Nordeifel: Damals wie heute: Frostige Zeiten in der Eifel

Nordeifel : Damals wie heute: Frostige Zeiten in der Eifel

Eisblumen haben trotz der lausig kalten Nächten auch hier in der Nordeifel kaum noch eine Chance, an den Fenstern der Häuser aufzublühen. Die meisten Wohnungen sind gut gegen die Kälte isoliert - auch dank der Thermopane-Scheiben der Fenster (und den Jalousien davor).

Gleichwohl: Die frostigen Temperaturen deutlich unter Null sorgen dafür, dass die Heizungen Schwerstarbeit leisten müssen, um für eine wohlige Wärme im Haus zu sorgen, der Ölverbrauch steigt kräftig an.

Die Frostperiode dauert nun schon gut eine Woche an. Um die sechs Grad minus zeigte das Thermometer mancherorts noch am Dienstagmorgen um 9 Uhr an (anderswo mag es mehr oder auch weniger gewesen sein). Minus acht Grad und mehr sind seit einigen Tagen die Nächte kalt. Bei minus 14,6 Grad liegt der „Kälterekord” der letzten Jahre hier in der Nordeifel: Gemessen wurde diese Temperatur am 8. Januar 2003 an einer privaten Messstation in Steckenborn.

Aktuell diese Daten: Gegen 8.40 Uhr am vergangenen Montag, so konnten wir im „Eifelwetter” dieser Zeitung nachlesen, wurden in den Talwiesen von Erkensruhr 12,1 Grad minus gemessen. Im benachbarten Schleiden soll es sogar minus 13 Grad gewesen sein. Also, so kalt wie in Sibirien - mit Frost bis zu minus 40 (und viel mehr) Grad - ist es hier noch lange nicht. Mitte Dezember 2008 wurden im russischen Kjusjur, nahe der Lenamündung am Nordpolarmeer, sogar ein Minimum von - 51,6 Grad gemessen. Doch auch die Nordeifel, einst als „Rheinisches Sibirien” abfällig abgetan, kennt kalte Zeiten.

So gab es zum Beispiel im Jahr 1942 vom 7. Januar bis zum 16. März Dauerfrost, als ununterbrochen an 72 Tagen das Thermometer Temperaturen unter Null anzeigte, der Rekord lag damals am 29. Januar bei minus 29 Grad, am 23. Januar wurden bereits minus 21 Grad gemessen.

Eis musste gesprengt werden

Auch die Tage um den 30. Januar 1933 waren eisig kalt, bis minus 15 Grad zeigte das Thermometer. Die Rur ist fast völlig zugefroren”, berichtet das Montjoie„r Volksblatt am 27. Januar. Eine Woche später meldete die Zeitung: Eisgang auf der Rur. Tauwetter und Regen haben die starke Eisdecke auf der Rur zum Schmelzen gebracht. „Heute früh um Viertel vor sechs Uhr löste sich das Eis und stürzte mit Donnergetöse zu Tal. Oberhalb Dreistegen hatte sich Eis der Rur und des Perlbachs gestaut, sodass die Feuerwehr ihm mit langen Haken und Äxten zu Leibe rücken musste.” Am Nachmittag musste das Eis sogar gesprengt werden.

Früher, als es noch kein Ozonloch und keine Klimakatastrophe gab, schlug das Wetter so manche Kapriole, wie ein Blick in das „Wetterbüchlein für Jedermann” von Walter Scheibler zeigt. Dazu ein paar Beispiele: Der Winter 1836/37 gilt als einer der „strengsten und anhaltendsten Winter, seit es Wetteraufzeichnungen gibt”. Am 11.4.1837 stand das Thermometer bei minus 10 Grad, dazu lag im Durchschnitt 80 Zentimeter Schnee, wodurch alle Verkehrsverbindungen unterbrochen wurden. Der Postwagen von Aachen nach Trier musste drei Tage lang in Roetgen ausharren; am 10. April wurden 230 Bürger aufgeboten, um die Straße von Imgenbroich bis zur Kalterherberger Gemeindegrenze aufzuschaufeln; in Imgenbroich mussten sogar 403 Einwohner „Dienst an der Schneeschaufel” tun.

Der Februar 1849, so ist überliefert, war so mild, dass keine Flocke Schnee gefallen ist. Von März bis Mai 1880 herrschte eine „Dürre, wie sie seit Menschengedenken nicht vorgekommen” sei. Der Winter von 1718/1719 sei „gelind gewesen, erst am 5. April habe es angefangen zu frieren, so ist dort zu lesen. Und weiter: Der Sommer sei dann von „ungewöhnlicher Hitze und Druckendheit” gewesen.

Winterliche Rückfälle sind im April nicht ungewöhnlich. Im Jahr 1903 hat es täglich bis zu 20 Zentimeter geschneit, damals tobte am 19. April ein heftiger Schneesturm über Deutschland. In jenen Tagen quälten sich die Soldaten eines Infanterie-Regiments aus Aachen mühsam über die tief verschneiten Straßen zur Schießübung nach Elsenborn. Als die Soldaten nach vier Wochen zurückkehrten, mussten die Bürger aufgefordert werden, entlang der Marschstrecke Eimer mit Wasser aufzustellen - wegen der großen Hitze.

Hier zu Lande brauchte wegen der Kälte eigentlich niemand mehr zu frieren (oder gar zu erfrieren). Überliefert ist für das Monschauer Land auch dies: Vor 170 Jahren, genau vom 7. bis zum 21. Januar 1838 war es fortwährend minus 20 bis minus 21 Grad kalt. „Die Armenkommission verteilte an die Armen Torf, damit sie sich gegen die Kälte schützen konnten.”

Torf als Brennstoff hat aber auch in der Nordeifel längst ausgedient.

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