehmer verweilen momentan in der Eifel. Vor einer Woche sind sie angekommen, haben schon einen Trip nach Berlin und nach Hamburg hinter sich, ehe sie sich nun den deutschen Schulalltag sowie dem Projekt widmen können.

In Interviews mit Migranten aus der Umgebung wurden die Lebenswege dieser, ihre Erfahrungen in Bezug auf das Zusammenleben von Menschen mit unterschiedlichen Kulturen, Traditionen und Erziehungsidealen angesprochen. In Izmir wurden ebenfalls Migranten, welche sich dazu entschlossen haben, Deutschland wieder zu verlassen, hinsichtlich ihrer Erfahrungen bezüglich der Reintegration befragt.

Im Rahmen des Schüleraustauschs sollen die Ergebnisse dieser Interviews schriftlich festgehalten werden, da sie im Anschluss veröffentlicht werden, damit jeder — egal ob Deutscher oder Türke — etwas aus diesem Projekt mitnehmen kann.

Von Diskrimination ist bei diesem Schüleraustausch nichts zu spüren und genau diese Einstellung, die Akzeptanz der Unterschiede und Gemeinsamkeiten beider Kulturen, soll durch das Projekt gefördert werden.

(lm)
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